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00:18 07.12.2017
Volles Haus: Der Team-Poetry-Slam in der Oper. Quelle: Frank Wilde
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Hannover

Sie sind nicht nur preisgekrönte Solisten, sondern auch teamfähig. Und wie! Das bewiesen eindrucksvoll die jungen Dichter, Sprachakrobaten und Wortkünstler aus dem gesamten Bundesgebiet beim Team-Poetry Slam am Sonntagabend im Opernhaus, vor gut 900 Zuhörern.

Unter dem Motto „Whole Lotta Teams!“ rocken vier Duos das Opernhaus – sprachlich spannend, originell und wortgewandt. Moderiert wird der Abend von den Organisatoren Henning Chadde und Jan Egge Sedelies. Wenn die Glocke und der Gitarren-Riff von AC/DC’s „Hells Bells“ erklingt, geht’s los. Zum Warm-up tritt Lokalmatador Tobias Kunze auf, ein Mit-Initiator der Opern-Slams. Der Wortkünstler spricht rhythmisch über heiße Themen wie die Paradise-Papers, Steueroasen, Steuertricks und die Menschen, die auf der Strecke bleiben.

Dann startet die „Königsdisziplin“, wie Chadde es formuliert, denn im Team müssen Sprachtempo und Dynamik untereinander abgestimmt werden. „Casino Wetzlar“ (Tobias Gralke aus Hildesheim und Philipp Herold aus Heidelberg), die Sieger des letztjährigen Team-Slams in der Oper, eröffnet den Zwei-Runden-Wettbewerb. Mit „Der Himmel ist gefallen“ führen sie spannungsvoll das Thema „Sicherheit mittels Horror-Schlagzeilen“ ad absurdum.

Das „Team Scheller“ (Dominique Macri aus Stuttgart und Dalibor Markovic aus Frankfurt/Main), die Team-Slam-Meister 2014 und -Vizemeister 2015, berührt stark mit „Kindheit als Blindheit“, thematisiert eindrucksvoll Konsumwahn als Ablenkung gegenüber Krieg und Flucht anderer – „Was du zuviel hast, fehlt woanders!“. Dazu gibt es Beatboxing, umgetextete Kinder-Lieder und Sprechen im Chor.

Sehr witzig „Zweidrittel von Dames Blonde“: Mit „Fragen über Fragen“ nehmen sich Annika Blanke aus Oldenburg und Insa Kohler aus Berline sogar selbst auf die Schippe: wegen ihres deutlichen Größenunterschieds. Urkomisch und radikal nehmen sie dann noch bei „Meine neue Freundin“ eine Frauenzeitschrift auseinander. Großartig. Originell der Text „Das vermisste Feuerzeug“, von „Lingitz & Puchert“ (Jule Weber und Yannick Steinkellner aus Bochum). Ihnen geht es um scheinbar Verlorenes, Mut und Hoffnung.

Im Finale stehen dann „Zweidrittel von Dames Blonde“ mit „Zeit für Wünsche“ und das „Team Scheller“. Die gewinnen mit „Wie geht es dir?“ – einer Beatbox-Rap-Performance über die Offenheit gegenüber anderen und die eigene Fassade. Am Ende sind alle Akteure auf der Bühne und werden begeistert gefeiert. Klar: An solch einem Abend gibt es viel Input. „Da qualmen die Synapsen“, sagt Chadde. Stimmt. Und das macht mächtig Spaß und gibt viele Denkanstöße.

Von Christian Seibt

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