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Greta Gerwig als Frances Ha ist allein schon der Kinobesuch wert.

Greta Gerwig als Frances Ha ist allein schon der Kinobesuch wert.

Filmkritik

Greta Gerwig in Noah Baumbachs „Frances Ha“

Sie geht auf die 30 zu und hat das Gefühl: Das Leben rauscht an mir vorbei, bevor ich 30 bin. Frances (Greta Gerwig), die Tänzerin werden will, aber mit 27 dafür wohl doch schon etwas alt ist.

Als ob sie irgendwie ahnt, dass das Alter ein Hindernis für ihren Traum vom Tanzen ist, lebt sie mit Freundin Sophie (Stings Tochter Mickey Sumner) locker und lässig, frei und fidel durch die WG-Tage. Kein Druck. Alles wird schon. Kein Stress. Das Glück kann man nicht erzwingen. Es kommt, wenns kommt. Allerdings lässt es sich inzwischen ein bisschen viel Zeit. In Frances kommt Unruhe auf: Hat sie jenen Moment verpasst, an dem sie am Wendepunkt stand? So kommen Chaos und Turbulenz in den Alltag. Die WG zerfällt, im Tanzkurs häufen sich die Stolpersteine, ständig muss sie die WG wechseln – und die Jobs, von denen einer mieser ist als der andere. Also: kleine Flucht nach Paris.

Beobachtungen einer Stehauffrau, die im Fluss des New Yorker Lebens einen Halt sucht. Die nicht weiß, ob sie ihren Traum einfach beenden und irgendwas Handfestes beginnen soll – oder weiterträumen. Also die locker zusammengestrickte Geschichte einer Endzwanzigerin, die scheinbar mit Selbstvertrauen gesegnet ist. Nur in stillen Augenblicken, beim Nachdenken, da schleichen Ängstlichkeit und Zweifel durch ihre Großstadttage, die allerdings der dudelige Soundtrack mit poppigem Wohlgefühl gleich wieder bunt zustreicht.

Möglicherweise hatte Regisseur Noah Baumbach das französische Kino der Nouvelle Vague im Hinterkopf. Das Drehbuch schrieb er mit Greta Gerwig zusammen, die darin ihr Leben in New York und das ihrer Freunde ein wenig verarbeitet hat. Doch für einen Vergleich mit den großen Franzosen der Fünfziger fehlen Film und Buch die erzählerische Leichtigkeit, die im Dahintreiben immer noch eine Menge über das Leben, seine Untiefen und seine Kapriolen mitzuteilen hatte. „Frances Ha“ ist zunächst einmal nur flockig und fröhlich, will witzig und wendungsreich sein, schafft es aber nicht wirklich, dennoch ernsthaft zu erzählen. Da helfen auch keine schimmernden Schwarz-Weiß-Bilder. Es bleibt simple Stationen-Dramaturgie mit einer Selbstfindung zwischen Melancholie und Mir-doch-egal.

Was nicht heißt, dass „Frances Ha“ nicht durchaus Spaß bereitet. Denn Frances stolpert meist über ihre eigenen Füße. Sie ist so krampfhaft bemüht, erwachsen zu werden, dass sie ständig verkrampft und in stetigem Kampf mit sich selbst liegt. Da hat „Frances Ha“ durchaus seine tragikomischen Schönheiten, weniger in der aufgepeppten, schnellen Gangart, die immer mal wieder Tempo, Temperament und Timing verwechselt.

Wer sich noch an den schrecklich staubigen „Greenberg“ von Noah Baumbach erinnert, kann allerdings „Frances Ha“ erst recht ohne schlechtes Gewissen ins Herz schließen – dank Greta Gerwig.

Was mit Ben Stiller völlig schief ging, das funktioniert mit Greta Gerwig. Sie ist eine flippige, fahrige, fulminante Fantastin, die sich an den Klippen des Alltags blaue Flecken holt, aber nie aufgibt. Geht ja auch immer alles gut. „Frances Ha“ ist der Bericht von einem Lebensgefühl, das ein Wort wie „unterbuttern“ nicht kennt. Knallt eine Tür zu, öffnet sich eine neue.

Na ja, das hat was von einem Harlekin. Weniger von der Realität.

Bewertung: 3/5


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