Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Kultur Irie Révolté auf der Gilde Parkbühne
Nachrichten Kultur Irie Révolté auf der Gilde Parkbühne
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:16 06.09.2017
Bekenntnis: Irie Révoltés begeistern auf der Bildeparkbühne mit Songs und Ska. Quelle: Wilde
Anzeige
Hannover

Zum Abschied wird nicht hingeplätschert, zum Abschied wird hingefeiert – am zweiten Tag ihres Festivals an der Parkbühne geben die Irie Révoltés ihr letztes Festival- und Hannover-Konzert und vor 4500 Fans nochmal alles, was sie in ihren 18 Jahren zu Szenefavoriten hat wachsen lassen: Rhythmus, Message, gute Laune trotz gewichtiger Themen.

Das ist ein schöner Moment als Moop Mama unter einem Regenbogen auftreten. Die zehn Mann aus München tragen rotweiße Fantasieuniformen, „Meermenschen“ ist ein nachdenklicher Opener. Ihr Sound hat viel vom Hamburger Bahnhof Soul. Neben einer Reihe von Blasinstrumenten spielt die Gruppe auch mit den Zuhörern, wagt den Weg nach unten: „Wer sich wie ein Erwachsener benehmen will, sollte jetzt gehen.“ Die Arrangements sind klasse, doch ganz stimmig wird der Auftritt nicht. „Alle Kinder“ könnte glatt ein Otto-Waalkes-Cover sein, der Blödeltext wirkt auf einem so genuin politischen Festival etwas deplatziert – wo die anderen Bands ernste Dinge im Spaß sagen, kommen Moop Mama anderthalb Stunden von der Halbironie nicht weg.

Nach transparenten Soundchecks bei den Vorbands ist vor den Révoltés ein weißer Vorhang gespannt. Als der fällt, tanzen die Sänger Mal Éléve und Carlito mit ihren Fans zum Soundtrack heißer Demo-Sommer. „Ruhe vor dem Sturm“ kann nur ein Rückblick sein, so wie es jetzt abgeht – Dancehall-Rhythmen und „allez, allez“ machen eine Atmosphäre, in der von linker Melancholie nichts zu spüren ist. „Resisdanse“ und „Freiheit und zwar jetzt“ – die Révoltés sind die bedeutendsten Revolutionstexter mit französischer Ader seit Heinrich Heine.

„Soleil“ ist zwar ganz alt, aber die Band nimmt einfach an, dass jeder den Text kann – und hat Recht. Neben einem Einhorn-Luftballon gehen wieder mehrere Pyros in die Höhe, Mal Éléve warnt: „Gestern gab es ein paar Verbrennungen.“ Viel Applaus für ein improvisiertes Beatbox-Rap-Duett um den „Antifascista“-Schachtruf.

Später kommen dann noch „Viva con Agua“-Volunteers auf die Bühne, mit der Organisation arbeitet die Band schon seit zehn Jahren gemeinsam, einen Dank an das Netzwerk lässt sie sich nicht nehmen – jetzt ist Festival-Stimmung, der Révoltés-Express hat mächtig an Fahrt aufgenommen und lässt sich nicht mehr stoppen. Ein Shoutout ans UJZ Kornstraße, eine Songwidmung an die Rote Flora, eine Ska-Hymne – alles lässt Band und Fans dieselbe Welle reiten – bis zum Abschied.

Von Lilean Buhl

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 00:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Kultur Bernd Mottl inszeniert Oper von Hans Werner Henze - „Der junge Lord“ in Hannovers Staatsoper

Tolles Ensemble, tolle Inszenierung: Die Staatsoper ist mit der selten gespielten Oper „Der junge Lord“ in die neue Spielzeit gestartet.

06.09.2017

Der Schauspieler Moritz Bleibtreu (46) rät jungen Kollegen, ihr Schauspielglück in erster Linie in Deutschland zu suchen.

02.09.2017

Lange, bevor an der Parkbühne beim ersten Tag des Révoltés-Festivals die Pyr­os rot in die Nacht leuchten und die Punks von Feine Sahne Fischfilet ihren Frust über Neonazis mit dampfendem Atem von der Bühne herunterschreien, beginnt der Festivaltag mit Sonne – die ist sogar vor der Politik auf dem Festivalgelände, und dabei ist Politik heute überall.

01.09.2017
Anzeige