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Die große Flatter: Tamino (links) sieht Papageno (Matthias Winckhler) bei seinen „Zauberflöte“-Höhenflügen zu.

Die große Flatter: Tamino (links) sieht Papageno (Matthias Winckhler) bei seinen „Zauberflöte“-Höhenflügen zu.
© Jörg Landsberg

Oper

Die Sehnsucht und die „Zauberflöte“

Die große Flatter: In der Staatsoper hatte Frank Hilbrichs farbenfrohe Inszenierung von Mozarts „Zauberflöte“ Premiere. Tolle Sänger – und am Ende doch einige Buh-Rufe.

Hannover. Als erstes sieht man ein Bett. Es steht auf der Vorderbühne des Opernhauses, ein Bein schwebt über dem Orchestergraben. Alsbald legt sich Tamino hinein, und ihm erscheinen seltsame Dinge: Auftakt zur einer Neuinszenierung von Mozarts „Zauberflöte“, die vielleicht nicht gerade traumhaft, aber recht lebendig ausfallen wird.

Regisseur Frank Hilbrich hat sich ein paar Extravaganzen einfallen lassen. So mimt gleich zu Beginn eine mit Instrumenten ausgerüstete Kinderschar eine Dopplung des Niedersächsischen Staatsorchesters unter Valtteri Rauhalammi, und die Kids tauchen auch später öfter mal auf, zum Beispiel wenn es jemand vom Selbstmord abzuhalten gilt. Das mag als Symbol für Ursprünglichkeit oder die Sehnsucht danach gelten.

Irrungen und Wirrungen

Sonderlich schlüssig sind diese Szenen nicht immer eingebaut, doch die „Zauberflöten“-Handlung mit ihren Irrungen und Wirrungen verträgt eine ganze Menge. Insgesamt stimmiger erscheinen die Momente, in denen die magischen Kräfte der Musik beschworen werden, wenn etwa die Flöte zwischen Taminos Händen zu schweben scheint oder der Kasten von Papagenos Glockenspiel ein überirdisches Licht ausstrahlt.

Sicherlich klug, dass Bühnenbildner Stefan Heyne abgesehen von dem besagten Bett, das nach der Pause verschwindet, eine eher reduziert-abstrakte Szenerie entworfen und somit die Tür zu mannigfachen Assoziationen geöffnet hat. Starke Kontraste bei den Kostümen von Julia Müer, die manchen Figuren quietschbunte Klamotten verpasst hat, während Sarastro und sein Gefolge in 50 Schattierungen von Grau daherkommen.

Simon Bode ist in Sachen Ausstrahlung und Timbre ein sehr angenehmer Tamino, allerdings schwankt seine Höhensicherheit. Athanasia Zöhrer verleiht der Pamina einiges Temperament, kann aber auch zart – ihr „Ach, ich fühl’s, es ist verschwunden“ gehört zu den Höhepunkten des Abends. Als Papageno entwickelt Matthias Winckhler eine schöne Unbedarftheit und legt am Schluss ein superflottes Duett mit Papagena Ylva Stenberg hin. Die Königin der Nacht gibt Dorothea Maria Marx ohne Rücksicht auf Verluste und streift schon mal die Grenze zur Furie; besonders ausgeprägter Szenenapplaus ist die Folge.

50 Shades of Grau

Eine Vorab-Ansage weist darauf hin, dass Tobias Schabel als Sarastro gesundheitlich etwas angeschlagen sei. Zu hören ist davon wenig, vielleicht sind die ganz tiefen Register nicht durchgehend blitzsauber. Charisma entfaltet Schabel jedenfalls hinreichend, zuweilen wirkt er ein wenig wie eine düstere Version des Vampirs Spike aus den „Buffy“-Filmen.

Die drei Knaben sind, wie so oft, mit Sängerinnen des Mädchenchors Hannover besetzt, und was Anna Schote, Sophie Jarosch von Schweder sowie Dawia Sadoune zeigen, geht über Durchschnitt deutlich hinaus.

Doch, da ist schon einige Qualität auf der Bühne versammelt. Die Quittung ist knapp viertelstündiger Schlussapplaus, für das Regieteam gibt es indes unüberhörbar auch ein paar Buhs.

Mehr über das Stück finden Sie hier.

Vor der Premiere führten wir ein Gespräch mit Regisseur Frank Hilbrich.

Von Jörg Worat


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