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Kultur Fauler Zauber mit Nicolas Cage
Nachrichten Kultur Fauler Zauber mit Nicolas Cage
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17:01 01.09.2010
Nicolas Cage im "Duell der Magier".

VON LAURENZ LIERENZ

Ein Film über einen schlecht frisierten, guten Zauberer, der uralte böse Zauberer in einer Schachtelpuppe gefangen hält (natürlich in Manhattan, wo sonst?) – das törnt nicht wirklich an, oder? Erfährt der prinzipiell Kinowillige, dass Nicolas Cage den Guten spielt, lässt er sich sofort wieder ins Wohnzimmersofa fallen. Jon Turteltaub hats gedreht. Jemine! Diese Info nagelt einen am Polster fest wie ein Zauberspruch. Und: Jerry Bruckheimer ist der Produzent. „Con Air“ und „Armageddon“ hat der verantwortet, alles beide Schlimmer-gehts-nimmer-Streifen.

Sitzt man dann doch im Kino (von irgendwem erweicht, wie immer), rauscht einem zwar – wie erwartet – ein hanebüchener Witz-trifft-Action-Brummer Hollywoods durch den Schädel. Und man findet auch, dass lange, schwarze Goth-Ledermäntel an Kerlen wie Cage inzwischen eher dämlich als cool aussehen. Aber man glaubt, ein Augenzwinkern in der Inszenierung auszumachen, an das man sich klammert wie Harry Potter an sein Besen (beim ersten Quidditch-Flug) – weil man den Kumpels hinterher nicht wieder mit sauertöpfischen Kommentaren über den Zustand des Actionkinos den restlichen Nachmittag verderben will. Mit diesem Strohhalm Ironie steht man das Gedöns durch, in dem das Schicksal der ganzen Welt vom Sieg der guten über die bösen Abrakadabristen abhängt und in dem ein junger tolpatschiger Zauber-Azubi erstmal allerhand Unheil anrichtet, bevor er sich eines wahren Erben Merlins würdig erweist. Wobei er am Ende auch noch seine große Liebe (Teresa Palmer) abfegt. Jay Baruchel („Tropic Thunder“, „Fanboys“) ist als Dave mal wieder der Supernerd, ein Ein-Trick-Pony, fast möchte man die Braut vor ihm warnen.

Hier kriegen nicht nur Gargoylenam Chrysler-Building Flügel und Chinatown-Drachen spucken Feuer, hier sieht nicht nur alles aus wie aus fremden fantastischen Filmen geborgt („Die Mumie“!) und CGI-mäßig aufgetakelt, hier machen die Disneys auch noch eine Verbeugung vor ihrer eigenen großen Maus, die den Ruhm des Studios begründete. Als „Zauberlehrling“ gerieten Micky in Disneys „Fantasia“ 1940 die Wischmobs außer Kontrolle. Hier passiert Selbiges Dave – zur selben Musik wie damals, was wahrscheinlich keinem auffällt. Angeblich verdankt sich der ganze Film allein dieser Zeichentrickklassiker-Szene.

Und damit basiert er auf den Reimen von Goethe, den inHollywood freilich kaum einer kennt. Der Geheimrat wünschte wohl, wüsst‘ er von Bruckheimers und Turteltaubs Bemühen, im Grabe sich umdrehend, seinen „Zauberlehrling“ ungeschrieben, und würde zeternd sich selbst zitieren: „Die ich rief, die Geister, werd‘ ich nun nicht los“.

„Duell der Magier“, USA 2010, 109 Min. Regie: Jon Turteltaub. Darsteller: Nicolas Cage, Jay Baruchel, Teresa Palmer, Alfred Molina.

Action statt Charme, Effekte und Sprüche statt Story. Nicht so bezaubernd.

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