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Sein Spielplatz: Alexander Eisenach im neuen Cumberland.

Sein Spielplatz: Alexander Eisenach im neuen Cumberland.
© Florian Petrow

Interview

Cumberland neu entdecken

Ein neuer Spielplatz für das Staatstheater: Aus Cumberlandscher Bühne und Cumberlandschen Galerie wird in der neuen Spielzeit Cumberland. Hausregisseur Alexander Eisenach gestaltet mit Dramaturgin Sarah Lorenz das Programm, und er inszeniert die Auftakt-Produktion „Eine Stadt will nach oben“. Wir trafen ihn zum Gespräch.

Hannover. Fünf Regisseure erzählen in zehn Folgen die Geschichte Hannovers und eines Hannoveraners: Mit der Theaterserie „Eine Stadt will nach oben“ beginnt am Freitag die neue Spielzeit in Cumberland. Die erste Doppelfolge inszeniert Alexander Eisenach (33), der mii Dramaturgin Sarah Lorenz auch die Neuausrichtung des Schauplatzes verantwortet. Ein Interview.

Das neue Cumberland beginnt mit der Premiere oder – vielleicht besser gesagt – den ersten zwei Folgen von „Eine Stadt will nach oben“. Was verbirgt sich dahinter?

Der Plan ist, eine Theaterserie zu schaffen, die sich durch die ganze Spielzeit zieht, über zehn Folgen geht und versucht, einen erzählerischen Bogen zu schaffen vom Beginn des 20. Jahrhunderts bis zur Machtergreifung der Nationalsozialisten. Das Thema ist die Herausbildung der Stadt, beziehungsweise der beiden Städte Hannover und Linden, erzählt anhand eines jungen Mannes, der vom Land in die Stadt kommt.

Der junge Mann wird gespielt von Jonas Steglich?

Ja, zumindest in den ersten beiden Folgen, die ich mache. Die Besetzung wird nicht kohärent sein; die Figuren aber bleiben. Wir haben fünf verschiedene Regisseure, die nach dem Staffelstab-Prinzip arbeiten. Gordon Kämmerer übernimmt von mir. Es ist ein Experiment, wie dieses Format Serie, das im Fernsehen so erfolgreich ist, im Theater funktioniert.

Getragen werden die Inszenierungen auch von einer Rauminstallation, die sich durch das ganze Treppenhaus ziehen. Was hat es damit auf sich?

Sie spiegelt hoffentlich Hannover wieder. Sie nimmt auch die Struktur des Ortes auf: Andreas Alexander Straßer, der sie gemacht hat, nimmt zum Beispiel mit den extremen Farben die Töne aus den Bodenfliesen auf. Wir wollen, dass man diesen Ort noch einmal neu entdeckt.

Und auch die Stadt?

Wir sind vom Ort ausgegangen, nämlich eben Cumberland, und kamen so auf das Thema Stadt; einerseits in Form der Stadt Hannover, um die es geht, andererseits dahingehend, dass wir hoffentlich die Stadt nach Cumberland holen. Und dadurch, dass es fünfmal ein anderer Blick auf diesen Ort und auf diese Stadt ist, entsteht hoffentlich etwas, das auf Verschiedenheit beruht.

Wie kamen Sie auf diese Person, wie auf diese Zeit?

Auch das ist vom Ort ausgehend gedacht, der Ende des 19. Jahrhunderts gebaut wurde, der etwas Industriehaftes an sich hat. Und ich denke, dass man beim Blick in die Vergangenheit etwas über die Gegenwart erfahren kann. Da ist diese Zeit sehr interessant, wo man sich wieder in einer technologischen Revolution befindet, wo wieder soziale Strukturen wegbrechen, wo sich wieder politische Extreme ausbilden.

Sie sind zumindest zugezogener Hannoveraner und Lindener. Die anderen Regisseure sind es nicht. Ändert das den Blickwinkel?

Das wird sich zeigen. Das Grundinteresse, sich mit der Stadt auseinanderzusetzen, kommt von mir. Das müssen die anderen einfach übernehmen. Aber es geht weniger um eine exakte historische Darstellung, sondern um einen Anlass, über größere politische Strukturen nachzudenken.

Formal werden es 45-Minuten-Folgen sein?

Das war die Idee. Wobei sich schon abzeichnet, dass bereits die erste Folge länger sein wird. Zur Premiere gibt es immer die Doppelfolge des jeweiligen Regisseurs. Später werden sie auch einzeln gezeigt und bleiben im Repertoire. Die Binnenfolgen sollen auch für sich funktionieren.

Und zum Spielzeit-Ende gibt es einen Marathon für Bingewatcher?

Ja, so etwas streben wir schon an; dass wir einfach mal alle Folgen hintereinander zeigen, vielleicht über ein ganzes Wochenende.

Welche Rolle spielt die Serie für die Neuausrichtung von Cumberland?

Sie ist zum einen der rote Faden, der durch die Spielzeit geht. Die Installation ist nicht nur ihr Bühnenbild, sondern auch eine grundsätzliche Auseinandersetzung mit dem Raum; sie ist unser Spielplatz für alle anderen Formate – die alten wie die Montagsbar oder Teilzeit-Flaneure bleiben erhalten, einige neue kommen hinzu. Auch hier haben wir also etwas Serielles.

Was ist Cumberland idealerweise am Ende?

Ein Kunstraum, der Öffentlichkeit schafft. Ein Ort, zu dem die Menschen kommen, um zu diskutieren, um etwas zu erleben, was sie angeht, was ihren Alltag reflektiert, was sie nicht als reine Kunstveranstaltung, sondern als erlebbares Theater wahrnehmen. Wir wollen den klassischen Blick auf Theater verändern, indem wir Formate wählen, die nicht in den typischen Hochkultur-Kosmos gehören: Konzerte, eine Late-Night-Show ...

... und eine Kochshow.

Ja, mit Christoph Elbert aus dem Boca. Wir finden, dass das Thema Ernährung eben auch ein wichtiges für unsere Zeit ist, manchmal ist es ein richtiges Politikum. Mit ihm haben wir jemanden, der über Essen nachdenkt, der innovativ ist und dabei nicht unbedingt elitär. Dazu ist er eben auch eine Erscheinung. Aber „Feed your Head“ wird weniger eine klassische Kochshow als ein gastrosophisches Format. Es geht manchmal auch um die Frage, was uns Formate, die wir im Fernsehen vielleicht sogar schrecklich finden, bringen können. Und wir wollen diesen Ort eben auch weiter in die Stadt hinein öffnen, indem wir uns mit vielen Partnern aus der Stadt verbinden..

Sie machen Cumberland mit Sarah Lorenz zusammen. Wie sieht die Arbeitsteilung aus?

Sarah macht alles, und ich probe (lacht). Nein, es ist die klassische Aufgabenteilung zwischen Dramaturgie und Regie. Sie schaut sich zum Beispiel mehr andere Regisseur an, wozu ich nicht so viel Zeit habe. Natürlich tauschen wir uns aus, die ganze Zeit, auch mit anderen Kollegen, Dramaturgen, der Öffentlichkeitsarbeit.

Was war Ihre schlechteste Idee in der Konzeptionsphase?

Wir haben keine schlechten Ideen (lacht).

Und die beste, die Sie nicht realisiert haben?

Das sage ich nicht, weil wir sie vielleicht in der nächsten Spielzeit realisieren.

Worauf freuen Sie sich am meisten?

Am meisten tatsächlich auf meine eigene Premiere mit „Eine Stadt will nach oben“. Wir proben jetzt endlich in den Räumen, es passiert total viel, aber man merkt schon, wie die Dinge sich fügen. Das macht viel Spaß.

Das Programm

Cumberlandsche Galerie und Cumberlandsche Bühne verschmelzen zu Cumberland, einer Art Ideenwerkstatt und Begegnungsstätte. Die alten Formate wie die Montagsbar bleiben erhalten, viele neue kommen hinzu. Am Freitag gibt es die erste Doppelfolge von „Eine Stadt will nach oben“. Am 6. September startet „Feed your Head“, ein Gastroformat mit Christoph Elbert (Boca, 11a). Am 7. September lädt Schauspieler Jonas Steglich zur „Zur Nacht Schau“, einer Late-Night-Show, die auch bei H1 zu sehen sein wird. Am 12. September spricht Schauspielerin Johanna Bantzer in der „Werkschau“ erstmals mit Theatermachern über aktuelle Arbeiten. Am 19. September beginnt Carolin Emcke mit dem „ABC der Demokratie“.

Mehr Informationen gibt es hier.

Von Stefan Gohlisch


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