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Kultur Juchzer für Daniel Hope
Nachrichten Kultur Juchzer für Daniel Hope
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00:18 28.02.2018
Superstar der Klassik: Daniel Hope (vorne) spielt im Großen Sendesaal. Quelle: Clemens Heidrich
Hannover

„Alles lobte den schönen, reinen Ton“: So wusste Mozart einst von Reaktionen auf eines seiner Konzerte zu berichten, und so steht‘s im neuesten Pro-Musica-Programmheft. Nun, so ziemlich alles lobte auch den Auftritt von Daniel Hope und dem Zürcher Kammerorchester im Großen Sendesaal – derart viel Gejohle und Gejuchze ist sonst eher im Popkonzert zu hören. Gleichwohl blieb der Abend Geschmackssache.

Fraglos hatte Hope mit der „Reise zu Mozart“ ein gefälliges Programm mitgebracht, fraglos weiß der Geiger Akzente zu setzen, und fraglos ist er ein ausgezeichneter Entertainer: Die in fast akzentfreiem Deutsch vorgetragenen Moderationen des Musikers mit den südafrikanisch-britischen Wurzeln wirkten charmant, was durch den eigenwilligen Gebrauch der Artikel eher noch verstärkt wurde.

Wenn Hope vom Pult aus das Orchester anleitete, zeigte er keine Allüren, sich in den Vordergrund zu spielen; ein sehr runder Gesamtklang war die Folge. Etwa gleich zu Beginn bei Glucks Furientanz aus „Orfeo ed Euridice“, der effekt- und kraftvoll von der Rampe kam, wenn auch trotz aller jagender Läufe nicht wirklich furienhaft. Kultiviert halt, wie dies später auch bei Mozarts Divertimento in F-Dur und der 29. Symphonie der Fall sein sollte. Indes gab es zudem Violinkonzerte zu hören, beide in G-Dur, das eine von Mozart, das andere von Joseph Haydn - und der Solist Daniel Hope ist so eine Sache für sich.

Um auf das Eingangszitat zurückzukommen: Schön war sein Ton streckenweise wohl, manchmal auch süßlich, Reinheit gehörte allerdings sicher nicht zu den herausragenden Qualitäten dieser Spielweise, die schon mal die Grenze zum Abenteuerlichen überschritt. Dann konnte auch Hopes Fähigkeit zu abgestufter Dynamik mit wirklich leisen Tönen nicht mehr viel retten.

Kurz, die stehenden Ovationen am Schluss schienen – netter Abend hin oder her – unangemessen. Belohnt wurden sie mit gleich vier Zugaben: Vivaldi, Max Richter, Mozart und schließlich sogar samt Publikumsbeteiligung „Guten Abend, gut‘ Nacht“.

Von Jörg Worat

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