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00:21 19.04.2018
GEDOPPELT: Mathias Max Herrmann persönlich und als Projektion in seinem Solo „Das Wohnzimmer meines Lehrers“. Quelle: Katrin Ribbe
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Hannover

Okay, es ist die Cumberland-Raumbühne des Staatsschauspiels. Aber was wir sehen, hängt zu Beginn davon ab, in welcher von zwei Abteilungen wir gelandet sind. Erst nach und nach wird die Zwischenwand mit dem kleinen Fenster abgebaut, und es enthüllt sich „Das Wohnzimmer meines Lehrers“ – so hat Mathias Max Herrmann vom hiesigen Ensemble seinen Soloabend genannt.

Er begibt sich dabei auf eine Spurensuche, deren Grundlage die Erinnerung bildet: Von 1986 bis 1988 nahm er in Mülheim an der Ruhr Privatunterricht bei Yoseph Millo, einer wichtigen Figur des israelischen Theaters, bekannt geworden vor allem durch seine 1948er Inszenierung des später verfilmten Romans „He walked through the fields“. Heutzutage ist über Millo kaum noch etwas in Erfahrung zu bringen; ein Wikipedia-Artikel ist ihm nicht zuteil geworden, und selbst bei seinem Namen besteht keine Einigkeit: Mal wird er mit „f“ und mal mit „ph“ geschrieben, mal mit einem und mal mit zwei „l“.

So ist Herrmann nach Israel gereist, hat Interviews geführt und gefilmt, mit Millos Tochter oder mit einem ehemaligen Weggefährten: „What did he teach you?“, wird er gefragt, und um die Antwort, besser: um die Möglichkeiten einer Antwort kreist letztlich dieser Abend. Immer wieder beschreibt Herrmann die Möbel in Millos Zimmer, den Zigarettenqualm, die Vorliebe des Lehrers für Mahlers „Kindertotenlieder“ in der Version von Kathleen Ferrier. Und was hat er ihm nun beigebracht? Spaziergänge gab es oder den gemeinsamen Blick aus dem Fenster, eine Aufwärmübung hingegen nur ein einziges Mal, an einem besonders kalten Tag.

Dazu kommen Filmaufnahmen israelischer Landschaften, am Schluss sieht man eine mitten in die Vegetation gebaute Zimmerkulisse. Ab und an erklingt Musik, die nicht besonders spannend ist und teilweise mit den Sprachpassagen kollidiert.

Laut Programmheft ist die Performance „eine Auseinandersetzung mit der Geschichte Israels“. Das scheint etwas hoch gegriffen, und tatsächlich sind es eher die ganz persönlichen Momente, die hier den Hauptreiz ausmachen. Herrmann, der durch das ständige Umstellen der Wände auch körperlich stark gefordert wird, kann wunderbar beiläufig sprechen, als würden ihm die Worte gerade zur Sekunde einfallen.

Nicht zuletzt beherrscht er auch die hohe Kunst des Schweigens: Er solle sich bei Betrachtung eines Baumes vorstellen, es sei ein Mensch, hatte ihm Millo einst aufgetragen – Herrmann schaut auf die Landschafts-Projektion an der Wand, sagt lange gar nichts. Und zugleich so viel.

Wir sprachen vor der Premiere mit Mathias Max Herrmann. Das Interview finden Sie hier.

Von Jörg Worat

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