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Kultur Hannes Malte Mahler tot
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11:34 21.07.2016
Hannes Malte Mahler

Er wirkte immer so stark. Und gerade diese angenehme Stärke macht es nun umso unfassbarer, dass Hannes Malte Mahler tot ist. Die Stadt verliert damit ein, ach was, das Zentrum ihrer Künstlerszene.

Er hat viel für die Kunst getan. Für die in Hannover. Und darüber hinaus. Sein letztes großes Ding war „Mahlerwear“: T-Shirts, Taschen, Schürzen, Stoffbeutel, Hoodys, alle möglichen Textilien, die die Welt freundlicher, vielleicht sogar ein bisschen besser machen sollten. Diese poppigen Monsterchen, diese Tintenfische, Möwen, Blumen machten ihn zum Mr. Worldwide: Die T-Shirts wurden getragen und auf Instagram dokumentiert in New York, in Tokio, in London, in der Wüste, im Dschungel. Und zeigten natürlich auch das Chamäleon.

Das Tier war immer eine Art Selbstporträt des Künstlers, der es liebte, die Farben zu wechseln und sich in unterschiedlichen Rollen zu präsentieren. Der Meisterschüler von Marina Abramovic hatte in Braunschweig an der Hochschule für Bildende Künste studiert, war in Maßen 96-Fan, Zigarren-Aficionado, Fotograf, Filmer, Performance- und Installationskünstler.

Und Kurator. Unter anderem der weit beachteten Reihe „Neue Kunst in alten Gärten“, bei der er eher in den Hintergrund trat und dafür sorgte, dass andere Künstler gut und angemessen herauskamen.

Er bemalte Reklametüten mit Rotkäppchen-Figuren und schuf im doppelten Sinne wunderbar leichte Skulpturen aus Styropor. Aber trotz all der vermuteten Leichtigkeit gehörte Hannes Malte Mahler zu den ernsthaften Künstlern. Zu denen, die hart am Konzept arbeiteten, nach Wegen suchten, der Kunst immer wieder neu und überraschend eine zeitgemäße Form zu verpassen.

Er experimentierte mit den neueren Medien, nutzte das iPad für die Herstellung ganz altmeisterlicher Zeichnungen. Er malte auf Chrom und machte signierte Highend-Prints zu vollgültigen Kunstwerken.

Hannovers Kunstszene hat auch einen ganz großen Kommunikator verloren, einen, der Kunst und Leben in eine wunderbare und unnachahmliche Balance zu bringen verstand.

Der es hinbekam, so etwas zu schaffen, was man früher einen Salon nannte - der die Menschen aus ganz verschiedenen Bereichen zu einer kultivierten Einheit verband: Banker, Journalisten, PR-Macher, Künstler, Museumsdirektoren, Stiftungsdirektoren, Brauereibesitzer, Politiker und welche, die es mal waren, Intendanten und einfach freundliche Menschen. Die dann in seinem Atelier auch mal das Gucken vom EM-Spiel Deutschland - Italien zu einem unvergesslichen Happening machten. Oder mit einem Luftgewehr beim „Glitterball-Shooting“ einen Weihnachtsbaum aufs Korn nahmen. Auch so bekam man Kunst und Leben zusammen.

Oder so: Hannes Malte Mahlers großer Traum, einer der großen Träume des passionierten Zweiradfahrers war zuletzt noch eine Harley-Davidson - das müsse nun aber nicht sofort sein, meinte er, er habe ja noch so viel Zeit.

Und Zeit nahm er sich für Ratschläge, die bisweilen darüber hinausgingen, was man von einem Künstler eigentlich erwarten konnte. Ein anderer großer Künstler, der Pianist Igor Levit, hat es auf den Punkt gebracht, indem er davon sprach, dass er einen Bruder, eben mehr als einen Freund, verloren hat.

Und genau das wird auch vielen so gehen. Weil er jedem das Gefühl gab, dass er wusste, wie es weitergeht. In der Kunst. Und im Leben. Seine Nähe tat gut. Jedem.

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