Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Kultur Flavia de Luce - Neues von der literarischen Giftmischerin
Nachrichten Kultur Flavia de Luce - Neues von der literarischen Giftmischerin
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:59 01.10.2010
Kein Kinderspiel: Das Cover des neuen Flavia-de-Luce-Romans.
Anzeige

VON STEFAN GOHLISCH

In Ihren Büchern sind alle Erwachsenen mehr oder weniger verrückt. Ist das tatsächlich so?

Es ist zumindest meine Sicht des Englands der 1950er Jahre. Die Leute hatten damals viel mehr Freiheit, exzentrisch zu sein.

Warum haben Sie dieses Szenario gewählt?

Meine Mutter war gebürtige Engländerin; sie kam mit fünf Jahren nach Kanada. Ich bin in einem britisch geprägten Haushalt aufgewachsen, mit einem Opa, den ich als entzückenden älteren Gentleman erlebt habe, der nur seine Rosen im Kopf hatte. Er war sehr aufrecht, sehr britisch – für seine Kinder muss er als Vater aber ein wahrer Tyrann gewesen sein. Und die 1950er Jahre waren für mich immer das Goldene Zeitalter Englands, die Zeit, in der jeder mit einem Rolls Royce herumfuhr und in großen Anwesen mit entzückenden Gartenhaus lebte… (lacht) Ich habe früher immer davon geträumt, nach England zu ziehen.

Stattdessen leben Sie heute auf Malta…

Und London habe ich tatsächlich zum ersten Mal gesehen, um den Dagger-Award entgegenzunehmen. Das war seltsam: Durch die vielen Bücher, die ich über England gelesen hatte, hatte ich das Gefühl, alles zu kennen. Meine Fantasie und die Wirklichkeit überlagerten einander. Es war wie ein 3-D-Film, nur ohne Brille.

Wie würden Sie Ihre Heldin Flavia beschreiben?

Flavia ist nicht einfach nur eine Figur; sie materialisierte aus dem Nichts. Ich schrieb an einer ganz anderen Geschichte, da marschierte sie hinein und enterte das Buch. Sie war sehr unkooperativ (lacht). Ich habe dazugelernt: Heute weiß ich, dass ich nichts gegen Flavias Willen planen kann. Sie ist ein dickköpfiges Mädchen. Aber sie bereitet mir auch enorm viel Freude.

Sie ist ein auffällig kluges Mädchen, klüger, als Erwachsene in der Regel bereit sind, Kindern zuzugestehen.

Ja, aber ich habe bei all meinen Lesungen auch unglaublich kluge Jungs und Mädchen kennengelernt. Wir unterschätzen sie gerne. Mir schreiben oft Kinder, die sich bedanken, weil sie sich in Flavia wiedererkennen. Ein Mädchen schickte mir eine Mail und teilte mir mit, sie wolle nun Chemie studieren. Gut: Ein anderes schrieb mir, sie wolle die größte Giftmischerin ihrer Zeit sein – das ist dann die andere Seite…

Woher kommt Flavias Begeisterung für Chemie? Teilen Sie die?

Flavia kam vollständig ausgestattet in meine Welt, auch mit ihrer Begeisterung für Chemie. Ich muss unglaublich viel recherchieren, um mit ihr mitzuhalten. Das hat sein Gutes: Ich habe bis zu meiner Pensionierung Fernsehstudios entworfen. Es wäre langweilig, wenn sich Flavia dafür begeistern würde. So bringt sie mir etwas bei.

Haben Sie je überlegt, diese Bücher mit einer männlichem Hauptperson, einem Flavio, zu schreiben?

Nein, aus einem einfachen Grund: Elfjährige Jungs sind viel eingeschränkter als gleichaltrige Mädchen; sie werden viel mehr beobachtet. Mädchen aber können ganz heimlich unheimlich intelligent sein, ohne dass es die Erwachsenen merken. Sie achten ja nicht einmal darauf.

Alan Bradley: „Flavia de Luce: Mord ist kein Kinderspiel“. Penhaligon, 352 Seiten, 19,99 Euro.

Bradley liest am kommenden Dienstag, den 5. Oktober, ab 20 Uhr bei Leuenhagen & Paris.

www.flavia-de-luce.de

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 00:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Der Mann mit dem Hackebeilchen fasziniert noch immer: Heute erscheint der Comic „Haarmann“.

01.10.2010

Früher schick, heute eine Bausünde. In den Siebzigern galt Waschbeton als „in“. Heute verschwindet er immer mehr aus dem deutschen Stadtbild. Die faszinierende Grobheit ist passé.

01.10.2010

Jahrhundertelang lagen die Gebeine im Erdreich, jetzt wurden sie wieder ausgegraben: Unter dem Hildesheimer Dom haben Archäologen rund 40 Gräber entdeckt, die weit über 1000 Jahre alt sein könnten.

30.09.2010
Anzeige