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Kultur Hüttendorf auf dem Ballhof
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12:03 16.09.2010
Heiteres Hüttendorfleben: So stellte es sich Zeichnerin Katharina Koall fürs Schauspiel Hannover vor.
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VON EVELYN BEYER

HANNOVER. Eine „theatrale Aktion“ solls werden, ein „reales Kunstexperiment“. Heute wird das Holz für die Hütten auf dem Ballhofplatz angeliefert, ab Sonnabend wird gezimmert. Genau dann, wenn in Berlin Zehntausende gegen die Laufzeitverlängerung für Atomkraftwerke das Regierungsviertel umzingeln wollen, ruft das Schauspiel Hannover die „Republik Freies Wendland – reaktiviert“ aus, die symbolische Nachbildung des Widerstandsdorfes vor 30 Jahren an der Atommülllagererkundungsbohrstelle in Gorleben. Mehr Aktualität geht kaum.

Doch das Projekt, mit dem das Junge Schauspiel die Spielzeit eröffnet, sei „nicht zu verkürzen auf eine Anti-Atomkraft-Aktion“, betonte Intendant Lars-Ole Walburg bei der Pressekonferenz gestern: „Es geht um Fragen wie Demokratie, Lebensentwürfe, Gestaltungsmöglichkeiten, Utopien.“ Eine Woche lang werden 50 bis 100 Jugendliche in den Hütten und im Ballhof diskutieren, essen und wohnen. 17 Hütten werden gebaut, mit vorgefertigten Materialien. Wie hölzerne Container sehen sie in der Bauskizze aus, die Ausgestaltung ist frei, die Statik geklärt.

Denn auch wenn Walburg im Projekt „ein Stückchen Anarchismus angelegt“ sieht, soll es gesittet zugehen. Kein Krach nach 22 Uhr, Geschlechtertrennung in den Schlafräumen und – anders als in der Skizze von Katharina Koall – kein offenes Feuer: Das klingt nicht nach Kommunen-Neuauflage. Den Konflikt sieht Walburg als künstlich hochgeschaukelt an: „Wir sind froh, wenn Leute kommen, da rufen andere schon das Ministerium an, weil die Innenstadt brennen würde.“

Auch die „Ton Steine Scherben Family“, die Originalmusiker von Rio Reisers legendärer Band verstärkt um zwei Scherben-Kinder, stimmt im Ballhof Eins vor bestuhlten Reihen ihr „Keine Macht für Niemand“ an – wenn sie es denn singt. Die Band spielt Freitag als Auftakt, man fange „antiquiert“ an, so „Freies Wendland“-Dramaturg Florian Fiedler: „Dann schlagen wir über Streitgespräche, Infos und viel Theater den Bogen zur heutigen Generation, zu Jan Plewka.“

Dass nur ein Atomkraftbefürworter zu Wort komme, liege nicht am Theater, so Walburg: „E.on, Enercity, Vattenfall, Behörden – alle haben wir gefragt.“

Die erste Premiere des neuen Jungen Schauspiels unter Marc Prätsch ist Teil des Programms. „Little Boy – Big Taifoon“ (16. 9., 19.30 Uhr) von Hisashi Inoue zeigt die Atom-Apokalypse in Hiroshima aus der Sicht dreier zwölfjähriger Jungen: „Kraftvolle Schilderungen“, sagt Dramaturgin Vivica Bocks, „aber voll Optimismus: Es geht um Neuanfang.“ Das Stück ist eine deutsche Erstaufführung; dazu wird ein Text von Björn Bicker uraufgeführt, ein Monolog des Mannes, der den Abwurf befahl.

Zuvor um 16 Uhr wird am Sonnabend das neue Jugendcafé im Ballhof-Zwei-Foyer eröffnet; der Name wird gemeinsam gesucht. „Für mich ist das auch ein Bild: Wir öffnen uns und laden alle in das Haus ein, das wir als Theater bewohnen“, so Marc Prätsch.

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