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Kultur Jan Weiler über Weihnachten mit dem Pubertier
Nachrichten Kultur Jan Weiler über Weihnachten mit dem Pubertier
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00:16 25.12.2017
Oh, du Fröhlicher: Jan Weiler setzt in der Erziehung auf Entspannung – erst recht zu Weihnachten. Quelle: dpa
Hannover

Seine Kolumnen zum „Pubertier“ sind Lektionen der Gelassenheit – das gilt auch für Weihnachten. Wir sprachen mit dem Bestseller-Autoren und zweifachen Vater Jan Weiler.

Herr Weiler, sind Ihre Pubertiere eigentlich noch Pubertiere?

Naja, sie sind 15 und 19. Sie sind noch nicht wirklich durch.

Was hat sich verändert in Bezug auf Weihnachten?

Es ist ein bisschen egaler geworden. Alle sind relativ cool, freuen sich aber trotzdem auf die Rituale. Es hat an Wucht verloren.

Setzt das Sie mehr oder weniger unter Druck? Mein Pubertier zum Beispiel wünscht sich in diesem Jahr gar nichts ...

Das Problem haben wir auch. Also läuft man herum und guckt, ob man irgendwas findet. Oder man versucht es nochmal mit Sachen, die man selber gut findet: ein Theater-Abo zum Beispiel. Wobei: Die sind immer so im Stress und haben so viel zu tun, die haben keine Zeit, ins Theater zu gehen.

Womit sind sie denn beschäftigt?

Der Sohn im wesentlichen mit Zocken und die Tochter mit Nachrichten-Verschicken. Die Vorstellung, länger als eine Stunde im Theater zu sitzen, ohne dass irgendwas reinkommt, ist, glaube ich, ganz schlimm für sie.

Die müssen dann auch so viel nachholen an Nachrichten ...

Ich hatte gerade eine Frau in meiner Veranstaltung, die erzählte, sie muss, wenn sie will, dass die Kinder zum Essen kommen, den WLAN-Router rausziehen.

Und das werden Sie Heiligabend auch tun?

Nein, zum Glück nicht. Auf dem Level sind wir nicht.

Sie sprachen Ihre Rituale an. Wie sehen die aus?

Ganz bürgerlich. Der Baum wird irgendwann geschmückt, mittags ...

Wer schmückt?

Ich. Und mein Sohn.

Das dürfen Sie?

Ja, es wird aber vorher eine Linie festgelegt. Und dazu trinke ich Pilsener Urquell und höre Reggae. Dann muss ich ungefähr fünf Stunden lang Geschenke einpacken. Die Kinder langweilen sich, denn sie dürfen an dem Tag ja auch nicht weg. Früher mussten sie – aber ich glaube, das funktioniert nicht mehr – später immer spazierengehen, während wir die Bescherung vorbereitet haben, und durften erst reinkommen, wenn im Fenster eine Kerze brannte. Wir haben ihnen dann immer erzählt, das Christkind war gerade noch da. Und dann geht es los. Ein wichtiges Ritual ist, dass immer nur einer ein Geschenk auspacken darf. Also: Mein Sohn sucht ein Geschenk aus und übergibt es an die entsprechende Person ...

Der Jüngste darf nicht mit dem Auspacken beginnen?

Nö. Wir wollten irgendwann dieses geistesgestörte Aufreißen und Rumwühlen beenden. Und jetzt finden wir das alle ganz schön. Die Bescherung dauert ewig, bestimmt zwei Stunden, und ist zumindest ein bisschen von Respekt begleitet.

Den Sie ansonsten bei diesem Fest vermissen?

Ja, wir sind da schon relativ unromantisch. Wir schenken uns auch gerne Sachen, die wir einfach brauchen, einen schönen Topf zum Beispiel, den wir uns im August eher nicht kaufen würden.

Das Festhalten an Ritualen zeigt aber eine gewisse Sehnsucht nach Tradition und kindlichem Erleben ...

Es ist halt ein schöner Abend. Bei uns jedenfalls. Es gibt Kartoffelsalat, Würstchen, manchmal auch Lachs. Jeder trinkt, was er möchte. Ich zum Beispiel saufe Champagner ...

Ah, Sie wechseln vom Pilsener?

Rotwein würde ich Heiligabend nicht trinken. Dann müsste ich um 21 Uhr schlafen gehen.

Sie feiern zu viert?

Ja. Den Großfamilienstress, 700 Kilometer durch Deutschland fahren, das machen wir einfach nicht mehr. Ich könnte mir vorstellen, dass es das erste Jahr Weihnachten ist, an dem meine Tochter um 23 Uhr sagt: „Ich fahre jetzt noch in die Stadt.“ Das haben wir ja ganz früher auch gemacht.

Wie geht es Ihnen damit? Sehen Sie das mit lachendem oder weinendem Auge?

Das weinende Auge ist, dass es eben nicht nur für die Kinder irgendwann entzaubert ist, sondern für uns auch. Aber wir gehen auch da ganz entspannt ran.

Haben Sie Tipps für Menschen, die sich schwerer damit tun?

Der Tipp ist immer der selbe: an sich selber denken. Wie war das damals, als man selber 16, 17 war? Die Muster erkennen und sich danach verhalten. Natürlich kann man von den Kindern erwarten, dass sie nicht im Schlafanzug oder in Unterhose zur Bescherung kommen und dass ein paar Konventionen eingehalten werden, die den Eltern etwas bedeuten. Aber man muss auch einen Schritt auf sie zugehen und sie nicht mit Konventionen quälen. Das heißt auch: keine Anwesenheitspflicht über eine bestimmte Uhrzeit hinaus. Es wird einfach langweilig für die.

Manche Eltern sind dann ja auch ganz froh, wenn sie ihre Ruhe haben.

Naja. Bei uns ist es immer ganz nett. Ich trinke da so vor mich hin und denke: „So, jetzt brauche ich noch ein Würstchen ...“ Oder wir spielen etwas oder hören Platten, die wir uns geschenkt haben, und blättern in Büchern und quatschen. Das ist ein schönes ruhiges Fest.

Was wünschen Sie sich?

Generell oder ganz konkret?

Gerne beides.

Generell wünsche ich mir Ruhe; mein Leben ist aufregend genug. Und konkret wünsche ich mir Kaffeebecher von Royal Copenhagen.

Gibt es dazu eine Geschichte?

Nö. Die sind einfach schön.

Am 24. Januar liest Weiler im Pavillon aus seinem Buch „Und ewig schläft das Pubertier“. Karten kosten 20,70 Euro.

Von Stefan Gohlisch

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