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Entspannt: Besucher beim Festival „A Summer’s Tale“ in der  Lüneburger Heide.

Entspannt: Besucher beim Festival „A Summer’s Tale“ in der Lüneburger Heide.

A Summer’s Tale

Familienurlaub mit Soundtrack

Das etwas andere Festival: An diesem Wochenende findet in der Lüneburger Heide das „A Summer’s Tale“ statt, mit Indie-Größen wie den Pixies, Franz Ferdinand und Feist. Ein Besuch.

Westergellersen. Seifenblasen steigen über der Bühne auf, natürlich tun sie das. Sie gehören schließlich zur Festival-Folklore wie Blumen im Haar, Glitter im Gesicht und exaltierten Tänzen. Kinder hüpfen auf dem Spielplatzsand und buddeln gleich darin, während ihre Eltern feiern und dem vertrackten Neo-Gospel von PJ Harvey lauschen. Gegensätze – und doch passt alles wunderbar zusammen auf „A Summer’s Tale“, dem etwas anderen Festival.

Die Idylle liegt nur eineinhalb Stunden Autofahrt von Hannover entfernt, im malerisch gelegenen Eventpark Luhmühlen in der Lüneburger Heide. Zum dritten Mal findet das Festival nun statt. Das Publikum besteht zum weit überwiegenden Teil aus Mittvierzigern und ihrem Anhang. Es wirkt, als hätten all die gentrifizierten Stadtteile des Landes Delegationen hier in den Speckgürtel Hamburgs geschickt.

Früher ging man in den Golden Pudel-Club, heute wohnt man im Eigenheim mit Haushund, auf der Schanze, am Prenzlauer Berg oder in Linden-Mitte oder sonstwo. Man lebt in diversen Anhängigkeiten, ist aber immer noch independent. Ein Soziotop feiert sich selbst und die Helden seiner langen Jugend.

Bernd Begemann und Die Sterne haben am Mittwoch als Appetithappen gespielt. Am Donnerstag, dem ersten regulären Tag, waren neben Harvey unter anderem die legendären Pixies mit ihrem einzigen Deutschland-Konzert da, am Freitag spielen als Headliner Franz Ferdinand und The Notwist, am Sonnabend Feist und Element of Crime. Helden von vor 15, 20, 30 Jahren und immer noch toll.

Alles ist öko und bio. Statt Coca- gibt es Fritz-Cola, statt Becks lokales Bier. Es gibt ein Beiprogramm mit Barfußpfad und Kanutouren, Vorträgen und Lesungen, Kinderbetreuung und Yoga-Kursen. Der kleine Ferdinand möchte ganz sichert nicht aus der Zwergstadt abgeholt werden. Und der selbstgebaute Hocker aus dem „Woodworking-Workshop“ funktioniert noch im größten Gedränge vor der Bühne. Weniger Pogo bei den Pixies war selten. Manchmal wirkt es weniger wie ein Festival als ein Familienurlaub mit Soundtrack.

Alles ist so wunderbar, dass es fast zur Karikatur seiner selbst wird. Die Macher von „A Summer’s Tale“ und ihre Gäste verwirklichen für ein Wochenende ihren Traum von einem besseren Festival und einer besseren Welt. Doch wann soll man schon träumen, wenn nicht in Sommernächten?

Von Stefan Gohlisch


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