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Konzert

Hannover: Furyos in den Sonnenuntergang

Die Fury-Festtage haben begonnen: Am Freitag stieg in der ausverkauften Tui-Arena das erste von drei Konzerten in Hannover. 11.500 Fans feierten die glorreichen Sechs von Fury in the Slaughterhouse

Hannover. Die Zeit ist ein Bastard, singt Kai Wingenfelder, sie wird keine Gnade zeigen. So also geht es los, mit „Dance on the Frontline“, einem der neuen Lieder, am Freitag erschienen und schon textsicher empfangen von 11 500 Menschen in der ausverkauften Tui-Arena. Man kann die Zeit nicht zurückdrehen, aber falls doch: So fühlt es sich an, genau so.
Fury in the Slaughter­house, das alte hannoversche Schlachtross, ist wieder da, raus aus dem Schützengraben, ran an die Front. Grenzenloser Jubel, als der Vorhang fällt. Saallicht aus, Hand-Spots an. Das war damals noch nicht ganz so, als die Brüder Kai und Thorsten Wingenfelder sich mit Freunden zusammentaten, um mit ihrer Band die Welt zu erobern.

Es war eine andere Zeit, Kohl war Kanzler, Deutschland geteilt. Und aus dem Hannover der Vor-Expo-Zeit, „From the Middle of No­where“, wie ein Szene-Samp­ler hieß, kam plötzlich Musik, die man auch jenseits des Atlantiks hörte.
Und plötzlich ist es wieder da, das Gefühl, als Fury-Lieder wie „Time to Wonder“ erstmals zum Soundtrack ganzer Abi-Jahrgänge wurden. „Ihr seht keinen Tag älter aus als 30“, flunkert Gitarrist Christof Stein-Schneider, und Kai frotzelt: „Macht das Licht wieder aus.“ Die Stimmung ist prächtig, bei der Freundesclique auf der Bühne und im Publikum sowieso. Die Konzerte widmen sie Wolfgang Besemer, dem viel zu früh verstorbenen Hannover-Concerts-Chef, ihrem „Freund und Mentor“.

Grandiose Scheinwerfer-Batterien, Laserfinger und gewitzte Projektionen, ob da nun die Posaunen von „Jericho“ Donald Trump die Perücke am Kopf zausen oder sich zu „Down there“ der Globus dreht. Es ist eine Mischung aus alt und neu, 30 Lieder aus 30 Jahren in knapp drei Stunden, vom sehnenden „Radio Orchid“ über die Dampfwalze „Milk & Honey“ bis zum hymnischen „Trapped today, trapped tomorrow“. „Every Generation ...“  widmen sie Trump „oder, wie er bei uns heißt, der König der Affen“, dazu läuft auf den Leinwänden eine Parade der Populisten. „Won’t Forget these Days“ – wie auch?

Mit „When God Goes Home“ leiten sie ein Akustikset ein, mit „Are you Real“ holen sie die Indiedisco-Peitsche raus. Kais tremolierende Stimme, der perfekte Satzgesang, alles wieder da, großartig. Es ist nicht einfach, singen sie in „30 (Easy)“, dem Jubiläumslied, aber es ist den Versuch wert. Und wie es das ist. Und mit „Seconds to Fall“ endet es.

Jetzt kann man sie  etwas leichter ziehen lassen, die sensationellen Sechs und den glorreichen Siebten, Gastmusiker Martin Huch, furyos galoppieren sie in den Sonnenuntergang. Fortsetzung folgt. Alte Helden sterben nicht.


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