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Kultur "Die Kabarettwelle schwappt zurück"
Nachrichten Kultur "Die Kabarettwelle schwappt zurück"
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16:43 07.09.2010
Wechsel: Horst und Nora Janzen (hinten) übergeben den TaK-Stock zum Jahresende an Heidi Derks und Nils Winterring. Quelle: Foto: Decker
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VON EVELYN BEYER

Wie gehts mit dem Tak weiter?

Wir haben eine interne Lösung gefunden, Heidi Derks, die seit 17 Jahren im Tak dabei ist und alle Künstler und Agenturen kennt, übernimmt das Haus zusammen mit einem jungen Techniker, Nils Winterring, der seit zwei Jahren bei uns ist. Es wird also alles nahtlos weitergehen im Tak, wir haben es dem Team mitgeteilt, alle waren begeistert. Für uns ist es, als ob es unsere Kinder übernehmen.

Sie sind 59 – ein früher Abgang?

Ich bin mit dem Tak dort angekommen, wo ich hinwollte, es läuft gut; das ist irgendwie abgeschlossen. Durch die Routine ist die Arbeit einfacher, aber ich merke, dass mir das tagtägliche Geschehen zuviel wird. 180 Vorstellungen im Jahr sind eine Menge Arbeit. Und ich kann schlecht delegieren, das ist sicher ein Fehler.

Und was kommt nach 2011? Ruhestand?

Ich will nicht ganz aufhören. Großveranstaltungen zum Beispiel mit Urban Priol, Volker Pispers, Hagen Rether oder Eckart von Hirschhausen werde ich weiter organisieren. Aber meine Frau Nora und ich sind in alle den Jahren nicht so zum Reisen gekommen, wie wir gerne wollten. Wir hatten wenig freie Zeit, da ist viel nachzuholen.

Ihr Negativerlebnis in den 18 Jahren?

Da möchte ich am liebsten gar nichts zu sagen. Das war sicher die Kürzung der Landeszuschüsse.

Und das Positiverlebnis?

Das gabs ziemlich zu Anfang, als im Frühjahr 1994 das Tak auf dem Tiefpunkt angelangt war. Das alte Publikum von Dietrich Kittner blieb weg, das neue fand den Weg noch nicht. Da hat Reiner Kröhnert drei Wochen lang bei uns gastiert. Es lief schleppend an, zum Schluss war ausverkauft. Das war für uns der Durchbruch, im Herbst danach haben wir noch einmal ordentlich geworben – ich sehe uns noch am Ihme-Ufer sitzen und haufenweise Programmhefte eintüten. Danach stiegen die Zuschauerzahlen.

Sie kennen viele Kabarettisten – wie erleben Sie die privat?

Urban Priol hat vor 14 Jahren erstmals im Tak gespielt, vor 50 Leuten; auch Volker Pispers war ganz am Anfang seiner Karriere hier. Das sind Freunde für mich, die sind auch privat ganz normal. Es gibt aber auch andere. Wenn die mit mehreren Menschen am Tisch sitzen, jagt ein Joke den nächsten, und das kann auch nerven.

Sie erleben seit 18 Jahren intensiv die Kabarettszene. Was hat sich verändert?

Es war ein immerwährendes Auf und Ab, das politische Kabarett wurde immer mal tot gesagt und lebte doch weiter. Tatsächlich hat sich eine große Bandbreite entwickelt zwischen Comedy und Kabarett. Zeitweise hat die Comedy dem Kabarett das Wasser abgegraben, das schwappt aber seit sechs, sieben Jahren zurück. Und der bewusstere Teil des Publikums unterscheidet genau zwischen Comedy und Kabarett.

Helfen Sendungen wie „Neues aus der Anstalt“ auch dem Live-Kabarett?

Ob insgesamt, bezweifele ich eher. Einzelne Künstler aber profitieren von ihren Auftritten da sehr, zum Beispiel Jochen Malmsheimer hat einen Schub auch bei uns bekommen. Und wenn Hagen Rether in der Sendung war, gibts in der Woche danach immer einen Schub in seinem Ticketverkauf.

Und wer nicht im Fernsehen kommt, hats schwer?

Wir haben ein großes Plus durch unser Stammpublikum. Wir können immer damit rechnen, dass sich 50 bis 60 Leute für einen Künstler interessieren, auch wenn er unbekannt ist. Und von dieser Basis aus setzt sich Qualität durch.

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