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Kultur Goslarer Kaiserring für David Lynch
Nachrichten Kultur Goslarer Kaiserring für David Lynch
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12:18 08.10.2010
David Lynch im Garten des Mönchehaus-Museums, seine Marke ist "American Spirit". Quelle: Queren
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VON HENNING QUEREN

GOSLAR. Da würde keiner auch nur ein einziges Wort weiter diskutieren, welches Programm denn nun im Fernsehen laufen soll. Das ziemlich unangenehm aussehende weibliche Ding hat immerhin schon das Elektromesser gezückt und fordert den Betrachter auf, endlich den „Fuckin’ Channel“ zu wechseln.

Ein Alptraum auf einem riesigen Gemälde von einem Meister der Alpträume: David Lynch („Blue Velvet“), der weltberühmte Regisseur, bekommt morgen in Goslar den Kaiserring überreicht, einen der international bedeutendsten Preise im Bereich der bildenden Kunst.

Und das passt bei David Lynch (64), denn der Filmemacher ist auch ein bedeutender Maler, er hatte mit Farbe und Leinwand seine Karriere begonnen. Über sein Urerlebnis erzählt der gut gelaunte und gewohnt präzise frisierte Starregisseur während der Vorstellung seiner Ausstellung im Goslarer Mönchehaus-Museum: „Alles, was ich immer wollte, war malen, malen, malen.“ Während des Studiums hatte er einen grünen Gegenstand auf einen schwarzen Untergrund gemalt: „Und irgendwann bewegte sich das Grün vor meinen Augen, wow, ein bewegtes Bild.“

In Goslar sind 150 Werke zu sehen, Malerei, Fotografie, Zeichnungen. Imposant sind die Materialbilder, bis zu 500 Kilogramm schwere Riesenformate, für die extra Podeste angefertigt werden mussten. Darunter eine bemerkenswerte, mehrere Meter breite Kreuzigungsszene. Und was ist da bloß auf den Kreuzarmen zu sehen, kleine Engelchen? Cowboy und Indianer sind es, eingegossen bis zum Tag des Jüngsten Gerichts.

Aber nicht nur die großen Werke beeindrucken. Im oberen Stockwerk gehts auf den Zeichnungen in eine düstere Welt. Schlicht „Man in Room with Knife“ heißt ein kleineres, schwarzweißes Format, auf dem ein großäugiges Monster einen Riesendolch zückt. Auf seinen Fotobearbeitungen wird unbekleideten Frauen mit Zigarette Feuer mit der Intensität eines Flammenwerfers gegeben: „Was auf den Bildern auch passiert, der Betrachter macht die Geschichte.“

Im oberen Stockwerk ist unter anderem die Kunst zu sehen, die David Lynch weltberühmt gemacht hat: Filme. Allerdings nichts, was man so kennt zwischen „Eraserhead“ und „Elefantenmensch“ über „Twin Peaks“ bis zum „Mulholland Drive“. Kurzfilme aus früherer Zeit gibts hier, ziemlich durchgeknallt, wenn man da drei Cowboys sieht, die einen recht angeschwulten Bilderbuchfranzosen eingefangen haben – und das europäische Weichei in violetten Samtklamotten mal so richtig rannehmen.

Lynchs nächste Pläne? Filmisch ist noch nichts auszumachen, er will sich vorerst auf die Lithografie konzentrieren: „Nur Papier, ein Stein und Tinte – wundervoll, was daraus alles entstehen kann.“ Seine drei Lieblingsmusiker? „Stevie Ray Vaughn, Jimi Hendrix … Vladimir Horowitz.“ Und die Musik von Rammstein findet er klasse. Und dann gehts auch ein bisschen um das Böse in seinen Filmen („Ich mag meine bad Guys genauso wie die goodGuys“) und in der Welt. Und wie die besser werden könnte, auch dafür hat Lynch ein Rezept. Transzendentale Meditation. Die würde schon ausreichend „Peace“ bringen. Na ja. Und was ihn richtig fertig macht? „Ein schmaltzy Happy End im Film.“

Von Goslar und dem Harz ist Lynch recht angetan. Vielleicht als Filmkulisse interessant? „Klar, Twin Peaks.“ Was ihn künstlerisch noch in Deutschland reizen würde, vielleicht mal eine Oper inszenieren? „Bayreuth, klar, ich liebe die Idee des Theaters.“ Von dem Mann ist noch einiges zu erwarten.

Bewertung: 5/5

Bis 30. Januar, Mönchehaus-Museum Goslar. Morgen (9. 10.) ab 11 Uhr in der Kaiserpfalz Kaiserring-Verleihung.

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