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Unter sich: (von links) Françoise Vanhecke, Jean-Benoît Ugeux,  Anne-Pascale Clairembourg, Epona Guillaume,  Vincent Lécuyer, Séléné Guillaume, Zoé Kovacs und Anne-Cécile Vandalem in „Tristesses“.

Unter sich: (von links) Françoise Vanhecke, Jean-Benoît Ugeux, Anne-Pascale Clairembourg, Epona Guillaume, Vincent Lécuyer, Séléné Guillaume, Zoé Kovacs und Anne-Cécile Vandalem in „Tristesses“.

Theaterformen

Extremismus und Internationalität

Mit einem politischen Thriller ging es los: Das Festival Theaterformen ist gestartet.

Hannover. Die Diktatur beginnt am Spieltisch: Soren Petersen schikaniert beim „Trivial Pursuit“ seine Frau so lange, bis sie weint; die Töchter sitzen machtlos daneben. da weiß man schon, das wird nicht gut enden, und das tut es auch nicht. Mit „Tristesses“, einer Parabel auf das Erstarken rechtsextremer Parteien in Europa, startete nun das Festival Theaterformen im Schauspielhaus.

„Die Angst ist längst in den Herzen und Köpfen angekommen“, sagte Hausherr Lars-Ole Walburg bei der Eröffnung: „Es ist sehr spannend, dieser Angst etwas entgegenzusetzen.“ Sie hoffe, dass Hannover nun wieder „Heimathafen, Begegnungsstätte und Umschlagplatz des internationalen Theaters werde“, sprach daraufhin Festival-Leiterin Martine Dennwald.

Bei „Tristesses“ der belgischen Gruppe „Das Fräulein (Kompanie)“ deutet anfangs nur das Agatha-Christie-Personal – acht Figuren, darunter eine Leiche – auf den Krimi hin, der sich entwickelt, als sich die älteste Bewohnerin eines Dorfes auf einer gottverlassenen dänischen Insel umbringt; so scheint es zumindest. In einer grandiosen, so präzisen wie ausstattungsverliebten Mischung aus Theater und Live-Film, Spiel und Musik entfaltet sich ein Wirtschafts- und auch ein Politthriller: Die Tochter der Toten ist die Vorsitzende der mächtigen rechtsextreme Partei, und die verfolgt eine ganz eigene Agenda.

Vieles, sehr vieles machen die Autorin, Regisseurin und Darstellerin Anne-Cécile Vandalem richtig. Manchmal machen sie aber auch zu viel. Einige der Figuren – der sadistische Soren, seine devote Frau – werden zu Karikaturen überzeichnet. Die Auflösung muss gleich zweimal erklärt werden. Das gut zwei Stunden dauernde Stück hat auch seine Länge.

Rechter Propaganda setzt Vandalem eine nicht minder plumpe „Die da oben“-Erzählung entgegen. Und als die triste Spiel in einer Tragödie griechischen Ausmaßes gipfelt, ist es eindeutig des Guten zu viel.

Wie viel leichter es da doch einige Meter weiter und einige Minuten später zugeht. Unter Girlanden im Rot-Weiß der Theaterformen spielen The Hidden Cameras aus Kanada, Ikonen der internationalen Gay- und Camp-Culture, ihre so seltsame wie betörende Mischung aus Elektropop und Country, Tears for Fears und Kenny Loggins. Dazu tanzen hannoversche Festivalgänger und internationale Theatermacher, Delegationen der aus Nigeria und Japan. Weltläufigkeit kann man manchmal auch einfach nur leben – am besten an jedem weiteren Abend der Theaterformen und darüber hinaus.

Von Stefan Gohlisch


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