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17:53 21.02.2018
Geben Gas: Dita von Teese und ihr musikalischer Partner Sébastian Tellier. Quelle: Gilles Laurent
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Berlin


Dita Von Teese sitzt im engen schwarzen Kleid mit Rosen-Applikationen auf dem Samt-Sofa eines Berliner Luxus-Hotels. Sie ist perfekt gestylt und noch schöner als auf den Pin-up-Fotos, die man von dem Burlesque-Star kennt. Und jetzt singt sie auch noch! Die 45-jährige Amerikanerin bewirbt ihr selbstbetiteltes Debütalbum, das ihr der französische Songwriter Sébastien Tellier auf den zierlichen Leib geschrieben hat. Beim Gespräch ist sie sich sympathisch, offen, selbstbewusst und gar nicht gekünstelt.

Ihr Debüt-Album ist sinnlich und sexy. Sie singen vom erotischen Rendezvous und von verbotenen Früchten, an denen Sie naschen.

Einige der Sätze würde ich normalerweise nicht in den Mund nehmen, dazu bin ich viel zu schüchtern. Der französische Songwriter Sébastien Tellier hat das Album für mich geschrieben. Es ist also seine Sicht auf mich und mein Leben.

Aber Sie erkennen sich darin wieder?

Sagen wir so: Es war erst nicht ganz einfach für mich, mich darauf einzulassen. Denn wenn es um Burlesque geht, habe ich die völlige Kontrolle und jede Menge Selbstbewusstsein. Mit dem Album ist es fast so, als würde jemand die Tür zu meinem Privatleben öffnen. Meine Stimme transportiert meine Verletzlichkeit. Sie ist kein Produkt meiner Fantasie wie meine Burlesque-Shows, und man kann sie auch nicht manipulieren. Ich musste fürs Singen wirklich meine Komfortzone verlassen.

„Ich habe mich nie geschämt“

Aber auf Ihrem Weg an die Spitze des Burlesque-Revivals mussten Sie sich sicherlich auch oft überwinden, oder?

Eigentlich nicht. Es waren viele kleine Momente, die dorthin führten. Ich begann in jungen Jahren als Balletttänzerin. Ich war es also gewohnt, auf der Bühne zu stehen und mich wohl mit meinem Körper zu fühlen. Mit 18 fing ich an, in Nachtclubs aufzutreten. Ich hatte viel Zeit, um die Babyschritte zu machen. Und ich habe mich nie dafür geschämt, als Stripperin mein Geld zu verdienen.

Gab es Zeiten, wo man Sie unterschätzt hat oder als dummes Pin-up-Modell abstempelte?

Ja, na klar. Es gibt immer mal Fotografen, die nicht gerade für beste Stimmung am Set sorgen. Was ich überhaupt nicht ausstehen kann ist, wenn mich Leute am Arm anfassen und irgendwo hinschieben wollen. Ich kann schon gut alleine meinen Weg finden! Ich lasse mich jedenfalls nicht rumschubsen oder anfassen! Da kann ich schon mal recht deutlich werden.

„Es war eine steile Lernkurve“

Haben Sie auch Ihre Erfahrungen mit sexueller Belästigung gemacht wie viele Ihrer Showbiz-Kolleginnen?

Nein. Vielleicht auch, weil ich mich nie um Jobs bewerben musste und in keiner Abhängigkeit stand. Ich war immer mein eigener Boss.

Mittlerweile haben Sie zwei Bücher veröffentlicht, diverse Parfüms und eine Damen-Unterwäsche-Kollektion auf den Markt gebracht.

Dass alles hatte ich mir früher nicht ausmalen können. Ich habe mit dem Burlesque-Tanz aus Spaß angefangen. Ich hätte nie gedacht, dass ich damit mal berühmt werden würde. Irgendwann wurde aus dem Spaß dann auch Ernst: Ich musste Business-Entscheidungen treffen. Es war eine steile Lernkurve.

Wie wichtig war Schockrocker Marilyn Manson, mit dem Sie bis Anfang 2007 verheiratet waren, für Ihre Karriere?

Nun, wir waren sieben Jahre zusammen. Ich denke also nicht so viel darüber nach, wie wichtig er für meine Karriere war, sondern viel mehr, welche Bedeutung er für mein Leben generell hatte. Ich habe aus jeder meiner Langzeitbeziehungen eine Menge gelernt. Ich bin froh, dass wir mittlerweile Freunde sein können. Ich war erst Anfang Januar auf seiner Geburtstagsparty – da ging es ziemlich wild zu. Wir hatten damals eine interessante Künstler-Muse-Beziehung. Er hat mir gerne von seinem Rampenlicht abgegeben. Aber er hat auch meine Welt als Inspiration für seine Musik benutzt. Es war ein Geben und Nehmen.

„Ich liebte das Drama“

Aber von den Typen mit Bad-Boy-Image sind Sie nun geheilt, oder? Sie sind ja seit vier Jahren mit dem soliden Grafikdesigner Adam Rajcevich liiert.

Das stimmt! Ich bin an einem Punkt in meinem Leben, wo ich nicht mehr so viel Drama haben mag. Was nicht heißen soll, dass ich einen Rockstar geheiratet habe, weil ich das Drama liebte – so war es ja auch nicht immer mit Manson.

Würden Sie gerne noch mal heiraten?

Ich lebe mit meinem Freund zusammen. Aber irgendwie habe ich das Gefühl, dass ich die große Hochzeit meines Lebens schon hinter mir habe. Und die Zeremonie als solches hat mir nicht mal Spaß gemacht. Es fühlte sich eher wie eine Performance an, wie ein Auftritt. Ich fühlte mich sogar recht unwohl, den Traualter hinunter zu schreiten.

„Ich will keine eigenen Kinder“

Wo ist denn da die romantische Dita?

Ja, ich weiß, es hört sich hart an. Aber ich war nie so drauf, dass ich sagte: „Das wird jetzt der schönste Tag meines Lebens.“ Andere Mädchen sind getrieben von der Vorstellung einer Hochzeit. Für mich war das alles eher merkwürdig.

Und Mutter zu werden ist auch nichts für Sie?

Hm, ich habe das Gefühl, dass es gut überlegt sein muss, ob man noch mehr Menschen in die Welt setzen will, wo der Planet doch eh schon überfüllt ist. Ich denke, es ist eine durchaus moderne Einstellung, davon Abstand zu nehmen. Es ist doch merkwürdig, dass alle einen immer dahingehend drängen wollen, Mutter zu werden. Warum ist das so? Aber für jeden haben Kinder im Leben eine andere Bedeutung. Ich liebe sie auch, aber ich will keine eigenen.

Machen Sie sich viele Gedanken um den Zustand der Welt?

Ja, natürlich. Es ist beängstigend, was gerade um uns herum geschieht. Wir leben in sonderbaren Zeiten. Selbst Damen, die 80 sind und schon viel Geschichtliches miterlebt haben, bestätigen mir, dass es gerade recht extrem ist.

„Ich spürte, dass Trump mich nicht mochte“

Donald Trump sollen Sie ja bereits kennengelernt haben.

Oh ja. Ich habe ihn in seinem überkandidelten, vergoldeten Büro in New York getroffen. Er wollte, dass ich bei der Reality-Show „The Celebrity Apprentice“, in der er seinerzeit zu sehen war, mitwirke. Ich kannte die Show nicht mal, aber meine damalige Managerin fand, ich sollte mir das mal anhören. Ich spürte sofort, dass mich Trump nicht mochte.

Weil Sie nicht blond sind?

(lacht) Meine Naturhaarfarbe ist blond! Nein, ich denke, er spürte, wie egal mir die Show und er waren. Ich war kein Fan und kein Girlie. Und seine selbstgefällige Art widerte mich an. Ich ahnte nicht, dass ich mit dem zukünftigen Präsidenten der Vereinigten Staaten sprechen würde. Ich hatte es eh bis zum letzten Moment für unwahrscheinlich gehalten, dass er ins Amt kommt.

Würden Sie Karl Lagerfeld zustimmen, der sagte: „Wer eine Jogginghose trägt, hat die Kontrolle über sein Leben verloren“?

Alles, was Karl sagt, ist für die Masse empörend. Das liebe ich am meisten an ihm! Und ja, ich denke, ich muss ihm zustimmen. Es ist sehr verführerisch, es sich bequem zu machen. Aber es gehört zur Disziplin dazu, sich der Bequemlichkeit nicht gänzlich hinzugeben.

Von Katja Schwemmers

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