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Kultur Hannover: 3000 singen mit Terry Hoax und Reamonn
Nachrichten Kultur Hannover: 3000 singen mit Terry Hoax und Reamonn
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23:32 20.08.2010
Mitreissend: Reamonn auf der Parkbühne Quelle: Wilde
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Bühne in Lila, in der Farbe der Hoffnung. Ein Orchester steckt in den schwirrenden Durcheinanderklängen der Sichsortierphase. Nicht in echt, Kakophonie aus der Konserve. Räuspern. Taktstockmahnung. Für Sekunden Sinfonisches, dann rockt die Parkbühne.
„Faith“ heißt der erste Song von Reamonn. Großes Drama, wuchtiger Beat, Led Zeps „Kashmir“ ist im Genpool des Songs, flackernde Lichtsäulen in der sommerwarmen Dämmerung. Wenn auch die Welt zusammenbricht, so verspricht Rea Garvey, tänzelnd in Schwarz, „ich gebe nicht auf, this is not my faith.“ Einer zum Anlehnen. Der‘s richtet. Dem die Frauen vertrauen.

Es bleibt nicht so rockig. Elf Jahre gibts die deutsch-irische Band Reamonn, sie stehen fürs Romantische, feiern Geburtstag mit vornehmlich getragenen Sachen, Balladen, die aber im Verlauf doch einigen Druck erzeugen: „Through the Eyes of a Child“ und „Star“ und „Million Miles“. Musik für alle, supermelodisch, Kaumkantenrock. Man kann das mögen, man kanns nach einigem Anfangsbegeistern aber auch ein bisschen überraschungsarm routiniert finden. Im Park sind die Mögerinnen und Möger unter sich, Stücker 3000, mehr Mädels als Kerle. Sie feiern die Südlichter gut ab. „Sooo süß ist der Rea“, begründet eine 16jährige ihre Liebe. Und der Name klingt aus ihrem Mund wie „Reh“.

Die neue Single heißt tatsächlich „Yesterday“. Nun ist dieser Allerweltstitel eigentlich schon an einen Ewigkeitssong vergeben. Das Thema ist indes wie bei den Beatles die männliche Verlassenheit – deutlich mehr Hoffnung hat Rea Garvey dabei als weiland Paul McCartney. „We can turn back the time“ ist er überzeugt. Das kommt als anschwellendes Gitarrendramolett mit jener U2-Anmutung, die typisch geworden ist für Reamonn. Wird sogar zweimal gespielt. Hymnisch, mitreißend, am Ende aber keine Gefahr für Liverpools Beste. By the way, liebe Reamonns, für zukünftige Liedernamen: Finger weg von „Hey Jude“. Oder von „Jumping Jack Flash“.

Nach 70 Minuten gehen sie zum ersten Mal von der Bühne. Zu früh. Das „Supergirl“ wird dann noch durch ein leidenschaftliches Saxofonsolo von Sebastian Padotzke angehübscht. Rhythmisches Klatschen der Fans, Chöre, Wunderkerzen, wo sonst nur die grauen Zyklopenaugen der Handys leuchten. Und als danach endgültig Schluss ist mit Sound, könnte Pia (42) aus Göttingen „auf der Stelle noch ein Konzert vertragen.“

Vorab gabs Terry Hoax. Die vor allem ihr großartiges 92er Album „Freedom Circus“ und ihr Comebackwerk „Band of the Day“ beleihen. Und denen man ein Durchstarten wünscht, weils da eben nicht nur das Depeche-Mode-Cover „Policy the Truth“ gibt, sondern weil sie mit „Another Face“, „Nothing Less ...“, „Touch the Sky“ & Co. treffliche Vorwärtsnummern abbrennen. Frontmann Oliver Perau („Vorband ist neben Spielerfrau einer der besten Jobs überhaupt: Keine Verantwortung und nach 45 Minuten ist man fertig“) macht mächtig Schau. Ist Garvey mit seinem Brustschmuck-T-Shirt eher vom Typ edler Häuptling, so ist Perau ein vergnügter Schamane. Einer, der sich vom Laufsteg furchtlos ins Volk wirft. Mit einem Lächeln.

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