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Kultur Volles Brett für Paganini
Nachrichten Kultur Volles Brett für Paganini
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23:02 11.10.2018
Er kann es: Der Geiger Sergey Dogadin gewann den letzten Violinwettbewerb. Quelle: Helge Krückeberg
Hannover

Start für den Wettbewerb der weltbesten junger Geiger, bei dem einer schon einmal zeigte, wie es richtig geht. Sergey Dogadin, Gewinner des letzten Joseph-Joachim-Wettbewerbs, hatte sich den Virtuosen unter den Virtuosen vorgenommen, den Pop-Star unter den Violinkomponisten: Nicolo Paganini.

Was für ein Konzert im Großen Sendesaal: Das macht schon Spaß, dieser technischen Gekonntheit zuzuhören. Und auch zuzusehen, wie Dogadin bei Paganinis erstem Violinkonzert die geigerische Hochseilartistik vollführt. Das ist Paganini. Der Russe bleibt dabei geschmackssicher, versucht nicht, irgendwelche dämonischen Wirkungen zu erzeugen, die man durch die populäre Musikgeschichte Paganini so gerne zuschreibt. Gerade für den langsamen Satz ist der vergleichsweise üppige Geigenton Dogadins geeignet. Und dann dreht er im abschließenden Rondo wieder voll auf. Insgesamt ein geigerisches Brillantfeuerwerk.

Das Orchester macht unvermindert mit, bei soviel Spielfreude fallen dann auch die leicht ordinären Beckenschläge nicht mehr auf. Dogadin macht aus dem Ganzen kein pures Virtuosenfutter – was natürlich auch seine Berechtigung hätte – sondern sucht nach der sicher nicht ausufernden Substanz, der Schönheit, die in diesem Violinkonzert steckt.

Und sucht nach dem Virtuosen, der in Dogadin steckt – der die hier nötige makellose, schlanke Perfektion genauso beherrscht wie den satt-romantischen Geigenstrich bei Tschaikowsky. Die Tempi bleiben gebremst, der Diskant hat die Schärfe und Präzision eines japanischen Messers. In der Zugabe noch einmal Paganini, mehr geht nicht als mit diesem „La Campanella“.

Wenn man solche Solisten hört, passt dann auch das eigentliche Hauptwerk des Abends: „Ein Heldenleben“ von Richard Strauss. Große interpretatorische Anforderungen hat dieses Großwerk eigentlich nicht, dafür umso mehr an das Orchester. Und hier setzt Dirigent Robert Trevino – der Dogadin vorher frei schwebend begleitete – auch auf Virtuosität und Präzision mit deutlich markierten Pausen. Der Lärm der „Walstatt“ hat den richtigen Pegel und die „Friedenswerke“ sowie des „Helden Weltflucht und Vollendung“ haben die nötige Üppigkeit.

Der pralle Wohllaut wird überlegen zelebriert, ebenso das heikle Violinsolo – wobei die gut aufgelegte NDR Radiophilharmonie voll mitgeht, Schlagwerk und Blechbläser sind in Superform. Die man auch den Wettbewerbsteilnehmern wünscht.

Von Henning Queren

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