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Kultur Die Reisen der Julia Roberts
Nachrichten Kultur Die Reisen der Julia Roberts
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16:38 22.09.2010
Balzen auf Bali: Essen in Italien war toll, Meditieren in Indien auch, aber Felipe (Javier Bardem) findet Liz (Julia Roberts) noch besser.

VON LAURENZ LIERENZ

Ein Jahr schenkt sich die arme Elizabeth Gilbert, die das harte Leben einer erfolgreichen Schriftstellerin in New York führt, für ihre Rundumerneuerung. Wie alle tüchtigen Amerikaner, plant sie alles vorab vom heimischen Schreibtisch aus. In Italien will sie das dolce vita auskosten mit viel mangiare und alles öltriefend bitteschön. Dann in Indien die spirituelle Erleuchtung finden. Um sich auf Bali richtig zu verlieben. Finanziert wird das Vorhaben mit dem Vorschuss aus dem Bestseller, den die Reise abwerfen soll. Klappt auch alles.

Da könnte man denken: Hey! Ich will genau das, was diese Frau hatte. Natürlich nicht, wenn man während der 140 Minuten in den Nicker-Modus übergewechselt ist. 140 Minuten! Wow! Ist ja fast wie bei „Ben Hur“.

Ryan Murphy, Autor der schnittigen Schönheitschirurgen-Serie „Nip/Tuck“, entfernte für sein Drehbuch aus der Vorlage von Gilbert (150 Wochen auf der Bestsellerliste der New York Times) sämtliche Selbstironie. Muss daher auf die touristische Verführungskraft der Stadt- und Landschaftsbilder seines Kameramanns Robert Richardson setzen (funktioniert, man will hernach sofort Rom-Urlaub machen). Und wird von seinem Star Julia Roberts gerettet, die sich breitmundig strahlend so wohl in diesem Film zu fühlen scheint, dass der Fan sich den Kitsch von seinen Klamotten abwischt und ihr zuliebe durchhält. Wie gesagt, der Film hat seine Länge(n), in der Abteilung Indien etwa. Wenn Liz meditiert und Richard Jenkins als ein seiner Alkoholsucht entledigter Texaner um ihr Seelenheil bemüht ist, hat einen das Sandmännchen ziemlich im Griff. Meditationsszenen hatten ja noch nie Thrill.

Auf Bali wartet dann die Liebe in Gestalt von Javier Bardem, der verdammt gut aussehen kann (außer wenn er Killer mit verpfuschten Frisuren spielt wie in „No Country for old Men“) und der diesmal außer Optik auch nichts abliefern muss – was Unterforderung eines großartigen Darstellers im Rang einer Geringschätzung ist. Jetzt ist ganz unerbittlich die Zeit vonZucker und Schmalz angebrochen. Darum Vorsicht: Wenn Liz in den Sonnenuntergang segelt, kriegt man davon kandierte Augäpfel.

Nein, man will vielleicht doch nicht, was die Frau hatte. Mann sowieso nicht.

Eat Pray Love“, USA 2010, 140 Min. Regie: RyanMurphy. Darsteller: Julia Roberts, Javier Bardem, Richard Jenkins.

Das Buch hat mehr Witz, der Film ist kitschig, aber Julia Roberts machts wett.

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