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Vor dem Schauspielhaus: Franziska vom Heede beim Treffen mit der NP.

Vor dem Schauspielhaus: Franziska vom Heede beim Treffen mit der NP. © Foto: Uwe Dillenberg

Theater

Franziska vom Heede verwertet am Theater die Intimität

Wie auch noch aus dem letzten Rest Privatsphäre Geld gemacht wird, erzählt die junge Dramatikerin Franziska vom Heede in ihrem Stück „Tod für eins achtzig Geld“. Damit gewann sie den Kleist-Förderpreis. Nun hat das Stück Hannover-Premiere. Ein Porträt.

Hannover. Der Text war gerade so fertig geworden, heruntergeschrieben in einem Monat, der letzte Satz am Tag zuvor formuliert. Franziska vom Heede hatte – im Gegensatz zu den anderen Bewerbern – keinen Verlag, sie machte sich wenig Hoffnungen und ahnte nicht, was passieren würde: dass sie mit ihrem Stück „Tod für eins achtzig Geld“ den Kleist-Förderpreis gewinnen würde. Nun ist es am Schauspiel Hannover zu sehen.

„Mit dem Thema hatte ich mich schon eineinhalb Jahre lang befasst“, erzählt die 25-Jährige beim Treffen mit der NP, „und dachte mir, jetzt schreibst du es einfach mal auf.“ Und was ist das Thema? „Mir geht es um die Verwertung: die von Orten, die von Menschen, Schicksalen – von Intimität.“ Letztlich dreht sich der kaleidoskopische Szenenreigen darum, wie heutzutage noch der letzte Rest Privatsphäre zu Geld gemacht wird.

Da verkauft eine Frau ihren Schlaf, eine andere Sex und die nächste, Amanda aus dem Haupthandlungsstrang, ihren todkranken Opa, beziehungsweise das Recht, die letzten Tage mit ihm zu verbringen. „Ich hatte große Lust daran, Figuren zu entwickeln, die unangebrachte Dinge sagen – die aber so nah einem selbst dran sind, dass man sich über sich erschreckt“, erzählt vom Heede, die in Berlin Szenisches Schreiben studiert, eine alte Liebe; schon mit 14 verfasste sie, die in Buchholz in der Nordheide aufwuchs, im Jugendclub des Hamburger Schauspielhauses erste Stücke.

Regisseur Nick Hartnagel, für den die Arbeit die Rückkehr ans Staatstheater bedeutet, hat dafür ein Raumkonzept entwickelt, das ohne Sitzplätze, geschweige denn Sitzordnung auskommt: das Publikum bewegt sich und steht um die Spielenden und deren Stationen herum. Umjubelte Uraufführung hatte die Koproduktion mit den Ruhrfestspielen Recklinghausen dort. Der Zuschauer werde, schrieb zum Beispiel die Recklinghäuser Zeitung „mitten hineingezogen in den Kampf ums Überleben, Selbstvermarktung und Gewinnmaximierung. Die unterhaltsame Inszenierung mit tollen Schauspielern und vielen Effekten zeigt völlig überspitzt die Absurdität einer völlig verrückten Gegenwart auf.“

Die Autorin war auch da, guckte sich inkognito die erste und zweite Vorstellung an. „Es war sehr spannend, sich hinein zu schleichen. Bei der dritten saß ich im Zug, auf dem Rückweg nach Berlin – ein seltsames Gefühl“, erzählt sie. Aus ihr spricht ein zwiespältiges Gefühl darüber, ihre Texte auf die Welt loszulassen. Nicht einmal ihre Eltern dürfen sie vor der Aufführung lesen. Andererseits freut sie sich: „Das Schöne an einem Theaterstück ist doch, dass es nicht mit der Niederschrift fertig ist, sondern mit ihm noch etwas geschieht.“ Umso erleichterter und erfreuter ist sie über Hartnagels Inszenierung: „Die gefällt mir sehr gut.“

Überhaupt ist sie sehr angetan von der Zusammenarbeit mit dem Schauspielhaus: „Man wird an der Uni ja immer gewarnt, dass man als junge Autorin oft verheizt und schnell fallen gelassen wird. Ich habe mich in Hannover immer sehr gut aufgehoben gefühlt.“

Im Dezember ist sie mit ihrem Studium durch. Im Moment arbeitet sie an ihrem Abschlussstück: „Ich befasse mich viel mit Arbeit und Entfremdung., aber weiß auch noch nicht, wohin es gehen soll.“ Und dann? „Ab nächstem Jahr ist alles offen“, sagt sie. Man muss sich wohl wenig Sorgen machen.

Informationen zu den Aufführungen gibt es hier.

Von Stefan Gohlisch


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