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Kultur Giacometti-Skulptur für 74 Millionen Euro versteigert
Nachrichten Kultur Giacometti-Skulptur für 74 Millionen Euro versteigert
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08:13 05.02.2010
Hat einen wohlhabenden Liebhaber gefunden: Giacomettis schreitender Mann. Quelle: dpa

Eine Skulptur des Schweizer Bildhauers Alberto Giacometti hat den bisherigen Rekord für ein Kunstwerk bei einer Auktion haarscharf gebrochen. Die lebensgroße Bronzefigur eines schreitenden Mannes, „L’Homme qui marche I“, aus der Sammlung der Commerzbank erzielte während der Versteigerung bei Sotheby’s in London 65 Millionen Pfund (rund 74 Millionen Euro). Das war rund fünfml so viel wie erwartet und lag - umgerechnet in Dollar - knapp über der Summe, die ein Picasso im Jahr 2004 erreicht hatte, wie das Auktionshaus am Mittwochabend mitteilte.

Die Plastik, die der Künstler 1961 geschaffen hatte, ging an einen anonymen Telefonbieter. Nähere Angaben wollte eine Sprecherin von Sotheby’s nicht machen. Das Werk war seit 1980 im Besitz der Dresdner Bank und ging nach der Übernahme durch die Commerzbank im vergangenen Jahr in deren Sammlung über. Es stand in der Konferenzetage des Frankfurter Dresdner-Bank-Hochhauses. „Natürlich freuen wir uns über den großen Erfolg“, sagte eine Sprecherin der Bank am Donnerstag. Das Geld geht an die Stiftung der Bank und ausgewählte Museen. Wie die Summe verteilt werden soll, gab die Bank nicht bekannt.
Der exakte Preis - inklusive Aufpreis für den Käufer - lag bei 65.001.250 Pfund. „Das macht es zum teuersten Kunstwerk, das bei einer Auktion jemals versteigert wurde“, sagte die Sotheby’s-Sprecherin. Allerdings nur knapp: Nach dem Umrechnungskurs, den Sotheby’s am Mittwochabend zugrunde gelegt hatte, waren das 104.327.006 Dollar. Bisher hielt Pablo Picasso für das Gemälde „Junge mit Pfeife“ den Auktionsrekord. Dieses wurde 2004 in New York für 104.168.000 Dollar (damals 58,5 Millionen Pfund) versteigert. Andere Bilder wurden jedoch schon teurer verkauft - allerdings im privaten Rahmen, so zum Beispiel 2006 ein Jackson Pollock für 140 Millionen Dollar.

Mehrere Bieter hatten sich am Mittwochabend ein Gefecht um den Giacometti, der einen Schätzpreis zwischen zwölf und 18 Millionen Pfund hatte, geliefert: Nach nur acht Minuten war der Rekordpreis erreicht. Der „Schreitende Mann“ zählt zu den wichtigste Werken des Künstlers, der für seine dünnen Skulpturen bekannt ist und zu den populärsten Künstlern des 20. Jahrhunderts gehört.

Nach dem Rekord soll nun auch die Duisburger Ausstellung mit rund 120 Werken Giacomettis schärfer bewacht werden. „Es gibt jetzt eine andere Begehrlichkeit im Publikum“, sagte der neue Direktor des Duisburger Museums, Raimund Stecker. Andererseits werde das auf Bildhauerei spezialisierte Duisburger Lehmbruck Museum mit der größten Giacometti-Sammlung in Deutschland „unglaublich aufgewertet“, sagte der Museumschef.

Auch andere Kunstwerke übertrafen bei der Auktion von Impressionisten und Künstlern der Moderne in London die Erwartungen:
Ein lange verschollenes Gemälde von Gustav Klimt für knapp 27 Millionen Pfund den Besitzer. „Kirche in Cassone - Landschaft mit Zypressen“ lag damit weit über dem Schätzwert zwischen zwölf und 18 Millionen Pfund. Es sei ein Auktionsrekord für ein Landschaftsgemälde von Klimt und das zweithöchste Ergebnis für eine Arbeit des österreichischen Künstlers, teilte Sotheby’s mit. Das Landschaftsgemälde war in Wien während der Nazi-Herrschaft verschwunden und tauchte erst Jahrzehnte später wieder auf. Es entstand im Jahr 1913, als Klimt (1862-1918) mit seiner Muse Emilie Flöge auf einer Reise an den Gardasee war.

Nach einer Einigung zwischen Georges Jorisch, dem 81-jährigen Großneffen der österreichischen Industriellen und ersten Besitzern Viktor und Paula Zuckerkandl, und einem privaten europäischen Sammler, in dessen Familie sich das Gemälde seit Jahren befand, kam das Werk auf den Markt.

Nach Giacometti und Klimt kam Paul Cezanne in der Riege der Toplose: Das Gemälde „Pichet et fruits sur une table“ (Krug und Früchte auf einem Tisch) wurde für knapp zwölf Millionen Pfund versteigert - erwartet wurden zehn bis 15 Millionen Pfund. Insgesamt erzielte Sotheby’s bei der Auktion 146,82 Millionen Pfund, so viel wie noch nie bei einer Londoner Auktion. Der Kunstmarkt war während der Bankenkrise in den vergangenen Jahren eingebrochen.

dpa

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