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TROMMELN STATT SITZEN: Designerstuhl, mit Tierhaut bespannt.

TROMMELN STATT SITZEN: Designerstuhl, mit Tierhaut bespannt.© Casey Kaplan

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Kunst

Die Verwandlungen des Brian Jungen

Der Künstler mit indianischen Wurzeln zeigt im Kunstverein faszinierende Skulpturen.

Hannover. „Ich möchte die Ähnlichkeiten und Unterschiede von First-Nations- und weißer Kultur aufzeigen“, sagt der kanadische Künstler Brian Jungen im Kunstverein Hannover. Nur aufzeigen. Nicht bewerten. Jungens Kunst: Gegenstände der Moderne in traditionelle Objekte indianischen Lebens zu verwandeln. Designer-stühle werden unter seinen Händen zu Trommeln. Sportshirts zu geflochtenenDecken. Aus Baseball-Handschuhen entsteht „The Prince“, eine respektgebietende Kriegerpuppe gleich am Eingang der Ausstellung, aus den „Zungen“ aufgetrennter Basebälle ein Totenschädel. Leihgaben aus Toronto, Miami, New York, London ...

Faszinierend ist die Gruppe der Totempfähle, fünf Stelen, jede fast vier Meter hoch, aus aufeinandergenähten Golftaschen. „Ich habe gar nicht viel verändert“, sagt der Künstler mit schweizerischen und indianischen Wurzeln. Und dennoch sieht man sofort Augen, Schnäbel, Zungen, scheinen die Taschen zu den mythischen Totem-Wesen Donnervogel, Orca und Bär zu werden, wie man sie von den geschnitzten Poles der First Nations British Columbias kennt.

Am Anfang steht bei dem 1970 geborenen Jungen immer das Interesse an der handwerklichen Auseinandersetzung mit den Gegenständen, dann an ihrer Transformation. Nicht immer, aber oft steckt in den Werken ein politischer Kern. Der Name der Pfähle - „1960“, „1970“, „1980“ und so fort - erinnert daran, dass den First Nationsin Kanada erst 1960 das Wahlrecht gewährt wurde. Der „Werkstoff“ nimmt zudem auf die Einrichtung von Golfplätzen in der Nachbarschaft oder auch auf dem (vermieteten) Grund von First-Nations-Reservaten Bezug. Und auf einen Aufstand in Quebec, der losbrach, als die Stadt Oka ohne Einverständnis der Ureinwohner einen Golf-Court auf deren Boden errichten wollte.

Ein der Filmemacherin Joyce Wieland gewidmetes Ahornblatt aus Damenhandschuhen steht schließlich auf dem Kopf. „Sieht besser aus so“, sagt Jungen mit einem Grinsen. Aber ein auf den Kopf gestelltes Flaggensymbolsteht immer für ein Land, das Hilfe braucht. Es handele vom Pazifismus Wielands und wende sich gegen militärische Engagements Kanadas. „Im Geist der 60er“, sagt Jungen und zeigt, dass an den Handschuhen jeweils der Mittelfinger lose ist.

Künstlerhaus-Direktor René Zechlin hat die Arbeit Jungens bereits seit zehn Jahren verfolgt, beim letzten Versuch, ihn nach Hannover zu holen, „ist uns leider die Documenta 13 dazwischengegrätscht.“

Bewertung: 4/5

Eröffnung 19.4., 20 Uhr, bis 16. Juni.


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