Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Kultur Das besondere Snntg-Gefühl
Nachrichten Kultur Das besondere Snntg-Gefühl
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
14:11 29.07.2018
Liebevoll gemacht: Die DJ-Kanzeln sind mit Holz verkleidet. Quelle: Nancy Heusel
Anzeige
Sehnde

Dieses Festival hat Spaß gemacht: Snntg. Jeweils 3000 Musik- und Kultur-Fans tummeln sich an den drei Tagen auf dem Arealauf dem Gelände des Hannoverschen Straßenbahn-Museums in Wehmingen bei Sehnde. Überwiegend junge Leute, Urban Hippies, zwischen Abi und Studium, Ausbildung und FSJ, genießen das üppige Programm.

Und das bietet für jeden etwas. So werden die Camper, ein Zeltplatz ist gleich nebenan, mit einer Vorlese-Stunde in den Tag geschickt, abends gibt es literarische „Betthupferl“. Eine Art-Factory stellt Mode und Ölbilder aus, seine Haut kann man sich mit Glitzerfarbe verschönern lassen. Im Forum Theaterzelt lauschen gut 20 Ermattete einem Geschichten-Erzähler. Froh darüber, sich vom Trubel eine Auszeit nehmen zu können und auf den Matten ein betreutes Nickerchen zu halten.

Beim Diktatoren-Dosenwerfen kann man Stalin eins auf die Zwölf geben, am Baugerüst klettern die Sportlichen einen Parcours. Ein hoher Frauenanteil bestimmt das Gesicht des Festivals, Und das ist stets friedlich und freundlich. Der gemeinnützige Verein Snntg e.V. präsentiert auf vier Bühnen eine Musik, Kunst und Kultur.

Daneben wachsen Küchengärten oder stehen Bastel-Kisten, Kreativität kann ausgelebt werden. Mit einer Düsseldorfer Tram geht es zwischen den roten Backsteingebäuden des liebevoll betrieben Straßenbahn-Museums hindurch. Alkohol-Verbot? Nicht in dieser Bummelbahn. Und sie vertragen sich gut, die Festival-Macher und Hobby-Straßenbahner: „Die Kind-Im-Mann-Gebliebenen“, so beschreibt ein Helfer des Snntg-Fests die Gastgeber freundlich; die Straßenbahn-Apostel können ihre Begeisterung an den Nachwuchs weitergeben, und das Festival schmückt sich mit dem wunderbaren Gelände.

Etwas abseits brummt das Wummerland mit DJs und elektronischer Musik. Haltestelle Hohenfels-Bühne – aussteigen und abfahren, denn dort überzeugt das Chemnitzer Trio Blond mit ihrem humorvollem und minimalistischem Pop. Es sind die Schwestern Kummer, ihre Brüder spielen bei Kraftklub. Ein besonderes Trio: Multiinstrumentalist Johann Bonitz ist blind, er spielt behänd diverse Instrumente. „Wir sind hier für den Rock“, freuen sich die Schwestern, „teilt euch mal ein bisschen, wir machen jetzt ‘ne Moshpit!“. Einhorn-Kanonen pupsen Seifenblasen durch die Luft, die Menge schwoft begeistert.

Sommerklamotten und Futterstände, etwas Handel, viel zum Mitmachen, auch der Schach- und Puzzle-Tisch wird gerne angenommen. Massagen gibt es, und der große Becher Wasser kostet nur einen Euro.

Dann der Schreck am Samstagabend: Zu Beginn der Zaubershow von Siegfried und Joy jagt ein wütendes Gewitter über das Areal. Viele Blitze und der Starkregen treibt die Festival-Fans in die Fabrikhallen. Der Strom fällt aus, jeder bringt sich schnell aber ruhig in Sicherheit, die Hallen sind glücklicherweise groß genug, um die Massen aufzunehmen. Dort lenken Techno-Klänge ab, und nach einer guten Stunde hat es sich ausgeregnet und geblitzt.

Die gute Stimmung bleibt, und auch am nächsten Tag gibt es Entwarnung der Veranstalter: Es gab keine Verletzten, nur durchnässte Zuschauer. Trockene Sachen wurden ebenso bereitgestellt wie Notfallschlafplätze für Camper mit abgetauchten Zelten. Einzig der Parkplatz ist komplett durchweicht, aber jeder Autofahrer bekommt Hilfe und wird rausgeschleppt. Der Gewitter-Rumms hat der Stimmung nicht geschadet, und nach einer kurzen Feier-Delle, geht es dann enthusiastisch mit dem Programm weiter.

Von Kai Schiering

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 00:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Tolles Experiment: Das Ensemble „Musica Alta Ripa“ spielte in der Christuskirche und hatte Gäste an orientalischen Instrumenten zu Gast.

29.07.2018

Ein Führungsteam aus Frauen, in der neuen Spielzeit nur Regisseurinnen: Am Staatstheater Karlsruhe sorgt Schauspielchefin Anna Bergmann dafür, dass die Zukunft weiblich ist – und für Aufregung und Protest.

29.07.2018

Ende der Achtzigerjahre holte Peter Schwenkow David Bowie und Pink Floyd an die Berliner Mauer. Heute lässt der Konzertveranstalter die größten Stars in Fußballarenen spielen. Mit Mathias Begalke spricht der 64-Jährige über Kunst und Kommerz – und warum keiner der Musiker zu seinem Freund wurde.

28.07.2018
Anzeige