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Kultur Hochglanz und Gloria: Bildbände für den Beistelltisch
Nachrichten Kultur Hochglanz und Gloria: Bildbände für den Beistelltisch
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12:00 06.10.2018
Hingucker aus dem Herbstprogramm: Ein Bild aus „Begegnungen mit Peggy Guggenheim“ von Stefan Moses. Quelle: Elisabeth Sandmann Verlag
Hamburg

Da stehen sie, und da liegen sie: große, edel gebundene Hochglanz-Bildbände. Betritt man Sautter + Lackmann, die renommierte Kunstbuchhandlung auf der Hamburger Fleetinsel, ist man schier überwältigt von den Büchern, die dort effektvoll arrangiert sind – quadratisch, länglich, mit auffälligem, fast schrillem Cover oder, ziemlich oft, in stilvoller Schwarzweiß-Optik.

Auch jede Filiale der Buchhandelsketten und selbst jeder kleine, inhabergeführte Buchladen hat Fotobände im Angebot. In den Geschäften sind sie gut sichtbar platziert – und später oft auch bei denjenigen, die sie gekauft haben.

Denn diese Bücher sind viel zu schön, um sie ein-, zweimal durchzuschauen und dann einfach ins Regal zu stellen. Besonders schicke Exemplare werden auffällig präsentiert, und weil das gern mal auf einem Beistelltisch geschieht, hat sich der Begriff Coffeetablebuch etabliert.

Was macht ein Buch zum Coffeetablebuch?

Ein bisschen verwirrend ist das schon: Es gibt Kunst- und Fotobände, Bücher mit Mode- und solche mit Landschaftsaufnahmen. Was genau aber macht ein Buch zum Coffeetablebuch? „Eine Grenze lässt sich da gar nicht ziehen, das ist ein Sammelbegriff “, sagt Volker Jansen, Professor an der Hochschule der Medien in Stuttgart. Die Hochschule richtet den Wettbewerb zum Deutschen Fotobuchpreis aus, der unter anderem in der Kategorie Coffeetablebuch verliehen wird.

Im vergangenen Jahr ging die Auszeichnung in diesem Genre an Marco Grob für „Money People Politics“ – mit Porträts von Hollywood-Größen wie George Clooney, Bildern von Politikern wie Hillary Clinton und Aufnahmen afrikanischer Hirten. Stolze 88,60 Euro kostet der Prachtband und wiegt laut Verlag genau 3296 Gramm.

Fotografien aus Kuba in „Havana: Short Shadows“. Quelle: Hirmer Verlag

Schon der Begriff Coffeetablebuch klingt nicht nur gut, sondern macht klar, wohin das Buch gehört – ins Regal jedenfalls nicht. „Das sind Wohlfühlbücher“, sagt Florian Sautter, Inhaber der Hamburger Kunstbuchhandlung. Coffetablebücher hätten selten analytische Texte. Vielmehr lebten sie von den besonderen Abbildungen und der Atmosphäre, die sie vermittelten. Von ihrer sorgfältigen Gestaltung – und ihrer dekorativen Optik.

Wie viele solcher Bände in Deutschland verkauft werden, lässt sich allerdings nicht ermitteln: Diese Fotobücher, sagt Thomas Koch vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels, bildeten „keine feste Warengruppe“ und würden nicht extra gezählt. Sprich: Ein verkaufter Bildband über Asien taucht in der Statistik bei den Reisebüchern auf.

Fotografien zum Schwelgen

Gerade Fotobücher über andere Länder sind beliebt wie die Neuerscheinung „Havana: Short Shadows“ mit ungewohnten Ansichten der kubanischen Hauptstadt. Der Betrachter kann in solchen Bänden schwelgen und ein bisschen teilhaben an einer anderen Welt – und das ist nicht nur geografisch gemeint.

Stefan Moses’ gerade veröffentlichtes Buch „Begegnungen mit Peggy Guggenheim“ zum Beispiel bringt einem die legendäre, exzentrische Kunstmäzenin näher – und die luxuriöse Welt einer schwerreichen Lady.

Coffeetablebücher zeigen oft Modefotografien, und sie sind selber modisches Accessoire. Auf Plattformen wie Instagram und Pinterest finden sich unzählige Fotos von Räumen, in denen sie schick drapiert sind – auf Tischen, Kommoden, Fensterbänken. Das Schöne dabei: Zu jeder Vase oder Lampe findet sich das farblich passende Buch.

Francesc Zamora Mola (Hg.): „Old Houses made New“ Quelle: te Neues

Besondere Bildbände:

Philippe Bourseiller/Brice Perrier: „Eis“, Knesebeck Verlag, 296 Seiten, 155 Abbildungen, 45 Euro – bei diesen Fotos von Gletschern, Eiswüsten und Schneelandschaften wird dem Betrachter ganz warm ums Herz. Tolle Aufnahmen des preisgekrönten französischen Fotografen.

Eva-Maria Fahrner-Tutsek (Hg.): „Havana: Short Shadows“, Hirmer Verlag, 164 Seiten, 60 Abb., 29,90 Euro.

Stefan Moses: „Begegnungen mit Peggy Guggenheim“, Elisabeth Sandmann Verlag, 144 Seiten, 100 Abb., 48 Euro.

Khan Trinh/Matthew McKelway: „Rosetu. Fantastische Bilderwelten aus Japan“, Prestel Verlag, 296 Seiten, 334 Abb., 49 Euro – mal filigran, mal etwas kräftiger sind die Werke des japanischen Malers, der 1799 starb. Sie entstanden nicht nur auf Leinwand, sondern auch auf Türen und Schirmen.

Francesc Zamora Mola (Hg.): „Old Houses made New“, te Neues, 336 Seiten, 690 Abb., 50 Euro.

Von Martina Sulner

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