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Kultur Inception - der Spion, der in die Köpfe kommt
Nachrichten Kultur Inception - der Spion, der in die Köpfe kommt
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17:25 28.07.2010
Szene aus Inception Quelle: dpa

Es heißt, man solle eine wichtige Sache überschlafen, bevor man Entscheidungen fällt. Christopher Nolan, das Superhirn hinter dem Batman-Kassenhit „The Dark Knight“, hat angeblich 10 Jahre über der Idee zu seinem neuen Film geschlafen. Das lange Brüten hat sich gelohnt, denn der Sci-Fi-Thriller „Inception“ (ab 29. Juli im Kino) über Psycho-Gauner, die in den Träumen anderer herumstöbern, ist ein höchst anregendes Vexierspiel. Um es zu durchschauen, sollte der Zuschauer aber gut ausgeschlafen sein.

Es geht um den berufsmüden „Extraktor“ Dom Cobb, der sich mit seinem Assistenten Arthur darauf spezialisiert hat, mittels eines nicht näher erläuterten Apparates in die Psyche Schlafender einzudringen, um Geheimnisse zu stehlen. Dann verlangt ein Auftraggeber, diesen Prozess umzukehren: Cobb soll in das Hirn eines Konzernerben eine subversive Idee einpflanzen. Als Belohnung winkt dem weltweit gesuchten Industriespion die ungehinderte Rückkehr zu seinen Kindern. Cobb stellt ein Team zusammen, das das Opfer, Robert Fischer, im Schlaf in Trugbilder hineinlocken soll. Der Hebel für die virale Manipulation ist Fischers Vaterproblem.

Mit dem rückwärts erzählten Thriller „Memento“ und dem Illusionisten-Krimi „Prestige“ als Aufwärmtraining konstruiert das Wunderkind Christopher Nolan diesmal eine virtuose Fata Morgana, in der die Fäden für mindestens vier Actionfilme sowie einem therapeutischen Liebesdrama verwebt werden. Denn Cobbs gefährlichster Gegner ist er selbst, gefangen in Erinnerungen an seine tote Frau Mal. Als Robert Fischer bei einem Überseeflug mit Cobbs Dream-Team in Tiefschlaf versetzt wird, taucht bei der Expedition ins Unterbewusste die Tote als blinder Passagier auf. Mal sabotiert Cobbs ausgetüftelte Guerilla-Strategie, aber auch Fischer entwickelt Abwehrmechanismen.

Hä?? Was in dieser beziehungsreichen Traum-Traumattacke geschieht, lässt sich kaum nacherzählen, nur selbst besichtigen - am besten zweimal. Grundstruktur ist ein Gebäude aus drei vordergründig real wirkenden Ebenen, von „Architektin“ Ariadne im Stil von Escher-Labyrinthen entworfen, in denen „Fälscher“ Eames die Menschen verkörpert, die Robert nahe stehen. Neben Cobb gibt es noch Chemiker Yusuf, der für die Schlafdroge zuständig ist, und Auftraggeber Saito, als „Tourist“ mit dabei. Organisator Arthur räumt als Hausmeister in jeder Ebene auf. Während das Team per Aufzug durch die Traumstockwerke saust, geistert die Ehefrau als freie Radikale herum.

So wechseln Autojagden und Schießereien mit einem Liebesdrama à la Orpheus und Eurydike, in dem Leonardo DiCaprio wieder als schwer gequälte Seele auftritt. Marion Cotillard, die Cobbs große Liebe spielt, heimste zuletzt für die Edith-Piaf-Bio „La vie en rose“ einen Oscar ein; hier dient ein Piaf-Chanson als Weckruf. Markante Darsteller in allen Nebenrollen, darunter Tom Berenger und Ellen Page, verleihen der verzwickten Gaukelei zusätzliche Dynamik. Am meisten verblüfft aber die psychedelische Ästhetik, in der zum Beispiel eine Straße zum Spiegelkabinett mutiert und Paris mal eben kopfüber zusammengeklappt wird.

Dass sich die gefühlte Traumzeit von einer Ebene zu nächsten potenziert und jedes Ereignis buchstäblich vielschichtig wirkt, führt zu nachgerade poetischen Metamorphosen. Wie andere sogenannte „Mindfuck“-Filme à la „Shutter Island“, „The Cell“, „Matrix“ und “2001“ zeigt auch Nolans zitierfreudige Spielerei, dass Sigmund Freuds Diktum vom Ich, das nicht Herr im eigenen Haus ist, am besten mit Kintopp veranschaulicht werden kann. Die vielen Wow-Effekte verdecken fast, wie dürftig das Antriebsmotiv dieses zweieinhalbstündigen Blendwerks ist - es sei denn, man nähme die ganze Geschichte als Alptraum. Und das ist dann doch recht banal für so viel Einsatz. apn

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