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Interview

Heute erscheint neue Anna-Netrebko-CD

Das nächste Cover wird anders. Anna Netrebko im NP-Gespräch.

Anna Netrebko, auf der neuen CD erscheinen Sie auf dem Cover und im Booklet mit stark bearbeiteten Fotos. Im Internet gibt es bereits heftige Kritik ihrer Fans, dass das so unnatürlich aussieht ...

Das war ja gerade die Idee: so künstlich wie möglich auszusehen. Es war ein Experiment, auf das wir sehr viel Zustimmung bekommen haben, aber es gibt natürlich auch Gegenstimmen. Es tut mir leid, wenn es einigen nicht gefällt - ändern kann man das jetzt sowieso nicht. Das nächste Cover wird auf jeden Fall anders (lacht).

Die Fans mussten lange warten, Sie legen nun Ihre erste Studio-CD nach fünf Jahren vor ...

An sich fand die Aufnahme nicht im Studio statt, sondern im Teatro Regio in Turin. Aber ja, wir haben natürlich in Studioatmosphäre aufgenommen. Da können wir eingreifen und korrigieren, wenn eine Passage nicht so geglückt ist.

Und dann gleich ein ganzes Verdi-Album?

Das war eine völlig spontane Entscheidung. Ich wollte mal etwas Neues versuchen, da ich ja dieses Repertoire nie auf der Bühne gesungen habe. Und natürlich wollten wir Giuseppe Verdis 200. Geburtstag feiern. Meine Stimme ist dazu bereit.

Wie das?

Meine Stimme ist in den letzten Jahren tiefer und dunkler geworden. Da musste ich reagieren und das Programm ändern. Ohne Technik geht das natürlich nicht, sonst ruiniert man die Stimme in kürzester Zeit.

Sie singen Rollen wie etwa die französische Freiheitsheldin Jean D’Arc oder die machthungrige Lady Macbeth - das sind ja ziemlich heftige Rollen ...

Stimmt. Aber sie passen zu mir. In den Arien aus frühen Verdi-Opern wie „Macbeth“ fühle ich mich wohl und kann die Koloraturen voll aussingen.

Also wirklich nie wieder die „Traviata“?

Das kann ich nicht ausschließen, aber diese Oper steht momentan nicht auf meinem Programm.

Im Jahr 2016 werden Sie mit Christian Thielemann die Partie der Elsa in „Lohengrin“ übernehmen, Ihre erste Wagner-Rolle.

Streng genommen ja nicht. Vor Jahren habe ich bereits ein Blumenmädchen in „Parsifal“ gesungen. Aber, ja, es stimmt: Es ist der erste große und wichtige Auftritt in einer Wagner-Oper. Das einzige Problem dabei ist, dass ich dieses komplizierte Wagner-Deutsch lernen muss, das bereitet mir noch einige Sorgen. Aber ich arbeite hart, damit ich es schaffe!

Auf dieser CD singen Sie erstmals nach Jahren eine Arie aus dem „Troubadour“ mit Rolando Villazón - eine Neuauflage des „Traumpaars“?

Ich bin wahnsinnig dankbar, dass Rolando mit mir gesungen hat. Ob wir das in Zukunft öfter tun werden, weiß ich noch nicht. Unser Repertoire ist recht verschieden. Aber natürlich sollte man nie nie sagen!

NPVISITENKARTE - ANNA NETREBKO

Geboren am 18. September 1971 in Krasnodar (Russland). Die zurzeit teuerste und gefragteste Opernsängerin der Welt: Karten für ihre Auftritte kosten bis zu 1600 Euro. Gewann 1993 einen Gesangswettbewerb in Moskau, sang danach an allen großen Opernhäusern der Welt, spielte an der Seite von Rolando Villazón auch 2008 in dem Opernkinofilm „La Bohème“ die Hauptrolle. Sie wird von Russland Staatspräsident Wladimir Putin hofiert und hat einen russischen und einen österreichischen Pass.

Schlank auf den Fotos, füllig in der Stimme

Die CD dürfte ziemlich schnell in die Charts einsteigen: 14 Stücke, die alles das bringen, was die Netrebko-Fans weltweit erwarten: den vollen Rubens-Klang dieser Ausnahmestimme – schon gleich von Anfang an, wenn sie da die Arien aus „Giovanna d’Arco“ bringt, technisch sicher und ohne auffälligen Makel. Gestalterischen Tiefgang darf man hier allerdings nicht erwarten – nicht bei den Bravourstücken aus dem „Troubadour“ und auch nicht bei der Wahnsinnsszene aus „Macbeth“ – alles ist schön und gut. Die Koloraturen laufen, allerdings schon ein wenig schwerfälliger als früher. Die mädchenhafte Leichtigkeit ist einem eher dunklen Glühen gewichen. Und Rolando Villazón ist als Partner auch dabei, erstaunlich stark bei Stimme, die Krankheit ist offensichtlich gut überstanden. Zurücklehnen, Ohren auf und das „Arrigo“ aus der „Sizilianischen Vesper“ einschlürfen. Ein Glas Brunello passt beim Genuss dieser Platte besser als ein gekühlter Prosecco. Que

Bewertung: 4/5


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