Navigation:
Zwei Verflossene: Maria (Katja Riemann, links) und Jade (Ingrid Bolsø Berdal) müssen miteinander klarkommen.

Zwei Verflossene: Maria (Katja Riemann, links) und Jade (Ingrid Bolsø Berdal) müssen miteinander klarkommen.
© Foto: Warner Bros.

Kino

„Forget about Nick“ – Zickenkrieg in New York

Margarethe von Trotta versteht sich eigentlich auf starke Heldinnen. Diesmal zwingt sie zwei Frauen in ein Loft – Ingrid Bolsø Berdal und Katja Riemann: So richtig zünden will die New-York-Komödie „Forget about Nick“ (Kinostart am 7. Dezember) aber nicht. Vielleicht weil die meiste Zeit das brave Köln in der Rolle des Big Apple zu sehen ist.

, , Hannover. Wenn sich Margarethe von Trotta auf etwas versteht, dann auf starke Frauenfiguren. Ob „Rosa Luxemburg“, „Hannah Arendt“ oder auch das Drama „Rosenstraße“, das vom Widerstand mutiger Frauen gegen das NS-Regime erzählt, die ihre Männer retten wollen – stets bestimmt der weibliche Blick ihre Werke. Mit „Die Bleierne Zeit“ (1981) über die Schwestern Gudrun und Christiane Ensslin gewann sie 1981 als erste Filmemacherin in Venedig den Goldenen Löwen.

Die Regisseurin ist bislang nicht als Komödienspezialistin aufgefallen

Von Trotta hat es im bis heute männerlastigen Kinogeschäft immer wieder gelungen, eigene Akzente zu setzen – und vor allem: sich durchzusetzen. Auch ihr langjähriger Ehemann Volker Schlöndorff hielt es gar nicht für eine so tolle Idee, als sie hinter die Kamera trat und dann gefühlt mehr Preise gewann als er. Den ersten Film „Die verlorene Ehre der Katharina Blum“ (1975) hatten die beiden noch gemeinsam inszeniert.

Von Trottas aktuelle Kinoarbeit scheint sich auf den ersten Blick prima in diese Reihe zu fügen – auch wenn die Filmemacherin bislang nicht unbedingt als Komödienspezialistin aufgefallen ist. Auch in „Forget about Nick“ stehen zwei Frauen im Zentrum, das Ex-Model Jade (Ingrid Bolsø Berdal, bekannt aus „Westworld“) und die etwas ältere Maria (Katja Riemann, eben noch die resolute Direktorin in „Fack ju Göhte“). Beide sehen sich zu ihrer eigenen Überraschung gezwungen, sich ein – immerhin – großzügiges Loft in Manhattan zu teilen.

Zickenkrieg um ein wenig beeindruckendes Männlein

Jener Nick aus dem Filmtitel hat den beiden je die Hälfte der schicken Behausung nach der Scheidung vermacht, und geschieden ist er von Ehefrau I (Maria) und jetzt auch von Ehefrau II (Jade). Er selbst ist ausgezogen und hat sich eine noch jüngere gesucht – was offenbar immer dann in Nicks Leben geschehe, wenn die Angetraute das 40. Lebensjahr erreiche, wie Maria süffisant anmerkt.

Und da fangen die Seltsamkeiten in diesem Film an: Der Zickenkrieg der beiden Ex kreist vorrangig um jenen Nick (Haluk Bilginer), der irgendwann als wenig beeindruckendes Männlein auftaucht, aber auch schon zuvor als Abwesender das Denken und Fühlen vor allem von Jade bestimmt. Klar, es geht zwischen den beiden WG-Genossinnen auch noch um verschiedene Lebensentwürfe – Familie gegen Karriere, lustvolles Tortenbacken gegen den disziplinierten Griff zum Diätdrink, Bildung gegen Reichtum. Aber die nach der Trennung kreuzunglückliche Jade definiert ihr Leben ganz und gar über Nick, und auch die scheinbar so unabhängige Maria schein noch immer nicht so recht von ihm losgekommen zu sein.

Von Trottas New York wirkt ziemlich künstlich

Schwer zu sagen, was von Trotta zu diesem New-York-Ausflug veranlasst hat – zumal auch schon ihr voriger, wenn auch ganz anders gelagerter Big-Apple-Film, das Familiendrama „Die abhandene Welt“ (2015, ebenfalls mit Katja Riemann), eine recht durchwachsene Angelegenheit war. Vermutlich schwebte ihr nun eine scharfzüngiges Lustspiel in der Woody-Allen-Stadt vor, aber dann hätte Drehbuchautorin Pam Katz wesentlich pointierter schreiben müssen. Von einer schlagfertigen feministischen Selbstbefreiung ist hier jedenfalls nur in Ansätzen etwas zu spüren.

Zur Hälfte des Films kommt immerhin richtig Leben in die Bude: Marias Tochter Antonia (Tinka Fürst) samt Enkel Paul reisen aus Deutschland an. Die patente Antonia hilft Jade mal eben dabei, ihre erste Kollektion zum Erfolg zu führen, denn sie versteht sich auf das Herstellen von Parfum – und glaubt danach plötzlich, sich entscheiden zu müssen bei ihrem weiteren Lebensweg zwischen privatem Glück und beruflichem Erfolg. Ist das wirklich das Frauenbild, das von Trotta hier vermitteln möchte? Zudem wirkt all dies so künstlich, wie es wohl auch entstanden ist – nämlich zu großen Teilen in einem Kölner Studio.

Riemanns gut gelaunte Bissigkeit rettet einiges

Nur hin und wieder blitzt bei Katja Riemann gut gelaunte Bissigkeit auf, die sie so meisterlich beherrscht. Aber warum muss ihre Maria, die etwas verspätet ihren Doktor in Germanistik gemacht hat, plötzlich Christa Wolf (oder war es Ingeborg Bachmann?) im schicken Loft unterrichten und mit ihren Schülern Gedichte rezitieren? Sehnte sich von Trotta nach etwas Vertrautem in dieser kalten Designerwelt, nach irgendetwas, das mit ihrer eigenen Biografie zu tun hat?

Diese Komödie über zwei Frauen und einen Mann lässt den Zuschauer ein wenig ratlos zurück: Der Film will nicht recht in Schwung kommen, provoziert niemanden, aber ist auch auch nur bedingt lustig. Witzig immerhin: Auch Katja Riemanns Tochter ist mit von der Partie - als die Neue von Nick

Von Stefan Stosch / RND


Bildergalerien Alle Galerien
Anzeige
Kümmern Sie sich schon um Ihre Weihnachtseinkäufe?

Alles über Hannover 96

Spielberichte, Hintergründe, Analysen - lesen Sie hier alles über Hannover 96.

Bilder des Tages

../dpa-InfoLine_rs-images/large/urn-newsml-dpa-com-20090101-140912-99-04060_large_4_3.jpg

Waschtag: Ein niederländischer Kavallerist wäscht zum «Prinsjesdag» den Schweif seines Pferdes. Foto: Martijn Beekman

zur Galerie