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Evita (Emma Hatton, im weißen Kleid vorne) gibt sich volksnah. Che (Gian Marco Schiaretti, oben) schaut skeptisch zu.

Evita (Emma Hatton, im weißen Kleid vorne) gibt sich volksnah. Che (Gian Marco Schiaretti, oben) schaut skeptisch zu.
© Michael Wallmüller

Musical

„Evita“ erstrahlt im Opernhaus

In der Sommerpause setzt das Opernhaus traditionell auf populäre Gastspiele. In diesem Jahr ist dort „Evita“ zu sehen, eine Produktion aus dem Londoner West End. So lief die Premiere.

Hannover. Als Juan Perón (Kevin Stephen-Jones) sich dem Volk (dem Publikum in der Staatsoper) zeigt, kommt der Applaus zu seiner Rede noch vom Band – obwohl zwei Militärs versuchen, anzuklatschen. Doch dann kommt sie an die Balustrade, sie, Eva „Santa Evita“ Perón (Emma Hatton), verehrte Präsidentengattin Argentiniens, Lichtgestalt, und Vorbild für Andrew Lloyd-Webbers und Tim Rices Musical „Evita“, was nun in der Oper Premiere feiert. Und sie singt, ruhig zunächst, den größten Hit des Musical-Giganten: „Don’t Cry for me, Argentina“ – ganz in Weiß und hell angestrahlt sind alle Augen und Ohren auf Evita gerichtet. Der Applaus, der danach den Saal erfüllt, kommt live und von Herzen.

Vor dem Höhepunkt kurz nach der Pause ist die Evita-Produktion von Bill Kenwright schon fast zu konsistent: Man gewöhnt sich schnell an formidablen Gesang und Musik unter der Leitung von Richard Morris – diese Westend-Produktion ist makellos in ihrer Aufmachung. Die Kostüme stimmen bis ins Detail und das Bühnenbild wird so schnell umgebaut – vom Kino zum Tangosaal zum Militärbüro zum Palast – dass man manchmal gar nicht mitbekommt, wo Evita und ihre Begleiter als nächstes sind.

Ein ständiger Begleiter auf der Bühne ist Che (Gian Marco Schiaretti) – eine kritische Stimme, angelehnt natürlich an den kubanischen Revolutionär, der stets bemüht ist, die Ambivalenzen in María Eva Duarte de Peróns blitzschnellem Aufstieg von Provinzmädchen zur Schauspielerin und dann zur „spirituellen Führerin der Nation“ aufzuzeigen. Die fortwährende Armut der Descamisados, der „hemdlosen“ Arbeiter, beispielsweise, als deren Idol sich die in Luxus lebende Evita gefällt, oder das Desinteresse europäischer Nationen, als die Primera Dama zur „Regenbogentour“ ausfliegt.

„Evita“ ist nah an Peróns Leben angelegt, die straffe Aufführung überbrückt gerade mal 18 Lebensjahre der Staatsfrau. Von Radio- und Filmkarriere ist da natürlich nicht viel zu sehen – zu „Goodnight and Thank You“ entsorgt Evita dann eine ganze Reihe Lover, bevor sie eine Zweckbeziehung mit Colonel Perón eingeht. Auch als es politisch wird, Arbeiterschaft und hochrangige Offiziere auf der Bühne erscheinen, bleibt die Inszenierung professionell – zur Pause gibt es dafür schon mal kleine Bravorufe.

Kostümierung und Bühnenbild sind das Fundament dieser Inszenierung, Schiaretti und Hatton sind der Prachtbau: Hattons Stimme dröhnt durch den Saal, überzeugt aber ebenso in ruhigen Momenten, und Schiaretti spielt und singt in Uniform und Barett wie ein echter Musical-Demagoge.

Auch Stephen-Jones als Präsident Perón kann die 1000 Besucher im abschließenden Duett auf dem Sterbebett seiner Frau auf seine Seite bringen. Mit dreifachem Applaus gibt das Premierenpublikum dann seinen Abschied.

„Evita“ ist noch bis 9. Juli im Opernhaus zu sehen, dienstags bis freitags ab 19.30 Uhr, am Wochenende ab 15 und 20 Uhr. Karten (ab 36,65 Euro) gibt es
hier
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Von Lilean Buhl


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