Navigation:
Der Solist: Leonard Elschenbroich .

Der Solist: Leonard Elschenbroich .
© Handout

Klassik

Harte Kost beim 7. Ring-A-Konzert des NDR

Anspruchsvoll und fordernd: Die NDR-Radiophilharmonie setzte bei ihrem 7. Konzert Ring A auf harte Kost.

Hannover. „Anspruchsvoll“ – das ist eine Vokabel, mit dem man das 7. Ring-A-Konzert der NDR-Radiophilharmonie im Großen Sendesaal beschreiben könnte. Eine andere wäre „anstrengend“. Jedenfalls zeugt es von einer mutigen Programmgestaltung, zwei Werke zu kombinieren, die das Publikum extrem fordern, wenngleich auf unterschiedliche Weise.

Das 2. Cellokonzert von Dmitri Schostakowitsch ist gewisse keine heitere Angelegenheit; zudem gilt es, die expressiven Züge deutlich zu machen, ohne ins Pathos abzukippen. Das gelang dem Orchester und Solist Leonard Elschenbroich nach einem etwas unentschiedenen Auftakt zunehmend gut. Die Einsprengsel gebrochenen Frohsinns, die für diesen Komponisten typisch sind, darf man ruhig eine Spur grell zeichnen, so wie es Robert Trevino einforderte – der Dirigent war kurzfristig für den wegen einer Schulterverletzung ausgefallenen Markus Poschner an den Start gegangen.

Elschenbroich ließ sein Instrument hier beben, dort seufzen und wieder an anderer Stelle sogar ein wenig schmeicheln; aufdringlich wurde indes nichts von alledem. Als Zugabe erklang, schön schlicht und gleichzeitig – mit Ausnahme eines kleinen Kieksers – elegant, die Sarabande aus der 3. Cello-Suite von Bach.

Nach der Pause war Anton Bruckners 3. Symphonie angesagt und zwar in der 1. Fassung. Die hat der Komponist später überarbeitet und dabei gekürzt, die eher selten gespielte Urfassung dauert aber eben gerade nicht die im Programmheft angegebenen, ohnehin schon beachtlichen 60 Minuten, sondern ist noch rund ein Viertel länger. Nimmt man Bruckners blockhafte Werkstruktur und das überwiegende Ausbleiben von Melodienseligkeit hinzu, wird hier sowohl das Spielen als auch das Zuhören zur echten Herausforderung.

Jedoch kann man die Komposition nicht den Musikern vorwerfen, die unter Trevinos schlüssiger Anleitung das Naheliegendste machten und auf Atmosphäre setzten. So bekam zumindest jeder Satz einen eigenen Charakter: hinreichend „misterioso“ der erste, von einer gewissen Feierlichkeit der zweite, fetzig das Scherzo und das Finale mit einer eigenwilligen Mischung aus Dramatik und einem Hauch von Schmäh. Das wirkte unter dem Strich durchaus bündig, wenn auch der eine oder andere Horneinsatz etwas unsauber herüberkam.

Selten zu sehen im NDR: Vereinzelt machten sich Besucher zwischen den Sätzen aus dem Staub. Ebenso vereinzelt erhoben sich danach welche zu Ovationen im Stehen. Das nennt man wohl Geschmackssache.

Von Jörg Worat


Bildergalerien Alle Galerien
Anzeige
Was halten Sie von den Obike-Leihfahrrädern in Hannovers City?

Alles über Hannover 96

Spielberichte, Hintergründe, Analysen - lesen Sie hier alles über Hannover 96.

Bilder des Tages

../dpa-InfoLine_rs-images/large/urn-newsml-dpa-com-20090101-140912-99-04060_large_4_3.jpg

Waschtag: Ein niederländischer Kavallerist wäscht zum «Prinsjesdag» den Schweif seines Pferdes. Foto: Martijn Beekman

zur Galerie