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Kultur Die schrägen Weiber von Windsor
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00:16 28.08.2017
Bunte Truppe: Das Monbijou-Theater spielt im Gartentheater „Die lustigen Weiber von Windsor“. Quelle: Christian Wyrwa
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Hannover

Der Mann ist nicht zu beneiden. Er spielt den jungen Liebhaber und den alten Hagestolz, stapft wieder und wieder über die Bühne, wechselt Mütze, Kragen, Stimmlage und Rolle, damit das Durcheinander irgendwie aufgeht. „Komm’ zum Theater, haben sie gesagt“, klagt Tobias Schulze und fügt mit einem Stoßseufzer hinzu: „Ach, ich habe es mir ja selber ausgesucht.“ Und das Publikum im gut besetzten Herrenhäuser Gartentheater gackert, bei dieser schrägen Fassung von William Shakespeares „Die lustigen Weiber von Windsor“.

Den Dramatiker vom hochkulturellen Sockel zu holen und ins Volkstheaterhafte zurückzuholen hat – spätestens seit Heinz Rudolf Kunzes und Heiner Lürigs Musicals – ja eine gewisse Tradition an diesem Orte. Doch niemand ist bislang so weit gegangen wie das Monbijou-Theater aus Berlin-Mitte mit seinen drei Gastspielen im Rahmen der „Sommernachtsträume“. Das geht nicht immer auf; das regenerische Wetter am ersten hannoverschen Aufführungstag gibt mancher Pointe zusätzlich den Rest. Unwichtig bei dem Dauerfeuer.

Die Bühne ist so bunt und selbstgezimmert wie im Kasperletheater. Die Herren tragen Rock, die Damen schrille Kostüme und alle zusammen ziemlich stark auf. Da baumelt ein Sack Geld an exponierter Stelle, wird gesungen, gelacht und im Kauderwelsch gelabert und die wirre Handlung von Shakespeares wohl missratenster Komödie auf ihr Minimum reduziert: Der fröhliche Saufaus Sir John Falstaff macht sich aus Gier an zwei wohlhabende Damen der Gesellschaft heran, die ihn leider nicht annähernd so unwiderstehlich finden wie er sich selbst, während ihre Männer ... Ach, egal. Die Nebenhandlung um eine junge Liebe wird bis zur Unkenntlichkeit verkürzt. „Haben Sie das verstanden?“, fragt ein Spieler von der Bühne. Das Publikum kann nur verneinen und amüsiert sich doch. Shakespeare trifft Schmidts Tivoli.

Lieber noch ein Liedchen, tralalalala, ein Bonmot („Ein Mann, ein Wort. Eine Frau, ein Wörterbuch“) oder ein Reim. Denn: „Was sich reimt, ist gut.“ Das stammt übrigens nicht von Shakespeare, räumen sie ein. Sondern von Pumuckl. Passt auch.

Die Bilanz

Mit der dritten Vorstellung von „Die lustigen Weiber von Windsor“ (20 Uhr) endet am 26. August die zweite Ausgabe der „Sommernachtsträume“ im Gartentheater in Herrenhausen, die am 4. August mit einem Poetry Slam gestartet war. Die Macher ziehen eine positive Bilanz: 3500 Zuschauer seien zu den Veranstaltungen gekommen, erlebten Musik von Klassik bis Jazz, Freiluftkino und Lesungen, Schauspiel und prominente Schauspieler wie Rufus Beck, Gustav Peter Wöhler und Gudrun Landgrebe. Die Veranstaltungsreihe soll kommenden August fortgesetzt werden.

Von Stefan Gohlisch

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