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Kultur "Ich - einfach unverbesserlich" - Computertrick mit Superschuft
Nachrichten Kultur "Ich - einfach unverbesserlich" - Computertrick mit Superschuft
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11:38 30.09.2010
Mondsüchtig: Superschuft Gru will den Trabant vom Himmel holen und damit wieder König der Schufte werden - wie früher.
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VON MATTHIAS HALBIG

Er ist ein Schuft, der Herr Gru. Ein Superschuft, der im Schuftomobil die Luft seiner Kleinbürgersiedlung verpestet, der einen greisen Schuftotüftler beherbergt, der ihm Schuftowaffen baut für Superschuftereien, gegen die in dieser Welt kein Polizeikraut und auch kein Superheld gewachsen scheint.

Wenn Gru etwa einem heulenden Kindchen ein Luftballonhündlein zurechtzwirbelt, zersticht ers sofort wieder, damit der Kleine noch einen Grund zum Heulen hat. Und wenn er irgendwo in der Warteschlange hinten steht, dann macht er mit seiner Vereisungswaffe einfach Frostköttel aus allen und drängelt sich vor. Freilich sind das alles Mini-Coups, killefitt, das große Ding, das er drehen will, ist – tataa! – den Mond einfangen.

Die Bank des Bösen aber („formerly Lehman Brothers“ steht da zu lesen, der Banker ist der Blofeld des Kinos 2010) gibt ihm kein Geld mehr. Weil seine Raubzüge nicht lukrativ seien. Und weil er keine Mondverkleinerungswaffe vorweisen kann. Die besitzt nun der junge Victor, der sich cool Vector nennt und sich damit schon die Cheopspyramide unter den Nagel gerissen hat. Seither gilt Vector als König der Superschufte, und der Neid frisst an Gru. Der Glatzkopf adoptiert (an den Haaren herbeigezogen) drei kleine Mädchen, die sich bei dem Keksfreund Vector als Kekslieferanten einschleichen sollen, um zwecks Verkleinerungswaffendiebstahl Roboterspinnenkekse einzuschleusen.

Drei kleine … hä? Roboterspinnenkekse? Das geht einem ja schon beim Lesen auf den Keks! Außerdem klingts auch nach CGI-Waffendiebstahl bei Pixar, nach einem Gegenstück zu deren Superheldenfilm „Die Unglaublichen“. Universals erster 3D-Abendfüller ist denn auch – im Gegensatz zu den weit gewandteren Geschichten der Pixar-Studios – absehbar wie drei Meter Feldweg bei Mittagssonne. Aber Schufte sind nicht zu unterschätzen, sie hatten stets hohen Unterhaltungswert. Und wie Gru in seinem völlig kindungerechten Haushalt immer mehr um den Fiesling in sich ringen muss, hat entwaffnend viel Charme und Witz.

Wie auch die drei Waisenmädchen – Margo, Edith und Agnes – bezaubernd sind, erst recht Grus nicht allzu helle ein- oder zweiäugige simpsonsgelbe Hilfszwerge. Diese Minions sind eine glatte 10 auf der Knuffigkeitsskala. Sie zergeln, quieken und kichern und geben stets zu verstehen, dass sie doch nur spielen wollen. Bei Gru freilich müsste wirklich mal der Therapeut ran. Trauma-Alarm! Nie gabs für ihn Anerkennung von der grausamen Mutter. Liebe Eltern, schaut euch die Jugendrückblenden des armen Kerlchens genau an. Und lobt mal wieder!

Der Mond? Wird tatsächlich gestohlen. Noch bevor er wieder zurückgebracht wird, wird dann noch ein Herz gestohlen. Tja, und weil wir gerade bei der Klauerei sind: Der Zuschauer fühlt sich noch um den 3-D-Aufschlag beraubt. Der Rausch der Bildtiefe entfaltet sich nämlich nur kurz vorm Showdown und im Abspann.

„Ich, einfach unverbesserlich“, USA 2010. Regie: Pierre Coffin, Chris Renaud. Computertrickfilm.

Charme-Offensive in 3 D. Pst: Eine Dimension weniger tuts auch!

Bewertung: 4/5

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