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Kultur Folletts Jahrhundertwerk startet mit "Sturz der Titanen"
Nachrichten Kultur Folletts Jahrhundertwerk startet mit "Sturz der Titanen"
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11:42 28.09.2010
Bestseller-Garant: Ken Follett.
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VON EVELYN BEYER

Satte 1024 Seiten, und das zum Ersten Weltkrieg. Da muss auf dem Cover schon ein Autorenname wie Ken Follett stehen, damit man zugreift. Mit „Sturz der Titanen“ hat der Bestseller-Garant („Die Säulen der Erde“) den ersten Teil eines gigantischen Projekts vorgelegt, das 20. Jahrhundert in drei Romanen, vom Schuss in Sarajevo 1914 bis zum Mauerfall 1989.

Etwas früher beginnt er, am 22. Juni 1911, Billys erstem Tag in einer Kohlengrube in Wales, niederschmetternde Arbeit, die ahnen lässt: So kann das nicht bleiben mit der Arbeiterklasse. Billys Schwester arbeitet als Haushälterin bei Earl Fitzherbert, der sie schwängert und feuert. So kann das auch mit dem Adel nicht bleiben, der Wandel kündigt sich in Fitzherberts Schwester Maud an, einer Suffragette im konservativen Herrenhaus. In sie verliebt sich der deutsche Diplomat in London, Walter von Ulrich, Adelsspross, aber aufgeklärt. Sie diskutieren die Kriegsgefahr, gegen die sie mit ganzer Seele kämpfen, auch der Liebe wegen. Man hofft für sie, aber man weiß es ja besser.

Drei Länder, drei Familien, deren Wege sich kreuzen und verflechten, hat Ken Follett für die Trilogie skizziert, die Bergmannsfamilie Williams in England, die Diplomatenfamilie von Ulrich in Deutschland, das Bruderpaar Peschkow in Russland, das vom Glück in Amerika träumt. Genau hat er die Möglichkeit kalkuliert, an ihnen die Machenschaften der Mächtigen zu erzählen, die sich zum Krieg hochschaukeln, blind für die Schicksalhaftigkeit.

Follett häuft Detail auf Detail, wie besessen, das Leben in Buchseiten zu fassen. Und vom alten Bergwerksaufbau über deutsche Verwicklungen in Mexiko bis zur knöchelfreien Frauenmode sind sie vom Historiker-Team untermauert und abgeklopft. Follett versteht sein Handwerk, ein Erfolgsschreiber, der zu jedem Buchvertrag einen neuen Maserati bestellt; seine Figuren aber können diesmal ihre Geburt am Reißbrett nicht abstreifen. Zudem sind wieder die Guten immer gut, die Bösen böse, Briten gemein. Und doch: Ob im Schützengraben oder beim Sex – man fühlt mit ihnen.

Nur lang ist dieser Band, man kennt vieles, ist nicht so fremdfasziniert wie bei „Säulen der Erde“. Trotzdem: So kurzweilig lernt man selten so viel über den Ersten Weltkrieg.

Ken Follett: „Sturz der Titanen“. Lübbe, 1024 Seiten, 28 Euro.

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