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Kultur Daniel Kehlmanns Essay-Band Lob - Über Literatur
Nachrichten Kultur Daniel Kehlmanns Essay-Band Lob - Über Literatur
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11:18 04.08.2010
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VON EVELYN BEYER

Und weil, wie er sagt, auch ein erfolgreicher Autor nicht weiß, „was das Schreiben an sich sei“, fordert er seine Uni-Zuhörer auf: „Glauben Sie keinem Poetikdozenten. Misstrauen Sie Interviews gebenden Autoren, seien Sie skeptisch gegenüber einer Universität, die Schriftsteller einlädt, damit sie hier vor Ihnen stehen und tun, als wüssten sie etwas.“

Es steckt schon eine schöne Portion Witz in Deutschlands literarischem Wunderknaben. Nach der Erzählungssammlung „Ruhm“ hat er nun „Lob“ veröffentlicht, doch der Zusatz „über Literatur“ verdeutlicht: Es sind gesammelte Essays, Vorträge und Reden.
An Thomas Bernhards „Holzfäller“ fasziniert ihn die Doppelstimmigkeit, an Truman Capote die Bandbreite des Stils, an Stephen Kings „Puls“ der Widerspruch zwischen Trivialität und tiefen, dunklen Visionen und in Shakespeares „Sturm“ entdeckt er verschlüsselte Aussagen des großen Briten über sein eigenes Schreiben. Doch ob Kleist, Thomas Mann, Samuel Beckett oder Max Goldt: Stets geht es dabei auch um Kehlmanns eigenes Verhältnis zum Schreiben – auf angenehm uneitle Weise.

Eine dezente Verbeugung vor der Größe des Beschriebenen durchzieht die Texte. „Lob“, das ist ernst gemeint, Kehlmann geht originell und scharfsinnig dem nach, was ihn jeweils gepackt hat, wie Schreiben gelang und gelingen kann. Denn nichts, so Kehlmann, schütze einen Autor davor, „beim nächsten Mal wieder die dümmsten Anfängerfehler zu machen. Immer tastet man.“

Und nie weiß man, wies ankommt. In seiner Rede „Die Katastrophe des Glücks“ beschreibt Kehlmann wunderbar süffisant seinen Weg, vom vergessenen Schriftsteller und der „wohlgepolsterten Demütigung der Lesereisen“ zum Erfolgsautor, der positiv wie negativ als Maß der Dinge herhalten muss, „und man starrt halb vernichtet und halb auch sehr geschmeichelt darauf und fragt sich, ob man das denn träumt.“ Ein lustiger Insider-Bericht und eine aufschlussreiche Entblätterung des Irrsinns im Literaturbetrieb.

Daniel Kehlmann: „Lob – Über Literatur“. Rowohlt, 192 S., 18,95 Euro. Als Hörbuch großartig gelesen von Frank Arnold, Argon-Verlag.

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