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17:55 27.02.2019
Hannover, GOP, Dummy LAB (Foto: Frank Wilde) NICHT: Szenen aus der aktuellen GOP-Show „Dummy Lab“. Quelle: Frank Wilde
Hannover

Wie haben sie das denn schon wieder gemacht? Da krabbeln die Artisten am Ende von „Dummy Lab“ über die Schräge, die einen Großteil der Bühne ausmacht. Durcheinander und doch in klarer Ordnung – und ihre virtuellen Doppelgänger tun es, zeitverzögert und als Projektionen, mit ihnen. Immer wieder verharren sie in Embryonalhaltung und brechen daraus wieder aus. Was überaus passend ist, denn was derzeit im GOP zu erleben ist, kommt einer Neugeburt durchaus nahe.

Als „Varieté 2.0“ bezeichnen die Macher selbst das avantgardistische Geschehen. Die Regisseure Eike von Stuckenbrok und Markus Pabst („Wet“) haben mit dem Videodesigner Frieder Weiss eine revolutionäre Show entwickelt, ein Versuchslabor, was im Varieté des 21. Jahrhunderts möglich ist.

Menschen gehen ins Varieté, um das Echte zu erleben, um teilweise nur Zentimeter von atemberaubenden Darbietungen entfernt zu sein, die sie sonst vermittelt der Medien wahrnehmen können. „Dummy Lab“ bricht nicht mit dieser Tradition, aber sie erweitert den Echtheitsbegriff um dass, was man gemeinhin „Augmented Reality“, erweiterte Wirklichkeit nennt.

Die durchaus konkret werden kann. Ebenfalls auf der Schräge – aber gefilmt und auf Leinwänden gezeigt, als handele es sich um eine Horizontale – geben die Artisten Slapstick-Einlagen, kabbeln und boxen sich, fliegen in Zeitlupe (weil der Teppich der Schräge jede Bewegung bremst) dahin. Das Spiel mit der Wirklichkeit, es kann auch Spaß machen.

Und federleicht sein: Oskar Mauricio etwa spaziert an den Strapaten auf und ab, als flaniere er über eine Strandpromenade. Vivian Spiral wirbelt mit ihren Hula-Hoops, während es mal projizierte, mal gespiegelte Alter Egos es ihr gleich tun. Der technische Aufwand ist groß und stellt sich doch stets in den Dienst der Artistik.

Wie ist es um das Echte bestellt in einer digitalen Welt? Um diese Frage kreist diese einzigartige Show. Schwarz sind Bühne und Kostüme, weiß gleißt das Licht, kaltes Blau darin, mehr Farbe zeigt eigentlich nur die Haut der Künstler und der fantastischen Live-Musiker Reecode und Lih Qun Wong. – am Ende geht es eben doch um die Menschen, auch wenn die Realität virtuell ist und das Virtuelle real. Ein virtuoser Balanceakt auch das.

Die Reaktionen fallen mitunter ein wenig – und beschämend – sparsam aus. Es dauert halt, bis eine Revolution genügend Anhänger findet. Was Jammer ist: Applaus ist analog immer noch am schönsten.

„Dummy Lab“ ist noch bis 28. April im GOP Hannover zu sehen.

Von Stefan Gohlisch

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