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Kultur Frankfurter Dichter Paulus Böhmer erhält Hölty-Preis
Nachrichten Kultur Frankfurter Dichter Paulus Böhmer erhält Hölty-Preis
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12:12 16.09.2010
Der Hölty-Preisträger: Paulus Böhmer, 73, wird heute geehrt.

VON EVELYN BEYER

HANNOVER. Das ist ein Lebenslauf für einen Dichter: Jurastudium abgebrochen, Literaturstudium abgebrochen, Ausbildung zum Industriekaufmann, sieben Jahre im oberhessischen Nieder-Ofleiden als Stauden- und Ziergraszüchter, zehn Jahre in Frankfurt Jobs wie Reizwarenlieferant und Werbetexte, daneben Schreiben und Malen, von 1985 bis 2001 schließlich Leiter des Hessischen Literaturbüros.

Doch vor allem schrieb Paulus Böhmer, 1936 in Berlin geboren, Verse, viele Verse, Großgedichte in der Tradition eines Allan Ginsberg oder Walt Whitman, der Avantgardisten der Moderne. Große epische Entwürfe sind das, assoziiert und montiert, enzyklopädisch, gern über zehn Seiten lang, „ausschweifend, übervoll, taumelnd“, ein „poetischer Vulkanausbruch“, wie Rezensenten seiner Gedichtbände schrieben. Heute erhält Böhmer für sein Werk den mit 20 000 Euro dotierten Hölty-Preis für Lyrik, den Stadt und Stadtsparkasse Hannover 2008 geschaffen haben, in Andenken an den bei Hannover geborenen Dichter Ludwig Christoph Heinrich Hölty. Eine in Deutschland einmalige Auszeichnung, alle zwei Jahre wird sie verliehen, erster Preisträger war Thomas Rosenlöcher.

Mit Hannover hatte Paulus Böhmer einst flüchtig zu tun, zwei seiner frühen Bücher, Kinderbücher in Zusammenarbeit mit Peter O. Chotjewitz, erschienen 1973 im hannoverschen Fackelträger-Verlag, das freche „Itschi hat ein Floh im Ohr, Datschi eine Meise“ und „Kinder! Kinder!“. Doch erst ab Ende der 1980er fand er Verlage für seine großen Dichtwerke, für „Mein erster Tod“, für „Da sagte Einstein“ und vor allem für „Kaddish“, von dem ein erster Band 1991 erschien, 2001 und 2007 zwei Sammlungen, ein über Jahrzehnte entstandenes lyrisches Großwerk, ein Weltgesang, poetische Inventur des Seins. Rhythmisch, symphonisch, wie Musik sind Böhmers Werke komponiert, aus Alltäglichem, Mythischem, Obszönem, Trauer, Trotz und Leidenschaft. Rauschhaft ist ihre Wirkung, sie verschließen sich gern dem analytischen Verstand.

Zusammen mit dem Schauspieler Peter Heusch wird der Preisträger heute aus seinen Werken lesen, die Laudatio hält der Literaturwissenschaftler und Lyriker Jan Volker Röhnert. Zuvor, ab 18.30 Uhr, lädt das Literaturhaus Hannover zum Lyrikfest ins Künstlerhaus; Jan Wagner, Marion Poschmann, Dirk von Petersdorff und Michael Lenz lesen aus Neuerscheinungen.

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