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Hier ist was los: Der junge Lord (Sung-Keun Park) beliebt sich als Michael Jackson zu verkleiden. Was einigermaßen erstaunt.

Hier ist was los: Der junge Lord (Sung-Keun Park) beliebt sich als Michael Jackson zu verkleiden. Was einigermaßen erstaunt.
© Foto: Landsberg

Bernd Mottl inszeniert Oper von Hans Werner Henze

„Der junge Lord“ in Hannovers Staatsoper

Tolles Ensemble, tolle Inszenierung: Die Staatsoper ist mit der selten gespielten Oper „Der junge Lord“ in die neue Spielzeit gestartet.

Hannover. Allein für die Schlussparty lohnt der Besuch: riesige Saurierskelette bevölkern die Location, die Cocktails werden aus kleinen Totenschädeln geschlürft, und am Kronleuchter dreht Michael Jackson atemberaubende Pirouetten. Mit einer in jeder Hinsicht wunderbaren Aufführung von Hans Werner Henzes „Der junge Lord“ ist die ausverkaufte Staatsoper in die neue Saison gestartet.

Die märchenhafte Geschichte setzt Regisseur Bernd Mottl in stimmige Bilder um. Das kleine Städtchen Hülsdorf-Gotha, das einen englischen Lord (Altstar Franz Mazura in einer stummen Rolle) erwartet, ist als schwarzweißes Schachbrett gehalten: Hier gelten starre Regeln, ist alles genau abgezirkelt. Die Bühne ist eine gut kalkulierte Mischung aus Scherenschnitt und Laterna Magica, die Einwohner wirken wie aus einer alten Fotografie und benehmen sich auch so. Umrahmt wird alles von biedermeierlich-spießigen Häkelspitzen.

Das Ganze setzt Mottl bei wohltuendem Verzicht auf unpassenden Aktualitätsbezug ansprechend in Bewegung – mit einem ordentlichen Schuss Monty Pythons. Wenn da der Einzug das alten Lords mit seinem kompletten Gefolge in Goldfolie verborgen erfolgt, die pfundige Köchin ihrer Lordschaft mit karibischer Herzlichkeit die Hülsdorfsche Kinderschar („Kreisch!“) erschreckt. Oder ein Klavier lang und immer länger wird, bis es kaugummiartig gedehnt die halbe Bühne einnimmt.

Erstaunlich an dem 1964 entstandenen Stück ist die Aktualität, denn schon hier wird Fremdartigkeit und das Umgehen damit verhandelt. Wenn die Kinder da singen „Haut den bösen Mohren auf die Ohren“ oder dem Lord Schlimmes („Schande!“) angedroht wird ob seiner bunten Dienerschar.

Das wird dann alles anders, als seine Lordschaft seinen jungen Nachfolger präsentiert, einen Affen (so im Original), der vor allem die weiblichen Hülsdorfer aus dem Takt bringt – und der sich in der hannoverschen Fassung als siebenfacher Michael Jackson maskiert.

„Der junge Lord“ ist eine Ensemble-Oper im eigentlichen Wortsinn, hier kann ein Opernhaus zeigen, was es an Potenzial aufgebieten kann. Und Hannover kann alles: Die einzelnen Sängerpartien, immerhin 20, sind durchweg super aus dem eigenen ungemein spielfreudigem Ensemble besetzt, das Ballett ist in die Partyszene eingebunden. Das Orchester (Leitung: Mark Rohde) holt ein Maximum an neoklassischer Schönheit, Transparenz und Esprit aus der Partitur.

Außerdem kann Hannovers Bühnenmaschinerie mal wieder zeigen, dass sie eine der besten der Republik sein dürfte – hier Räume enger macht, Perspektiven in den Bühnenhintergrund verschiebt und ganz zum Schluss die Einwohnerschaft von Hülsdorf-Gotha im Orkus verschwinden lässt.

 

Von Henning Queren


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