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16:50 08.09.2010
Der Bauer ist im Krankenhaus, die Schweine ziehen vom Leder.

VON MATTHIAS HALBIG

Schwein ist Schwein, Kuh ist Kuh. Die Tiere auf dem Hof sind nicht computeranimiert, noch nicht mal Rüssel oder Schnabel wurden von Pixlern vermenschlicht, sie reden auch nicht in Menschenszungen. In Dominique Garings und Frédéric Goupils „Die wilde Farm“ muss ein Bauer ins Krankenhaus, sein Gekreuch und Gefleuch bleibt sich überlassen. Kein Tierverhungern steht freilich bevor, keine dramatische „Animal Farm“ à la Orwell – sondern ein doch auch lehrreicher Kinderfilm. Einer ohne Altersbeschränkung, auch wenn da doch mal ein Huhn vom Fuchs gestohlen wird oder der Hengst sich priapisch der Stute anbefohlen sieht.

Eine hübsche, aufwendige Doku-Fiktion mit 200 Tieren rollt ab, deren wunderschön bebilderte Geschichte nach Sommer duftet, dabei aber auch mal holpert wie einBollerwagen auf dem Feldweg. Mit milder Märchentantestimme erzählt Luise Bähr (Star der Telenovela „Hanna, folge deinem Herzen“) nämlich, wie die Tiere verwildern, was sie aber auf den zugehörigen Bildern gar nicht tun. Gut, der Hofeber bricht aus dem Stall aus, und ein borstiger Keiler pirscht sich an seine Sau ran, das kann er nicht ab. Aber schon nach ein paar Tagen kommen Bauers Enkel, schleppen neue Tiere an, bringen Hierarchien durcheinander und kümmern sich locker um alles. Man wollte gerade anmerken, dass ein Hof doch nicht sofort vor die Hunde geht, nur weil der Bauer mal schwerer hustet. Gibts kein landwirtschaftliches Sicherheitsnetz in Frankreich?

Fragt sich aber nur der Erwachsene. Das Kind daneben schert auch nicht, wie ewig der Bauer wegbleibt. „Putzig“ findet es dagegen, wenn der Igel einen Regenwurm „wie eine Makkaroni“ knabbert. Den „armen Regenwurm“ beklagt ein anderes. Und Star ist ein schwarzes Huhn, das keinen Platz in der Welt finden will. Dem drückt man den grünen Daumen. HHHHI

„Die wilde Farm“, F 2009, 89 Min. Regie: Dominique Garing, Frédéric Goupil. Doku-Fiktion.

Als die Tiere den Stall verließen. Die Alternative zum „Toy Story 3“-Besuch.

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