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Kultur Gruppe „hArt times“ probt die „Ensemble“-Arbeit
Nachrichten Kultur Gruppe „hArt times“ probt die „Ensemble“-Arbeit
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15:50 24.09.2018
Vertrauensbildende Maßnahme: Regisseur Frank Matzke probt mit der Gruppe „hArt times“ probt im Pavillon. Quelle: Nancy Heusel
Hannover

Hier das Publikum, dort die Schauspieler, hier die Zuschauer, dort die sich zur Schau Stellenden, hier die einen, dort die anderen – jedoch: „Statt Sie könnten wir unter bestimmten Voraussetzungen auch Wir sagen“, schrieb schon Peter Handke, vor 50 Jahren in seiner „Publikumsbeschimpfung“. Aber unter welchen Voraussetzungen kann im Theater ein Wir-Gefühl geschaffen werden? Das untersucht nun ein Stück im Pavillon.

„Ensemble“ ist in jeder Hinsicht partizipatives Theater. Dahinter steckt die Gruppe „hArt Times“, ein Projekt der Kontaktstelle Gruppe Soziale Selbsthilfe GSS; es spielen Menschen mit und ohne Psychiatrieerfahrung. Regisseur Franz Matzke spricht lieber von „Profis und Laien“ oder – in Anlehnung an die Gruppe Rimini Protokoll – generell von „Experten“: „Wir wollen Kontaktsituationen herstellen – es ist kein Mitmachtheater.“

Man kann sich diesen Abend als eine einstündige Probe der Anteilnahme vorstellen. Schon im ersten Drittel des Stücks beginnt ein großes Stühlerücken, Bühnensituation und Sitzreihen lösen sich auf. „Es geht um ein Angebot“, sagt Matzke: „Wir stellen dem Publikum zum Beispiel Fragen wie: Würden Sie mit mir den Platz tauschen? Würden Sie mich auffangen? Würden Sie mit mir gehen?“

Der Titel des Stücks, „Ensemble“ darf im Wortsinn verstanden werden – Miteinander statt Konfrontation wie noch bei Handke. Auf dessen Stück basiert der Abend ungefähr zur Hälfte, zur anderen auf Erfahrungen der Spieler. „Ist das noch Theater oder schon Therapie?“, heißt ein provokanter Satz darin. Es geht um ein Grenzerfahrung: „Handke unterscheidet zuschauen und anschauen“, sagt Matzke. Den Schauspieler, egal welchen Hintergrunds als Individuum erfahren, darum geht es.

Die Probenarbeit ist konzentriert und professionell, zwischen Stückarbeit und Improvisation, auch seitens der Musiker Jörg Lichtenberg und Laura Stanko. „hArt times“ war in der Vergangenheit auch schon zur Documenta und zu internationalen Festivals eingeladen. „Ensemble“ feierte am Wochenende in Frankfurt Premiere. Dort habe es „magische Momente“ gegeben, so sehr habe sich das Publikum auf das Geschehen eingelassen. „Ein Mann war dabei, der wollte erst gar nicht mitmachen“, erinnert sich Schauspieler Thomas Dauke: „Dann hat er aber doch mitgemacht – das war ihm lieber, als gegen den Strom zu schwimmen.“ Auch das: ein besonderer Moment von Wir-Gefühls.

Premiere am 26. September ab 19.30 Uhr im Pavillon, wieder am 28. und 29. September sowie am 13., 14. und 15. November. Der Eintritt kostet zwölf, ermäßigt acht Euro.

h-art-times.de

Von Stefan Gohlisch

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