Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Kultur Eine Komödie mit viel Herz
Nachrichten Kultur Eine Komödie mit viel Herz
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
14:08 09.11.2018
Zeitlos: Szene aus „Nächstes Jahr – gleiche Zeit" mit Ronald Spiess und Adelheid Kleineidam. Quelle: imagemoove
Hannover

George (Ronald Spiess) und Doris (Adelheid Kleineidam) sind glücklich verheiratet, allerdings nicht miteinander. In einem Motel an der amerikanischen Westküste treffen sie 1951 zufällig aufeinander. Sie ist auf dem Weg zu spirituellen Exerzitien, er will einem Freund die Bilanzen in Ordnung bringen. Eine gemeinsame Nacht verändert alles: Bei beiden entsteht die große Liebe ihres Lebens. Doch sich scheiden lassen wollen beide nicht, und sich nie mehr wiedersehen auch nicht. Ihre Lösung: Sie treffen sich einmal im Jahr heimlich am gleichen Wochenende, am selben Ort und auch immer im selben, in „ihrem“ Hotelzimmer.

In der Zwei-Personen-Liebeskomödie „Nächstes Jahr – gleiche Zeit“ von Bernard Slade, die im Theater im Aegi ihre Premiere feiert, verfolgen insgesamt 1500 Zuschauer an zwei Abenden gespannt, wie das Paar das aushält und damit klarkommt. Und das über einen Zeitraum von 24 Jahren.

Regisseur Jan Bodinus hat das Stück, das bereits 1978 mit Ellen Burstyn und Alan Alda verfilmt wurde, kurzweilig, schwungvoll und mit fein ausgewogener Dynamik inszeniert. Film-und Bild-Einspielungen zeigen in Schlaglichtern, was seit 1951 jedes Jahr in der Welt so geschieht.

Spiess und Kleineidam als Liebespaar in der Kulisse ihres Zimmers zuzuschauen macht Freude. Gerne folgt man beiden, wie sie den Spagat zwischen Familie und Affäre bewältigen, ebenso ihre Gewissensbisse, Reibungen, Konflikte, Versöhnungen – und wie sie ihre besondere Love-Story pflegen.

Ehrlichkeit und Offenheit ist ihre Devise: So zeigen sie sich gegenseitig die Bilder ihrer Kinder. Und als Wiedersehens-Ritual erzählen sie auch von ihren Ehepartnern, aber nur ein bisschen. Und trotzdem: Sie reden sich alles von der Seele. Auch persönliche, familiäre und eheliche Probleme sparen sie nicht aus. Damit nehmen sie beide auch Teil am Alltag des Anderen.

George und Doris machen Wandlungen durch, die auf der Bühne eine spannende Dynamik entwickeln. Da gibt es die äußerlichen Veränderungen: diverse Modestile und Frisuren (Kostüme: Daniela Eichstaedt), wechselnde Haarfarben und neue Jobs. Aber auch die Einstellungen ändern sich, da prallen die beiden oft aufeinander. Wenn etwa George zur Vietnamkriegszeit zum Spießer und Republikaner wird, Doris aber zum Hippie. Doch sie schaffen es immer wieder, sich zu versöhnen. So auch hier, als George Doris mitteilt, dass sein Sohn Michael in Vietnam getötet wurde. Eine sehr bewegende Szene.

Doch der Witz überwiegt: Wenn etwa Doris hochschwanger von ihrem Ehemann zum Treffen kommt, die Wehen einsetzen und die Fruchtblase platzt erst kippt George fast um, dann hilft er. Oder als George, in quietschgrüner Badehose, plötzlich den Mann von Doris am Telefon hat. Und immer wieder auch Spannung, als einmal George früher abreisen will, weil seine kleine Tochter ihn im Hotel anruft und ihn braucht und Doris das nicht verstehen kann. Nach jedem Bild gibt es viel Zwischenapplaus und am Ende großen Jubel – für ein Schauspiel mit viel Herz.

Mehr Informationen finden Sie hier.

Von Christian Seibt

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 00:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Künstler wollen in Frankfurt, Darmstadt und Riedstadt beim „European Balcony Project“ eine europäische Republik ausrufen – auf Balkonen. Auch Star-Autor Robert Menasse („Die Hauptstadt“) hat an dem Manifest zum Projekt mitgeschrieben.

09.11.2018

Die Mächtigen der Kunstwelt werden in der Liste „Power 100“ vom Branchenmagazin „Art Review“ eingeordnet. Jetzt hat es auch eine Bewegung auf die Liste geschafft: #metoo.

09.11.2018

Die neue Serie „Beat“ von Amazon will der Technoszene in Berlin ein Denkmal setzen. Doch die Macher überziehen.

09.11.2018