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Kultur Daniel Kehlmann entdeckt den Schalk
Nachrichten Kultur Daniel Kehlmann entdeckt den Schalk
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14:22 07.02.2018
Geschichte eines Narren: Daniel Kehlmann liest im Kleinen Sendesaal aus seinem Roman „Tyll“. Quelle: Alexander Körner
Hannover

Schlechte Zeiten haben auch ihre guten Seiten: Beschäftigt man sich lange genug mit ihnen, weiß man, es geht immer noch schlimmer. Nach der Wahl Donald Trumps sei er wie gelähmt gewesen, erzählt Daniel Kehlmann bei seiner Lesung im Kleinen Sendesaal: „Und dann habe ich mich doch wieder ein bisschen von Tylls Optimismus anstecken gelassen.“

Es hat sich gelohnt: Der Kleine Sendesaal ist – wie fast alle Stationen der Lesereise – schon lange ausverkauft. „Tyll“ wurde ein Bestseller, ein Erfolg bei Kritik und Lesern. Und Kehlmann wirkt, den von ihm attestierten schlechten Zeiten zum Trotz – ausgesprochen vergnügt. Kehlmann hat wieder einmal eine fremde Welt vermessen, durchschreitet an der Seite des Narren Tyll Ulenspiegel eine fremde Welt, die des Dreißigjährigen Krieges: „Es war eine Zeit, in der jeder an Gott geglaubt hat und jeder abergläubisch war, eine Zeit voller Angst“, erzählt Kehlmann im Gespräch mit NDR-Redakteur Alexander Solloch: Man könne froh sein über Rationalität und Wissenschaft, die uns befreit hätten von dieser allgegenwärtigen Angst.

Den Tyll zu wählen als Titelfigur eines Romans über diese Zeit, sei logisch gewesen: Für den Narren, einen vom fahrenden Volk, hätten die üblichen Grenzen der Vormoderne nicht gegolten: die zwischen Arm und Reich, Stadt und Land, Adel und Volk. Der Ulenspiegel als Figur, die alle Facetten ihrer Ära spiegelt.

Und so liest Kehlmann einen Ausschnitt, der erzählt, wie Tyll als Hofnarr des unglücklichen Winterkönigs Friedrichs V. das Heerlager Gustav Adolfs besucht, eine Monströsität aus Schmutz und Krankheit und Elend. Er erzählt von einem längst Gescheiterten mit ein wenig Restwürde, vom Hoffnung und Niedergang. Und er tut es mit viel Humanität und Witz – ein Schalk, auch er.

Ein NP-Interview mit Kehlmann finden Sie hier.

Mehr zur Lesung und zur Ausstrahlung im NDR finden Sie hier.

Von Stefan Gohlisch

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