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Mein Schatz: Gerda (Anjorka Strechel) mit magischem Stein.© Kunzfeld

Oper

Junge Oper zeigt „Die Schneekönigin“

VON STEFAN GOHLISCH

HANNOVER. Es gehört zum Prozess des Erwachsenwerdens, dass man vom rechten Wege abkommt, auf die bösen inneren Stimmen hört, den Versuchungen des schönen Scheins erliegt, immer wieder stolpert und sich wieder aufrappeln muss. All das gehört dazu, und all das steckt drin in Daan Mannekes „Die Schneekönigin“, die jetzt in der Inszenierung von Dorothea Schroeder im Ballhof eins Premiere hatte.

Ganz essenzielle Themen sind das, zumal die Kinderoper – wie das zugrunde liegende Märchen von Hans Christian Andersen – auch noch eine Geschichte vom Mut und der Kraft der Liebe erzählt. Es ist die noch unschuldige Liebe der Kinder Gerda und Kay. Hier werden sie als 14-Jährige dargestellt. Anjorka Strechel (die vergangene Woche als erste Deutsche den russischen Filmpreis als beste Schauspielerin gewann) tut das mit allen Untertönen, die zu diesem Alter gehören, von pubertärem Trotz bis zu kindlicher Fürsorge. Peter Sikorski hat die etwas undankbare Rolle als Verführter und macht das gut.

Er gerät in den Bann und das Reich der Schneekönigin (in Schönheit zur Salzsäule erstarrt: Tina Lönnmark) und mutiert sogleich zum aggressiven Nihilisten: „Du stinkst“, giftet er Gerda an, denn: „Was lebt, stirbt, und was stirbt, stinkt.“ Sophie Kassis’ Text hat eben die rechte Portion Garstigkeit, die man Kindern eben doch zumuten kann, auch wenn man das in Deutschland gern anders glaubt. Das angemessen sperrige, meist blau ausgeleuchtete Bühnenbild (Telse Hand), die schrillen Kostüme (Jorine van Beek) und die schrägen Klänge mit ihren Kneipenfanfaren und morbiden Marsch-Walzern stützen das.

Gerda also macht sich auf, ihren Freund zu retten. Ein magischer Stein hilft ihr. Sie trifft ein paar seltsame Vögel, einen vernarrten Prinzen (überzeugendster Sänger: Seongsoo Ryu) und Räuber, die aussehen, als seien sie Ronja Räubertochters Mattisburg entfleucht; der bräsige Bonk wird zum Liebling der Premierenkinder. Eine Bande singender Dämonen kommentiert das Geschehen wie die Parodie eines antiken Chores.

Viele ironische Brechungen machen diese Kinderoper auch für Erwachsene zum Vergnügen (mit Abstrichen für den mitunter etwas undeutlichen Gesang). Und am Ende gibts sogar noch eine Moral von der Geschicht’: dass man Schwächen zulassen muss, um stark zu sein. Auch das gehört zum Großwerden dazu.

Bewertung: 4/5

Ab acht Jahren. Wieder am Sonntag.
oper-hannover.de


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