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Kultur Fährmannsfest Hannover
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11:22 02.08.2010
Band Phrasenmäher Quelle: Nancy Heusel
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VON KAI SCHIERING

Hannover. Manchmal muss auch das lauschigste Fährmannsfest einen kleinen Rückschlag einstecken. So geschehen am Eröffnungstag, als während des laufenden Programms am Mischpult einige Festplatten gestohlen werden. Auch die gut gemeinten Ansagen der Moderatoren vermögen den Dieb nicht zur Rückgabe des Materials zu bewegen – verwunschen sei er. Und da ein Unglück selten alleine kommt, erreicht die Veranstalter des Musikfestivals am Flussufer zusätzlich die Nachricht, dass die Alternative-Band „Kid Galahad“ aus Göteborg mit einer Autopanne auf der Autobahn liegen geblieben ist. Gerade auf den letztjährigen Gewinner des weltweit gefeierten Emergenza-Nachwuchs-Musik-Festivals hatten sich viele Besucher gefreut. In der kurzen Zeit eine Ersatz-Band zu finden, glückt nicht.

Doch ein richtiger Hannoveraner lässt sich seine Festival-Stimmung dadurch nicht vermiesen. Das Sonnabend-Programm wird entsprechend gestreckt, die Bands, die es auf das Gelände schaffen – und das sind alle restlichen – können somit mehr Songs auf ihre Setlisten schreiben als üblich. Und nun läuft das Fährmannsfest friedlich und ohne weitere Störungen ab. Am Sonnabend sind mehr als 6000 Besucher auf dem Gelände, der Sonntag ist traditionell eintrittsfrei und bricht die Rekorde der Vortage.
Veranstalter Achim Brandau betont die schon überregionale Bedeutung der alljährlichen Geselligkeit. Bands wie „Die Apokalyptischen Reiter“ ziehen Scharen Anhänger von Auftritt zu Auftritt, während die argentinischen Ska-Punker „Karamelo Santo“, schon von ihrer Einstellung her gut nach Linden passen. „Get up, Stand up“ von Bob Marley, „Should I Stay or Should I Go“ von the Clash – vor der Bühne toben die Fans und singen die spanischen Texte der neunköpfigen, kräftig tätowierten Truppe mit.
Auch wenn es hin und wieder etwas tröpfelt und am Sonntagnachmittag ein Platzregen losbricht, dem trotz gelichteter Reihen 3000 Fans die Stirn bieten – das Wetter ist über weite Strecken festival-tauglich. Und selbst im Regen herrscht vor der Bühne Stimmung.

Harte Gitarren-Riffs und das geschrieene Wort, Hannover scheint wieder zu einem Sammelbecken des Hardcore zu werden: „Fibre“, die Six-Pack-Gewinner 2009, „See you next Tuesday“ sowie „Blakvise“ legen alle Wert auf Energie und Kraft, liebäugeln mit den Klängen moderner englischer Bands, legen sich die Messlatte hoch, erfüllen aber auch die Anforderungen. Auch die Qualität der hiesigen Nachwuchs-Bands ist gut. Da muss sich auch die Band „Die Happy“ um Wirbelwind und Energiebündel Marta Jandová nicht mehr groß strecken. Ihr Power-Metall – „Supersonic Speed“, „Goodbye“ – brät über das dunkle Gelände, ab und zu gleiten Scheinwerfer über die Zuschauer, gebannt verfolgen sie die Show der Berliner.
Zum Geruch von Bratwurst und „Sportzigaretten“, pellt sich der letzte Festivaltag aus dem Schlafsack. Verliebte Pärchen kleben aneinander, streicheln sich über den Rücken, dazwischen läuft Lindener-Ulk über das Gelände, die Hundeleine in der einen, die Bierflasche in der anderen Hand. Hier kommt zusammen, was sich sonst üblicherweise nicht begegnet: der Punk und die Jungfamilie, der Junggesellenabschied feiernde, mit Kondomen beklebte 30-Jährige, die Girlies vom Lande. So soll es sein. Rock und Psychedelic von den „Violent Girls“, viele Phrasen von „Phrasenmäher“, französischer Post-Punk von „Crystal Palace“ aus Hannovers Partnerstadt Rouen, sowie der kräftige Groove von „Kadosh“ – bunt und laut geht der Sonntag weiter.

Gelungener Abschluss: die „Lutz Krajenski Big Band feat. Juliano Rossi“. Es spielt die Crème der hannoverschen Jazz-Musiker, alle Roger Cicero gestählt und erfahren, Swing-Klassiker und solche die es werden sollen. Oliver Perau, Sänger von Terry Hoax, hat mal wieder einen Clown gefrühstückt, seine Ansagen sind so köstlich wie die Lieder, die er singt. Fazit: Wieder viel Spaß gehabt auf dem Fährmannsfest 2010. Was vor über 20 Jahren einmal aus einer Live-Laune entstanden ist, hat sich zu einer geschätzten Hannover-Marke entwickelt – musikalisch sowie vom Zuspruch der Zuschauer.

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