Navigation:
Grenzgänger: Kätpn Peng beim „Spitting Chamber“-Konzert im Capitol.

Grenzgänger: Kätpn Peng beim „Spitting Chamber“-Konzert im Capitol.
© Helge Krueckeberg

Kunstfestspiele

E trifft U im Capitol

Ein Musikerkollektiv klassischer Prägung, dazu vier Rapper – mit dem Projekt „Spitting Chamber Music“ wagten sich die Kunstfestspiele an den Grenzgang.

Hannover. „Eigentlich“, sagt Robert Gwisdek alias Käptn Peng, „machen wir nur Quatsch.“ Mit seiner Band Die Tentakel von Delphi – Hannoveranern auch als Musiker von „Der Auftrag“ im Schauspielhaus bekannt – pflegt er eine so unter- wie hintergründige Form des HipHop. Nun steht der Sohn der Schauspieler Corinna Harfouch und Michael Gwisdek im Capitol und rappt seine zwischen Dadaismus und Existenzialismus changierenden Texte zu orchestraler Begleitung: „Die Gegenwart ist ein Präsent ...“

„Spitting Chamber Music“ heißt das Projekt, das zu den Kunstfestspielen in Hannover gastiert. Dahinter steckt das Musikerkollektiv Stargaze, eine Art Berliner Orchester im Treppenhaus, das die Grenzen zwischen E und U auslotet und weitet. Vier Sänger aus vier Kulturkreisen haben sich die Musiker um den Violinisten André de Ridder und die Musikwissenschaftlerin Merle Scheske eingeladen, um Welten miteinander zu verbinden. Die Gäste spielen dabei konsequent hintereinander weg.

Den entspannten Anfang macht Käptn Peng mit seinen Spoken-Word-Raps; da schrappt die Inszenierung teils gefährlich nah am Easy Listening. Als Inna Modja, Französin aus Mali, die Bühne betritt, beginnt der Raum förmlich zu leuchten. Charisma, Stimmgewalt und politische Botschaften entwickeln eine enorme Strahlkraft. Der hartnäckig groovende Hornist und Trompeter Romain Bly muss seine Kollege allerdings erst auf afrikanische Betriebstemperatur bringen, bis zum Finale mit Neneh Cherrys „Buffalo Stance“.

Kontrastprogramm nach der Pause, sehr ruhig, manchmal zu ruhig geht es weiter mit dem etwas unausgeschlafen wirkenden US-Rapper Spank Rock, der seine Texte vom Handy abliest. Malikah hingegen, Hip-Hopperin aus dem Libanon, bringt eine Energie mit, die man diesem Abend kaum noch zugetraut hatte.

Der Mehrwert der musikalischen Fusion erschließt sich nicht immer. Zu selten addieren sich die unterschiedlichen Genres zu etwas Größerem. Mitunter ist die orchestrale Instrumentierung bloß Klangteppich, schlimmstenfalls eine Charade. Da ist diese „Spitting Chamber Music“ weniger weit von einer „Night of the Proms“ entfernt, als den Machern und den Organisatoren der Kunstfestspiele lieb sein kann. Und es ist erstaunlich, wie leicht es den Gastmusikern – vorneweg Aly Keita, Inna Modjas virtuosem Begleiter am Balafon – gelingt, die klassisch ausgebildeten Stargazer an die Wand zu spielen.

Wenn es aber gelingt, ist es grandios: Einmal holt Mailkah die Sopranistin Katherine Manley dazu, und US-amerikanische Hip-Hop-Traditionen, europäische Klassik und arabische Chuzpe fusionieren zu etwas Neuartigem, Zwingenden, Magischen. Mehr Mut und mehr Konsequenz geht bei solchem Crossover kaum – und noch mehr davon wäre bei zukünftigen Projekten dieser Art wünschenswert.

Inna Modja kommt bald wieder: Am 20. Mai spielt sie beim Masala-Festival im Pavillon.

Von Stefan Gohlisch


Bildergalerien Alle Galerien
Anzeige
Was halten Sie von den Obike-Leihfahrrädern in Hannovers City?

Alles über Hannover 96

Spielberichte, Hintergründe, Analysen - lesen Sie hier alles über Hannover 96.

Bilder des Tages

../dpa-InfoLine_rs-images/large/urn-newsml-dpa-com-20090101-140912-99-04060_large_4_3.jpg

Waschtag: Ein niederländischer Kavallerist wäscht zum «Prinsjesdag» den Schweif seines Pferdes. Foto: Martijn Beekman

zur Galerie