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Kultur Fritz-Kalkbrenner, der Techno-Malocher
Nachrichten Kultur Fritz-Kalkbrenner, der Techno-Malocher
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00:16 06.12.2017
Tolle Lichtshow: Fritz Kalkbrenner bei seinem Auftritt im Capitol. Quelle: Michael Wallmueller
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Hannover

„Hannover, ich bin Fritz, wir fangen jetzt an!“, begrüßt der Kalkbrenner-Fritz ganz malocherhaft seine Fans im Capitol. Und als ob er einen Braunkohlebagger steuert, schiebt er die Regler an seinem großen Pult, öffnet die Spuren, dreht an den Knöpfen. Eigentlich wurde die Swiss-Life-Hall für ihn gebucht, doch dort werden Reparaturen durchgeführt, die Halle ist nicht bespielbar. Das Capitol ist somit ausverkauft, 1600 Fans sind dem Dance-Aufruf gefolgt.

Fritz Kalkbrenner, das ist Wohlfühl-Techno und Middle-of-the-Road-Elektro. Grelle Scheinwerfer blenden die Tanzenden, die Lichtschau ist beeindruckend, skurrile Muster werden auf der LED-Wand abgebildet, aber auch ein schönes Porträt vom Berliner Produzenten. Kalkbrenner ist ein freundlicher und angenehmer Beat-Genosse, ein Typ, den man in der Straßenbahn vielleicht gar nicht erkennen würde. Doch er ist auch der Bruder von Paul Kalkbrenner, ebenfalls ein Techno-Genie. Fritz pitcht die Geschwindigkeiten der Songs, fährt die Lautstärken und verändert Frequenzen.

Die Zuschauer sind überwiegend im Alter des Protagonisten, also zwischen 30 und 40 Jahre, sie genießen die Show heiter in Grüppchen oder fest umschlungen zu zweit. Rote Strahler mischen sich jetzt mit weißen, die Stimmung wird nach einer Stunde so richtig gut. Es rockt aus der Anlage, der Klang wird lauter, die Bässe wummern, die Höhen flirren – die Hosenbeine flattern. Da wandern die Bierbecher in die Höhe, die Arme und Hände sowieso. Nebelhörner tuten, digitale Posaunen hupen, dazu überraschen die schlauen Dynamikwechsel, mit der Zeit hört man sich tiefer in seine Musik hinein.

„Ihr macht das gut, das gefällt mir“, es gibt ein Lob vom DJ für die ausgelassene Menge. Kalkbrenner hat einen sehr nüchternen Gesang, seine unverkennbare Schlafzimmer-Stimme ist speziell. Er singt viel und gerne, das merkt man ihm an, meist trocken und ein wenig melancholisch. Kalkbrenner kommentiert seine Stücke und spricht mit dem Publikum

Ein gesampeltes Saxofon brät dazwischen, die Hi-Hat zischt aus den Hochtönern. Aber auch ruhige, balladenhafte Momente werden angeboten, melodisch ist Kalkbrenner dabei immer. Es ist eine gute Mischung aus älteren und neuen Stücken von „Grand Départ“, seinem aktuellen Album. „Void“, „Sky and Sand“, der Soundtrack aus dem Film „Berlin Calling“, überzeugen. Nach zweieinhalb Stunden Partydröhnung, Trance-Gefühlen und den Zugaben sowie einer tiefen Verbeugung, verlässt Kalkbrenner die Bühne so unspektakulär wie er erschienen ist. Das war ein guter Techno-Abend.

Von Kai Schiering

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