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Kultur Ein Shakespeare, wie er Hannover gefällt
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14:36 03.08.2018
Happy End: Im Vordergrund finden sich die Paare – ganz so, wie es William Shakespeare (hinten) gefällt.
Hannover

Sir William ist auch da. Irrlichtert anfangs durch die Reihen, schaut verwirrt auf die Gerüste auf der Bühne, wo sich schon mal die Schauspieler warmreden. So ein Theater – nur war für eines? Nun: „Wie es auch gefällt“, das neue Shakespeare-Musical von Heinz Rudolf Kunze und Heiner Lürig, das jetzt im Theater am Aegi Premiere feierte.

Ach, die arme Rosalinde (hinreißend: Merle Hoch), die im Zentrum all der Irrungen und Wirrungen steht. Vor einem grausamen Herrscher flieht sie, als Mann verkleidet, in den Wald, beste Freundin und Hofnarr hinterdrein. Da trifft sie nicht nur fröhliche Flowerpower-Merry-Men und einen schafsköpfigen Schäfer, sondern auch ihren Liebsten Orlando. Den sie, als Zerrbild von einem Mann, auf die Probe stellt. was der ganz hingerissen von den lustigen Weibern unter den Wipfeln über sich ergehen lässt – Oliver Morschel gibt ihn, ganz Disney-Prinz mit blonder Tolle und gleißenden Zähnen, als armen liebeskranken Tropf.

Neues Shakespeare Musical feiert umjubelte Premiere am Aegi.

Vier Paare müssen sich finden. Männlein, Weiblein, alle lieben sich kreuz und quer durcheinander und im Kreise, denn: „Shakespeare war ein großer Menschenkenner und innerlich von beiderlei Geschlecht.“

Kunze hat wunderbare Texte voller Wortwitz und Bonmots geschaffen und liefert noch eine libertäre Botschaft. Lürig hat sie mitreißend instrumentiert mit Pop und Rock und Folk. „Liebeswut und Liebeswahn“ holt den Boogie raus, „Prüfsteins Liebeslied“ die Polka, und den Titelsong summen sie noch Stunden später auf der Premierenfeier. Und Regisseurin Renate Rochell bringt ihr großes Ensemble in seinen kunstvoll anachronistischen Kostümen (Stephan Stanisic) und die nicht einfache Bühne (Manfred Kaderk) zum Singen und Schwingen.

Licht und Videos (Martin Kemmer) verwandeln sie mal in einen Hof fernab aller Zeiten, mal in einen verwunschenen Wald. Eine Kunstwelt: „Die ganze Welt ist eine Bühne, und alle Männer, alle Frauen sind Publikum und sind Akteure, die schauend spielen, spielend schauen“, singen sie da.

Raus aus dem Buchregal mit den Klassikern, rauf auf die Bretter, die die Welt bedeuten, und mitten hinein ins Leben. Kunze und Lürig haben einmal mehr einen Hit gelandet. Sie pusten mit Verve und Witz allen Staub von der ehrwürdigen Vorlage, bieten Volkstheater im allerbesten Sinn. Am Ende gibt sogar Shakespeare seinen Segen, und das Volk applaudiert und jubelt lange im Stehen.

Bis 25. August im Theater am Aegi. Karten und Info gibt es in den NP-Ticketshops.

Vor der Premiere sprachen wir mit Hauptdarstellerin Merle Hoch. Hier geht es zum Interview.

Von Stefan Gohlisch

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