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Kultur Europäische Erstaufführung "Little boy - big taifoon" im Ballhof
Nachrichten Kultur Europäische Erstaufführung "Little boy - big taifoon" im Ballhof
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11:56 20.09.2010
Aufbau: Sachiko Hara mit Megaphon als Nachrichtenfrau, Catherine Stoyan, die Kinder und Wolf List bauen die Stadt. Quelle: Karwasz

VON EVELYN BEYER

HANNOVER. Es ist „der Tag, an dem aus Hiroshima ‚das Hiroshima‘ wurde“, als „die Luft zerbrach“, eine Hitze von 12 000 Grad alles verbrannte, „Menschen und Vögel, Häuser und Insekten spuckten Brandblasen und schmolzen.“ Sachiko Hara und drei Kinder sprechen Bilder des Grauens im Wechsel, die Schauspielerin mit charmantem Akzent, die Kinder selbst bei schwierigsten Worten flüssig.

„Little boy – big taifoon“ heißt das Stück in Ballhof eins, zu einem Thema, das sich der Theaterverarbeitung sperrt. Bilder des atomaren Grauens kann man nicht auf der Bühne zeigen, man kann sie nur verbal heraufbeschwören. Das Stück von Hisachi Inoue wurde in Japan szenisch gelesen, nun zeigt es das Junge Schauspiel Hannover in deutscher Erstaufführung. Regisseur Marc Prätsch hat es mit einem Text von Björn Bicker angereichert, einem Monolog des Mannes, der den Befehl zum Bombenabwurf gab: „Ich bin tot“, sind seine ersten Worte, die Schuld zerbrach ihn, sein Gesicht ist, kunstvolle Maske, von Geschwüren übersät.

Das passt, doch drückt es auch etwas aus? Man spürt, wie Prätsch Bilder gesucht hat. Inoues Text schildert das Schicksal dreier Kinder nach der Explosion, die zu mündlichen Nachrichtenverbreitern werden. Dazu rennen sie durch die Stadt, im Ballhof sieht man sie auf der Leinwand in schwarz-weißer Comic-Ästhetik in Hannover.

Später bauen alle Beteiligte eine stilisierte Stadtlandschaft auf, die Hara in einem Wutanfall – sie spielt eine entstellte Frau – zerstört. Vielleicht so, wie ein Taifun Hiroshima weiter zerstörte. Ein schlüssiges Bild ergibt das aber auch nicht. Das bleibt das Problem des Stückes: So gut Hara, List, Catherine Stoyan sowie die Kinder die Texte sprechen, sie bleiben in dieser Inszenierung distanziert und fremd.

Am Ende dennoch viel Applaus, schon des Themas wegen. Und der theaterferne Jugendliche auf dem Nebensitz packt erleichtert die Kopfhörer in die Ohren, mit denen er eineinhalb Stunden lang sehnsüchtig spielte.

Wieder ab 23. Sept., ab 14 J.

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