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Auf dem Besen unterwegs: Die Popularität der hexenden Heldinnen ist ungebrochen – seit Jahrzehnten.

Auf dem Besen unterwegs: Die Popularität der hexenden Heldinnen ist ungebrochen – seit Jahrzehnten.
 © Patan

Helden der Kindheit

Hex, hex: Preußlers kleine Hexe wird 60 Jahre alt

„Die kleine Hexe“ von Otfried Preußler wird in diesem Jahr 60 Jahre alt – zahlreiche zaubernde Kinderbuchheldinnen sind ihr gefolgt. Warum sind Hexen eigentlich so beliebt?

Hannover.  Es gibt sie in ganz jung, in etwas älter, in noch-nicht-alt-genug. In groß und klein, mal mit Katze, mal mit Raben – aber doch fast immer mit Besen und Zaubersprüchen. Kleine Hexen prägen die Kindheit vieler Generationen, ihre Abenteuer füllen auch noch heute die Bücher- und CD-Regale in Kinderzimmern. So „hex-hext“ Nachwuchshexe Bibi Blocksberg nun schon seit 37 Jahren herum, die rothaarige „Hexe Lilli“ zaubert sich seit 1992 in Kinderherzen und Otfried Preußlers Klassiker „Die kleine Hexe“ feiert in diesem Jahr sogar bereits das 60. Jubiläum.

Hexen kommen nicht aus der Mode: Ob als Bilderbuch für die ganz Kleinen oder als Jugendbuch – so feierte die dänische Autorin Lene Kaaberbøl in den vergangenen Jahren einen großen Erfolg mit ihrer Fantasy-Reihe „Wildhexe“ für 11- bis 13-Jährige. Und seit „Harry Potter“ ist klar: Auch Erwachsene nehmen gern mal ein Kinderbuch über Hexen und Zauberer in die Hand. Der Trend zu Büchern über Hexen für jedes Lesealter reißt bis heute nicht ab. Doch wie ist dieser Erfolg von Hexen-Kindergeschichten zu erklären? Immerhin galten Hexen lange Zeit gemeinhin als böse. In christlichen und vorchristlichen Zeiten wurden jahrhundertelang Frauen, die im Verdacht standen, über Zauberkräfte zu verfügen und mit dem Teufel im Bunde zu stehen, gefürchtet, verfolgt und getötet. Auch in der modernen Literatur sind sie oftmals als hinterlistige und todbringende Kreaturen dargestellt, meist in der Form von alten Frauen mit Buckel und Warzennase.

Eine gute Hexe muss böse sein – oder nicht?

Manchen Kindern wird diese Vorstellung von Hexen durch Märchen noch heute vermittelt – wer erinnert sich nicht an die kinderfressende „Knusper, knusper, knäuschen“-Hexe im grimmschen Märchen „Hänsel und Gretel“ oder die böse Fee, die Dornröschen verflucht? Woran also kann es liegen, dass gerade diese Wesen, die in Märchen vielen Jungen und Mädchen Angst einjagen, sich in anderen Büchern, Filmen und Hörspielen so großer Beliebtheit erfreuen?

Otfried Preußler und Winnie Gebhardt (Illust)

Otfried Preußler und Winnie Gebhardt (Illust.): „Die kleine Hexe“ – Jubiläumsausgabe, 128 Seiten, Thienemann Verlag, 12 Euro.

Die Kinder hätten sich vor bösen Hexen so sehr gefürchtet, dass sie nicht einschlafen konnten, also habe der Vater die Geschichte einer kleinen guten Hexe erfunden, um sie zu beruhigen, erklärte Susanne Preußler-Bitsch jüngst im Gespräch mit dem Deutschlandfunk. Dort sprach sie über die Ursprünge des berühmten Werks ihres Vaters, das erstmals im Jahr 1957 erschien. In seinem Buch spielt Preußler bewusst mit der Auffassung, was eine Hexe ausmacht: Die namensgebende kleine Hexe – mit ihren 127 Jahren noch sehr jung – möchte mit den anderen Hexen so gern die Walpurgisnacht auf dem Blocksberg feiern und schleicht sich heimlich unter die Älteren. Doch sie wird entdeckt und bestraft. Allerdings dürfe sie im nächsten Jahr teilnehmen, so die anderen Hexen, wenn sie es bis dahin geschafft habe, eine gute Hexe zu werden. Von da an setzt die kleine Hexe mit ihrem Raben Abraxas alles daran, gut zu werden: Sie hilft den Menschen, bringt sie zum Lachen, rettet Kinder und Tiere. Stolz auf ihre Taten reist sie im nächsten Jahr erneut zum Blocksberg, muss da aber zu ihrem Leidwesen von den anderen Hexen erfahren, dass sie den Auftrag vollkommen falsch verstanden hat: Um als Hexe gut zu sein, muss sie böse sein, denn das ist die Aufgabe der Hexen!

 Preußler macht die Hexe zum Sympathieträger

Doch das lässt die kleine Hexe nicht auf sich sitzen: Sie hext den anderen ihre Zauberkräfte ab und verbrennt alle Hexenbücher, sodass sie fortan die einzige Hexe auf der Welt ist. Was die kleine Hexe mit Bibi Blocksberg und vielen anderen kleinen Magierinnen in Kinderbüchern verbindet, ist also eins: Sie sind frech, widersetzen sich auch schon mal Regeln und haben für kleine Probleme im Alltag immer einen passenden Zauberspruch bereit – davon träumt wohl jedes kleine Mädchen einmal. Auch für Doris Breitmoser, Geschäftsführerin beim Arbeitskreis für Jugendliteratur e.V. in München, erklärt sich die Faszination von Hexen in Kinderbüchern durch Sehnsüchte: „Wer würde nicht gern auf einem Besen durch die Lüfte sausen, sich mit witzig klingenden Zaubersprüchen aus jeder Bredouille hexen und ein treues, magisches Tier an seiner Seite wissen?“, fragt sie. Den Ursprung für Hexen als Heldinnen in der Kinderliteratur vermutet sie ebenfalls in Otfried Preußlers „Die kleine Hexe“, denn anders als bei den klassischen Märchen und Erzählungen würden Hexen spätestens hier zu „echten Sympathieträgern.“ Sie sind jung, werden von den Älteren nicht ernst genommen, müssen in manchen Fällen noch zur Schule gehen, fühlen sich oft unterschätzt und haben auch mit ganz alltäglichen Problemen zu kämpfen – auch damit wird sich wohl jedes Mädchen identifizieren können. Doch sind Hexenbücher deshalb nur etwas für Mädchen oder können auch Jungen Gefallen an den frechen Zauberinnen finden? Auf jeden Fall, meint Breitmoser: „Spätestens mit ‚Harry Potter‘ sind auch Jungen im Bann der Magie.“

Das Erfolgsrezept von Kinderbüchern mit Hexenhelden ist für Breitmoser jedenfalls ganz klar: „Fantastische Geschichten sprengen die Grenzen der eigenen Erfahrungswelt und bieten Raum für Abenteuer, Anarchie und heitere Komik.“

Der Klassiker kommt ins Kino

Pünktlich zum Jubiläum schafft die kleine Hexe nach 60 Jahren sogar den Sprung – oder Flug – auf die Kinoleinwand. In die Rolle der schrulligen Titelfigur mit den roten Haaren und der langen Nase schlüpft dabei Karoline Herfurth, die unter anderem als Lehrerin Elisabeth Schnabelstedt in den „Fack ju Göhte“-Filmen bekannt ist.

Ganz wie im Buch schleicht sich die kleine Hexe heimlich in der Walpurgisnacht auf den Blocksberg – was der Oberhexe Rumpumpel (gespielt von Suzanne von Borsody) ganz und gar nicht gefällt. Um im nächsten Jahr an der Feier teilnehmen zu dürfen, erteilt sie der kleinen Hexe die Aufgabe, über 7000 Zaubersprüche aus einem dicken Buch auswendig zu lernen – und viele nützliche sind nicht einmal dabei, wie die kleine Hexe findet.

Auf ihrem Weg zu einer guten Hexe schließt sie Freundschaften mit Kindern und Tieren und bekommt es auch mit allerlei lustigen Zaubereien zu tun, die noch nicht so ganz klappen, wie sie sollen … „Die kleine Hexe“ startet am 1. Februar 2018 in den Kinos.

Von Johanna Lindermann/RND


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