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Kultur Howard Carpendale macht noch lange nicht Schluss
Nachrichten Kultur Howard Carpendale macht noch lange nicht Schluss
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00:19 28.02.2018
Der Grandseigneur des deutschen Schlagers:Howard Carpendale singt in der Swiss-Life-Hall (großes Bild). Die Fans singen freudig „Hello again“. Quelle: Nancy Heusel
Hannover

Ja, das Alter. „Wenn man mir heute sagt: ,Gut siehst du aus’, dann ist das kein Kompliment“, fischt Howard Carpendale in der Swiss-Life-Hall um selbige: „Es heißt: ,für dein Alter’.“ Große Freude bei 2800 Fans, ach, der Howie, sie lieben ihn ja trotzdem oder gerade deswegen. „Wenn nicht wir“ – wer dann? „Wenn nicht wir“, so heißen auch Tour und Album des 72-Jährigen, die ihn nun nach Hannover geführt haben.

Und, ja, er sieht gut aus, stattlich, der obligatorische Anzug ist ein größeres Modell als früher, aber Schal und Haupthaar wehen verlässlich. Ein Mann sucht Gehör. Natürlich spielen er und seine Band auch die guten alten Lieder; das gehört sich so im Geschäft und vor allem im Schlager.

Aber im Vordergrund des Programms steht doch das Neue, das zugleich ein altes ist: Mit dem Titelsong „Wenn nicht wir“ startet der Abend um 20 Uhr. Mit der allerletzten Zugabe „Das alles bin ich“, einer Lebensbilanz, endet es um kurz vor 23 Uhr.

Und dazwischen? Gibt es (außer einer arg langen Pause) Musik aus 50 Jahren im Geschäft, einen Akustik-Teil und sogar ein paar Coverversionen: „I should have known better“ von den Beatles, Tina Turners „The Best“, „Islands in the Stream“ von Kenny Rogers und Dolly Parton – und natürlich die Klassiker: Smokies „Alice“ (mit prächtigem „Who the F*** is ...“- Chor) und Umberto Tozzis „Ti Amo“, das in Carpendales Version sowieso schon immer viel originaler klang als das Original. Aus dem Udo-Jürgens-Lied macht er „Mit 72 Jahren“m, ja, das hat man Spaß daran. Der Discofox groovt zuverlässig die Stimme schwelgt, und wenn sie es mal nicht tut, hilft der Saxofonist mit einem 80er-Jahre-Gedächtnissolo aus.

Auf der Leinwand rotiert die Discokugel, dreht sich eine Skyline, kreist ein Mandala um sich selbst. Davor simulieren die Backgroundsänger mit Stellungswechseln Dynamik, und Carpendale selbst gibt – ganz Entertainer alter Schule – den selbstironischen Grandseigneur, der wieder und wieder mit seinem Alter kokettiert.

Es ist nicht unbedingt ein aufregendes Konzert, aber ein durch und durch souveränes. In das neue Material sind die großen Hits – von „Hello again“ über „Fremde oder Freunde“ bis zu „nachts, wenn alles schläft“ – so geschickt eingebaut, dass die gute Stimmung nie abreißt. Die 2800 Fans sind hörbar begeistert, wissen, wie der Meister anerkennend sagt, wenn sie laut und wann sie leise zu sein haben.

Letzteres zum Beispiel, als er über die USA unter Trump spricht: „Es heißt: Wenn Amerika niest, ist die Welt arm dran. Im Moment hat Amerika eine Grippe.“ dann entschuldigt er sich fast, so politisch geworden zu sein – „aber mit 72 Jahren muss man eine Haltung haben; sonst hat man falsch gelebt“. Ja, das wird man schon noch sagen dürfen.

Der Jubel der Fans zeigt: Auch diesen Ton hat Howard Carpendale getroffen. Fremde oder Freunde? Freundschaft, ganz eindeutig. Ach, der Howie.

Von Stefan Gohlisch

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